Caesarea

Das ganze Jahr ist Chanukka

Alles dreht sich: Eran Grebler glaubt an die mystische Kraft seiner kleinen Spielzeuge. Foto: Sabine Brandes

Sie wollen wissen, ob Sie an diesem Tag mit Liebe, Freude, Glück, Gesundheit oder Erfolg gesegnet sind? Vergessen Sie Tarotkarten und Wahrsager. Nehmen Sie Ihr Schicksal in die eigene Hand und drehen Sie den Dreidl! Die jüdische Variante des Kreisels sagt Ihnen, was geschieht. »Und es trifft immer zu.« Dreidlmacher Eran Grebler glaubt an die mystische Kraft seiner kleinen Spielzeuge. Schon drei Jahrzehnte lang fertigt er sich drehende Wunderwerke aller Art – nicht nur zu Chanukka.

Natürlich gibt es im Dreidl-Haus am alten Hafen von Caesarea auch die Klassiker mit den Anfangsbuchstaben des legendären Satzes: »Nes Gadol Haja Poh – ein großes Wunder ist hier geschehen«. Ohne sie wäre das Lichterfest für jüdische Kinder kaum denkbar. Mit jeder Menge schokoladigem Chanukka-Gelt bewaffnet setzen sich Mädchen und Jungs mit Vorliebe an allen acht Festtagen auf den Boden und dreidln, was das Zeug hält. Für die Feiertage im Ausland gibt es die Variante mit den Lettern Nun, Gimel, Hej und Schin. Letzterer steht für »scham«, also dort, im Heiligen Land, wo das Chanukkawunder des kleinen Ölfläschchens geschehen sein soll.

Um das Licht noch feierlicher leuchten zu lassen, hat Grebler vor einer Weile eine besondere Chanukkia entworfen: mit Dreidln als Kerzenhalter. »Ja, hier dreht sich alles«, bestätigt er und lädt die Besucher ein, es selbst zu probieren. Große Schilder mit »Bitte drehen!« liegen im Geschäft aus, das gleichzeitig seine Werkstatt ist. Als er vor 30 Jahren begann, Judaica herzustellen, merkte er schnell, dass die Kunden Dreidl am liebsten mögen. Seine Fantasie kennt kaum Grenzen, mehr als 800 verschiedene hat er bereits hergestellt, und es kommen immer noch neue dazu. Die regulären gibt es in den unterschiedlichsten Formen und Farben, schlicht aus Keramik oder mit Metall verziert.

Entscheidung Greblers echte Spezialität aber sind die außergewöhnlichen: Mit Mini-Kugellagern versehen wirbeln manche minutenlang um die eigene Achse. Wer seine Identität betonen möchte, wählt vielleicht einen Davidstern mit beweglicher Mitte. Auch für Sportfans, Tierliebhaber oder Verliebte stehen Varianten in den Regalen. Verheiratete Frauen, die eine Ausrede für die eheliche Pflicht brauchen, müssen sich mithilfe von Greblers Werken nicht einmal mehr Gedanken machen, ob sie Migräne oder Müdigkeit vorschützen. Der Künstler schmunzelt: »Sie drehen und haben immer eine Erklärung parat.« Glücklich darf sich der Gatte schätzen, wenn der Kreisel auf »wo?« liegen bleibt. Sogar Unentschlossenen in Sachen Reiseziel kann so geholfen werden. Die Hand an den Dreidl mit Städtezielen wie Paris, New York oder Barcelona gelegt – und schon ist einem die Entscheidung abgenommen.

Auch Abhilfe bei ewigem Gezeter über die Mithilfe im Haushalt gibt es auf diese Art. »Eltern, die ihren Kindern sagen möchten, sie sollen helfen, müssen nicht mehr nörgeln, sondern einfach dreidln«, erklärt der Künstler und zeigt auf ein blau-weißes Modell mit fünf Aufgaben wie »Geschirr abspülen« oder »Müll rausbringen«. Glück für das Kind, Pech für Mutter und Vater, wenn »Fernsehgucken« dabei herauskommt.

Segen Besonders beliebt ist der Glückskreisel. Da nicht jeder Hebräisch liest, gibt es ihn zudem mit englischen, spanischen und russischen Segenswünschen. Die unterschiedlichen Ausführungen gibt es ab etwa zehn Euro für die klassische Chanukkavariante und bis 100 Euro für das Modell Springbrunnen.

Am eigenen Leib hat Revital Golan bereits die Symbolkraft des Dreidls erlebt. Zweimal Liebe – einmal mitten ins Herz getroffen. Als die Verkäuferin des Dreidl-Hauses eines schönen Tages vor einem halben Jahr einen Kunden aufforderte, den Glücks-Dreidl zu drehen, blieb er auf »Ahava« stehen. Danach war Revital an der Reihe, die bereits ein Auge auf den netten Herrn geworfen hatte, und wieder erschien das größte aller Gefühle. Seit diesem Tag sind die beiden ein Paar. »Man muss nur den Dreidl drehen, dann wird schon alles gut«, lacht die verliebte Verkäuferin, »ganz besonders an Chanukka«.

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