Fragen und Antworten

Brisanter Besuch von Netanjahu in Ungarn

Benjamin Netanjahu Foto: picture alliance/dpa

Trotz eines internationalen Haftbefehls wird der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu in Ungarn empfangen. Er muss nicht befürchten, dass er während seines mehrtägigen Besuches festgenommen wird. Denn Ungarns Regierungschef Viktor Orbán kündigte bereits an, dass der Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofes nicht vollstreckt werde.

Wie ist die Ausgangslage?
Der Internationale Strafgerichtshof hatte im vergangenen November den Haftbefehl gegen Netanjahu wegen angeblicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen in Gaza erlassen. Das Gericht aber verfügt selbst nicht über eine Polizeimacht, um den Gesuchten auch tatsächlich festzunehmen. Dazu ist es abhängig von der Kooperation der Vertragsstaaten.

Warum sorgt der Haftbefehl für so viele Diskussionen?
Abgesehen davon, dass er sich gegen einen demokratisch gewählten Regierungschef eines ebenso demokratischen Staates richtet, ist die Begründung mehr als strittig. Israel wehrt sich in Gaza gegen die Hamas, die Israel am 7. Oktober 2023 attackierte, Massaker anrichtete und den jüdischen Staat erklärtermaßen vernichten will. Dabei gehen die Streitkräfte gegen Terroristen vor, nicht aber gegen die Zivilbevölkerung. Israel schützt die Gazaner sogar, indem es sie vor bevorstehenden Angriffen warnt, Fluchtrouten und humanitäre Zonen einrichtet. Bisher sorgte Israel für die Einfuhr von 1,3 Millionen Tonnen Hilfsgütern, während es gegen die Aggressoren ankämpfte. Dies ist in der Geschichte der militärischen Auseinandersetzungen ein einmaliger Vorgang.

Lesen Sie auch

Müsste Ungarn Netanjahu also festnehmen?
Ungarn ist einer der 125 Vertragsstaaten des Gerichts. Es hat den Grundlagenvertrag, das sogenannte Römische Statut, ratifiziert. Danach sind die Mitgliedsstaaten verpflichtet, Anordnungen des Gerichts auszuführen. Sie müssen Haftbefehle vollstrecken, wenn sich ein Gesuchter auf ihrem Hoheitsgebiet befindet. Demnach müsste Ungarn Netanjahu also festnehmen.

Gibt es Ausnahmen?
Nein, sagt der Strafgerichtshof. Wenn Staaten Bedenken hätten, stehe es ihnen frei, das Gericht zu konsultieren, sagte ein Sprecher des Strafgerichtshofes in Den Haag. »Es ist jedoch nicht Sache der Staaten, einseitig über die Stichhaltigkeit der Rechtsprechung des Gerichtshofs zu entscheiden.« Entscheidungen des Gerichts können schließlich auch vor Gericht angefochten werden.

Gibt es keine Immunität?
Hier geht es um ein Grundprinzip des Weltstrafgerichts: Jeder ist vor dem Gericht gleich, und keiner kann sich mit Berufung auf ein Amt der Strafverfolgung entziehen.

Was passiert, wenn ein Staat seiner Pflicht nicht nachkommt?
Wenn ein Staat seiner vertraglichen Verpflichtung nicht nachkommt, dann kann das Gericht den Fall der Vertragsstaatenkonferenz vorlegen. Und diese kann dann über weitere Maßnahmen gegen diesen Staat entscheiden. Große Folgen aber wird das kaum haben. Für das Gericht steht dagegen einiges auf dem Spiel. Wenn seine Anordnungen missachtet werden, untergräbt das die Autorität des Gerichts.

Ist Ungarn ein Einzelfall?
Ungarn ist das erste europäische Land, in das Netanjahu nach Ausstellung des Haftbefehls reist. Aber es steht nicht allein da. Auch Frankreich, Italien und Polen hatten bereits suggeriert, dass sie den Haftbefehl nicht vollstrecken würden. Auch Friedrich Merz, der wohl künftige Bundeskanzler, hatte angekündigt, Netanjahu nach Deutschland einladen zu wollen. Er werde Wege finden, dass dieser nicht festgenommen werden müsse. dpa/ja

Israel

Auf frischer Tat gerettet

Eine Raubgrabung fördert 2000 Jahre alte Geschichte zutage und führt zu einer antiken Steinwerkstatt

von Sabine Brandes  25.02.2026

Wirtschaft

»Tropfenwunder« zu verkaufen

Das Bewässerungsunternehmen »Netafim« ist eine der größten Erfolgsgeschichten des Landes. Nun soll es offenbar von einem chinesischen Investor übernommen werden

von Sabine Brandes  25.02.2026

Analyse

Die Uhr tickt

Zwischen Abschreckung, Drohgebärden und Überlastung: Warum die Krise zwischen den USA und dem Iran für den jüdischen Staat brandgefährlich ist

von Sabine Brandes  25.02.2026

Kairo

PLO-Funktionär weist Forderung nach Entwaffnung der Hamas zurück

Scharf wandte sich der PLO-Politiker auch gegen Forderungen nach Reformen der Palästinensischen Autonomiebehörde. Die Pay-for-Slay-Politik will er weiterführen

 25.02.2026

Tel Aviv

Wegen Eskalation mit Iran: Ishay Ribo streicht US-Tour

Der israelische Künstler war schon am Flughafen Ben-Gurion, als er sich zur Absage entschied

 25.02.2026

Botschafter in Tel Aviv

Auch Lambsdorff will in Israel Hebräisch lernen

Im Sommer soll der Diplomat Steffen Seibert als Deutschlands Botschafter in Tel Aviv ablösen. Jetzt verrät Alexander Graf Lambsdorff, warum er sich auf die neue Aufgabe freut

 25.02.2026

Tel Aviv

Klimawandel unter der Stadt: Kampf gegen steigende Grundwasserstände

»Das Problem ist nicht so akut wie eine iranische Rakete«, sagt ein Experte. »Wir haben Zeit, uns vorzubereiten. Wenn wir sie nicht nutzen, werden wir Schwierigkeiten bekommen.«

 25.02.2026

Staatsbesuch

Modi will strategische Partnerschaft in Israel verbessern

Modis dicht gedrängtes Programm führt den indischen Premier vom Flughafen direkt zu politischen und wirtschaftlichen Terminen in Jerusalem. Eine Rede vor der Knesset ist vorgesehen

 25.02.2026

Nahost

Deutschland warnt Bürger in Israel

Angesichts eines möglichen US-Angriffs auf den Iran mit Folgen auch für Israel hat das Auswärtige Amt Deutsche vor Ort zu Sicherheitsmaßnahmen aufgerufen

 24.02.2026