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Pride Parade

Bunt, laut - und angespannt

30.000 feierten in Jerusalem unter dem Regenbogen. Foto: Flash 90

Es war bunt, es war laut, es war fröhlich – und gleichzeitig war die Stimmung extrem angespannt. Bei der Pride Parade in Jerusalem versammelten sich am frühen Donnerstagabend nach Polizeiangaben mehr als 30.000 Mitglieder und Unterstützer der LGBTQ+-Gemeinde.

SICHERHEIT Angesichts des aktuellen politischen Klimas hatten die Organisatoren des Open House in Jerusalem schon vorher damit gerechnet, dass die Parade die größte aller Zeiten werden würde. Und die mit den striktesten Sicherheitsvorkehrungen. Vor dem Beginn der Parade hatte es Androhungen von Gewalt verschiedener rechtsextremer Gruppen gegeben, darunter Lehava.

Außerdem nahm die Polizei im Vorfeld drei Männer fest, die in den sozialen Netzwerken zur Gewalt gegen Teilnehmer der Parade aufgerufen hatten.

KADDISCH Im Jahr 2015 hatte der ultraorthodoxe Extremist Yishai Schlissel die 16-jährige Shira Banki erstochen, als sie mit der Pride Parade mitlief, und mehrere Menschen verletzt. Während der jetzigen Veranstaltung wurde entlang der Paradestrecke das Kaddisch-Gebet für die Schülerin gesprochen.

Hila Peer, Vorsitzende von »The Aguda«, größte LGBTQ+-Organisation Israels, findet, »der heutige Marsch ist der wichtigste aller Zeiten«. Die Menschen würden »vereint gegen die Bedrohungen, die Hetze und den Hass für ein gleichberechtigtes, demokratisches und tolerantes Israel« auf die Straße gehen.

»Es gibt keine Pride ohne Demokratie, und das ist die Antwort auf die Homophobie der Regierung«, so Peer. »Das ist unsere Kultur und Liebe, und sie wird jeden Minister besiegen, der auf unsere Kosten Provokationen durchführt.«

»Der einzige Unterschied besteht darin, dass diese Leute nicht mehr nur ein lächerlicher Haufen dunkler Extremisten sind – sie sind Teil der Regierung.«

oppositionsführer yair lapid

Peer bezog sich damit auf den rechtsextremen Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben Gvir, dem die Sicherung der Pride Parade oblag, obwohl er vor seiner Regierungszugehörigkeit persönlich regelmäßig gegen die Parade demonstriert hatte. »Es ist klar, dass ich in meiner Rolle als nationaler Sicherheitsminister alles tue und tun werde, damit es nicht zu einem verrückten Fall wie dem Mord an dem Mädchen Shira Banki kommt«, stellte Ben Gvir klar.

GEGENPROTEST Darüber hinaus bekräftigte er seine Unterstützung für einen Gegenprotest. »Das ist ihr Recht, solange sie nicht gegen das Gesetz verstoßen. Ich habe die Polizei angewiesen, dass ich keine Bilder von ultraorthodoxen oder religiösen Menschen sehen möchte, die von der Straße geworfen werden, weil sie religiös sind, eine Kippa oder Röcke tragen.«

Der sogenannte »Biester-Marsch«, der von rechtsextremen Gruppen angekündigt worden war, fand im Endeffekt nicht statt, andere Gegen-Demonstrationen aber schon. Doch außer einigen kleineren Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Anti-Besatzungs-Demonstranten, die sich der Pride Parade angeschlossen hatten, blieb die Pride Parade gewaltlos.

SCHRANK Oppositionsführer Yair Lapid (Jesch Atid) wandte sich mit einer Rede an die Feiernden: »Wie in jedem Jahr protestieren die Schläger der Lehava-Kach-Bewegung gegen uns. Der einzige Unterschied in diesem Jahr besteht darin, dass diese Leute nicht mehr nur ein lächerlicher Haufen dunkler Extremisten sind – sie sind Teil der Regierung.«

Lapid griff auch die Kabinettsminister an: »Bezalel Smotrich, Itamar Ben-Gvir, Avi Maoz, sie alle versuchen, uns alle zurück in den Schrank zu drängen. In den dunklen Schrank ihrer Vorurteile, in den dunklen Schrank der Angst und des Hasses.«

Tom Nides, US-Botschafter in Israel, sprach im hellblauen T-Shirt mit Regenbogen-Logo: »Das ist der Geist Amerikas – an der Seite der Israelis und der LGBTQ+-Gemeinschaft zu stehen und sie bei allem zu unterstützen, was sie brauchen. Das ist Demokratie, und das sind die Werte, die wir teilen, und warum wir hier sind. Wir sind bei euch!«

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