Gesetz

Boykott der Boykotteure

Kein Anblick mehr am Strand von Tel Aviv Foto: Flash 90

Das neue Gesetz, das die Einreise von Ausländern untersagt, die öffentlich zum Boykott Israels oder der Siedlungen aufrufen, wird umgesetzt. Am Montagmorgen wiesen Behörden an der Grenze den britischen Aktivisten Hugh Lanning ab. Der Vorsitzende der »Solidaritätskampagne für Palästina« wurde nicht ins Land gelassen, weil »er sich fortwährend dafür engagiert, einen Boykott Israels voranzutreiben«, ließ die Einwanderungsbehörde wissen.

Der Gesetzesvorschlag war am vergangenen Montag mit 46 zu 28 Stimmen angenommen worden. Er besagt, dass kein Visum und keine Aufenthaltsgenehmigung an Personen vergeben werden darf, die keine Bürger oder dauerhafte Bewohner Israels sind und öffentlich und wissentlich zum Boykott Israels oder der jüdischen Siedlungen im Westjordanland aufrufen oder an Boykottaktionen teilgenommen haben. Das gilt auch für Angestellte von Organisationen, die dies tun. Der Innenminister ist dennoch berechtigt, in Ausnahmefällen eine Einreiseerlaubnis zu erteilen.

kritiker Das Gesetz soll der BDS-Bewegung (Boycott, Divestment and Sanctions) entgegenwirken. »In den vergangenen Jahren haben die Aufrufe zum Boykott immer mehr zugenommen. Dies ist eine neue Front im Krieg gegen Israel«, so die Regierung. Kritiker indes meinen, dass das Einreiseverbot das Gegenteil bewirken und Menschen in die Arme der BDS-Bewegung treiben kann. Die Vorsitzende der linken Meretz-Partei, Tamar Zandberg, dazu: »Dies ist ein Gesetz gegen die Meinungsfreiheit und dient einzig der politischen Zensur. Es ist dazu da, Dissidenten zum Schweigen zu bringen.« Dov Khenin von der Vereinten Arabischen Liste meint, die ganze Welt sei überzeugt, dass die Siedlungen illegal sind. »Also werden wir die ganze Welt verbannen?« Ein Land, das so etwas tue, isoliere sich selbst.

Auch jüdische Gruppen in den USA haben sich vehement gegen die neue Regel ausgesprochen. Dutzende jüdische Intellektuelle haben Sorge, dass sie Israel nicht mehr bereisen können, weil sie sich gegen die Siedlungen in den besetzten Gebieten ausgesprochen haben. Mehr als 100 Wissenschaftler jüdischer Studien haben einen Brief unterzeichnet, in dem sie drohen, aus Protest nicht mehr nach Israel zu reisen.

Photo by Al-Aqsa TV/UPI Photo via Newscom picture alliance

Meinung

Wenn der »Spiegel« mit der Hamas kuschelt

Die Hamas verkündet, einen Nachfolger für Yahya Sinwar gefunden zu haben. Für das große deutsche Nachrichtenmagazin Grund, eine Runde Sympathie und Mitgefühl zu spendieren

von Sophie Albers Ben Chamo  23.07.2026

Nachruf

»Haim Yavin. Hier enden unsere Sendungen«

Der israelische Protestkünstler Shoshke Engelmayer verabschiedet sich von einer TV-Legende seines Landes

 23.07.2026

Naher Osten

Trump: Atom-Deal nur bei saudischer Anerkennung Israels

Washington und Riad stehen kurz vor einem Atomabkommen zur zivilen Nutzung der Kernenergie. Doch jetzt hat Donald Trump eine neue Bedingung gestellt

 23.07.2026

Plädoyer

Dem Recht vertrauen

Ohne einen unabhängigen Obersten Gerichtshof ist nicht nur Israels Demokratie, sondern der jüdische Staat selbst in Gefahr

von Awi Blumenfeld  23.07.2026

Nachrichten

Geisel, Hamas, Charedim

Kurzmeldungen aus Israel

 22.07.2026

Jerusalem

Bericht: Kabinett billigte Maßnahmen gegen Siedlergewalt

Ministerpräsident Netanjahu bezeichnet die Gewalt extremistischer Siedler gegen Palästinenser als ein »metastasierendes Krebsgeschwür«

 22.07.2026

Medallienregen

Israelische Schüler holen 13 Medaillen bei internationalen Wissenschafts-Olympiaden

Besonders erfolgreich war das israelische Team bei der Internationalen Physik-Olympiade in Kolumbien

 22.07.2026

Jerusalem

Herzog warnt vor Gewalt im Wahlkampf: »Wahlen sind kein Bürgerkrieg«

Der Präsident appelliert an Politiker, Kandidaten und Wahlkampfhelfer aller Parteien, »rote Linien« nicht zu überschreiten

 22.07.2026

Beit Lid

Nach Festnahme eines Wehrdienst-Verweigerers: Tausende Haredim demonstrieren

Einzelne Teilnehmer versuchten, einen Zaun vor dem Gefängnis niederzureißen

 21.07.2026