Wahlen

Breite Koalition gewünscht

Reuven Rivlin bei einer Besprechung mit Likud-Politikern Foto: Flash90

Die ersten Gesprächsrunden hat er bereits hinter sich. Israels Präsident Reuven Rivlin ist dieser Tage geschäftig unterwegs, um sich nach der Parlamentswahl mit den Parteien der 20. Knesset zu treffen. Anschließen wird er entscheiden, wen er mit der Regierungsbildung beauftragt.

Politexperten gehen davon aus, dass es sich wieder um den bisherigen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu handeln wird. Sein Likud hatte bei den Wahlen am 17. März 29 Mandate geholt, Isaac Herzog von der Zionistischen Union 24.

Gesellschaft
»In einer Demokratie entscheidet die Mehrheit. Und diese Mehrheit hat bei den Wahlen sehr deutlich gesprochen«, ließ Rivlin beim Auftakt der Gespräche wissen. »Wir sind durch eine stürmische und leidenschaftliche Wahlperiode gegangen, und nun ist die Zeit, in der die israelische Gesellschaft zusammengeführt und geheilt werden muss. Die Regierung ist von der Mehrheit gewählt worden, doch sie muss allen Bürgern des Landes gerecht werden.«

Der Präsident, ein vehementer und ausgesprochener Gegner von Rassismus, hatte zuvor die Worte des Likud-Chefs am Wahltag, dass »die Araber in riesigen Mengen an die Urnen pilgern« scharf kritisiert und sich bei der arabischen Gemeinde im Land entschuldigt.

Nach den Empfehlungen der Parteivorsitzenden jedoch hat er keine andere Möglichkeit, als dem alten Regierungschef den Vortritt für die Gestaltung der Regierung zu lassen.

Nominierung Denn am Sonntag hatten von 88 Knessetabgeordneten der Parteien Likud, Zionistische Union, Vereinte Arabische Liste, Jüdisches Haus, Schas und Vereintes Tora Judentum 51 Netanjahu nominiert. Die einzigen, die gegen ihn stimmten, waren die der Partei von Herzog und der arabischen Union.

Eitan Cabel von der Zionistischen Union erklärte nach den Konsultationen: »Herzog ist der richtige Mann, um das Land in dieser Zeit zu führen, doch er wird es von der Opposition aus tun müssen. Die Zionistische Union hat viel erreicht, aber leider hat Netanjahu mehr erreicht«.

Am Montag trifft sich das Staatsoberhaupt mit Vertretern von Kulanu, Israel Beiteinu, Jesch Atid und Meretz. Man geht davon aus, dass am Ende Meretz und Yair Lapids Jesch Atid in der Opposition sitzen werden.

Gesetz Es wird erwartet, dass Netanjahu daraufhin sofort mit seinen Koalitionsverhandlungen beginnt. Das Gesetz gibt ihm vier Wochen Zeit, um eine funktionierende Regierung auf die Beine zu stellen, mit der Option einer Verlängerung um weitere zwei Wochen. Experten gehen davon aus, dass die Partei die Schlüsselministerien Verteidigung und Bildung sowie das Außenministerium für sich beanspruchen wird.

Nach dem Treffen mit dem Präsidenten äußerte sich die Abgeordnete Zipi Chotovely: »Ich bin mir sicher, dass es im Sinne aller ist, dass wir eine dauerhafte und stabile Koalition zusammenbringen. Dafür müssen die anderen ihre Ansprüche herunterschrauben«. Chotovely bezog sich mit ihrer Aussage auf das Jüdische Haus und Israel Beiteinu, die es auf das Außen- beziehungsweise Verteidigungsministerium abgesehen haben.

Rivlin rief am Wochenanfang noch einmal zu einer möglichst breiten Koalition auf: »Die politischen Anliegen und der Druck, den unsere besten Freunde in Europa und den USA ausüben, benötigt eine breite Koalition in der nächsten Knesset«.

Libanon

Israel stellt sich auf mehr Angriffe der Hisbollah ein

Am Wochenende griff die Hisbollah Kiriat Schmona im Norden Israels in vier Wellen an. Die israelische Armee bereitet sich auf einen verstärkten Raketenbeschuss vor und weitet ihre Bodeneinsätze im Südlibanon aus

 31.05.2026

Hintergrund

Israel über Guterres: »Sind mit diesem Generalsekretär fertig«

Die Beziehungen zwischen Israel und dem bald aus dem Amt scheidenden UN-Generalsekretär António Guterres sind auf einem neuerlichen Tiefpunkt. Dabei hatte alles ganz anders begonnen

von Michael Thaidigsmann  29.05.2026

Tourismusbranche

Trotz anhaltender Konflikte: Israel wirbt wieder verstärkt um Touristen

Eine Werbeoffensive in Nordamerika soll ausländische Urlauber zurückholen

 29.05.2026

Spendensammlung

Nova-Massaker: Gedenkstätte bei Re’im bittet um Spenden für Fertigstellung

Täglich kommen Tausende Menschen zu der provisorischen Anlage nahe der Gaza-Grenze. Der Gedenkort für 378 von Terroristen ermordete Menschen soll nun ausgebaut werden

 29.05.2026

Jordantal

Netanjahu: Israel wird 70 Prozent des Gazastreifens kontrollieren

Auch bestätigt der Ministerpräsident erstmals öffentlich, israelische Bodentruppen hätten während der jüngsten Operationen im Südlibanon den Litani-Fluss überschritten

 29.05.2026

Meinung

Kein Boykott – nur Abscheu

Die irische Schriftstellerin Sally Rooney möchte ihren neuesten Roman doch auf Hebräisch übersetzen lassen. Zuvor sortiert sie aber Israelis aus - und das Mitgefühl gleich mit

von Sabine Brandes  29.05.2026

Gesellschaft

Charedische Wehrdienstverweigerer erstmals festgenommen

Ultraorthodoxe Regierungspolitiker rufen zum Boykott der Polizei auf, nachdem die Behörden härter gegen Wehrdienstverweigerer vorgehen

von Sabine Brandes  28.05.2026

Ungelöster Fall

Wo ist die kleine Haymanut?

Mehr als zwei Jahre nach dem Verschwinden des Mädchens schaltet sich der Schin Bet ein – begleitet von wachsendem Druck auf Polizei und Regierung.

von Sabine Brandes  28.05.2026

New York/Jerusalem

Israel kritisiert Aufnahme in UN-Bericht zu sexueller Gewalt

Der israelische UN-Botschafter Danny Danon sagt, der Eintrag stelle »einen moralischer Skandal und einen vollständigen Zusammenbruch jeglicher Glaubwürdigkeit der Vereinten Nationen« dar

 28.05.2026