Israel

Botschafter Steffen Seibert rügt Äußerungen israelischer Ministerin

Galit Distel-Atbaryan (mit Brille) bei der Wahlparty des Likud am 2. November 2022 Foto: IMAGO/ZUMA Wire

Es war nicht ihre erste kontroverse Aussage. Galit Distel-Atbaryan ist als Publizistin eher im rechten Lager angesiedelt gewesen und war bislang absolut loyal zu Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, für dessen Likud-Partei sie seit zwei Jahren in der Knesset sitzt.

Seit Kurzem ist sie auch Ministerin für »Hasbara« in Netanjahus Kabinett – ein Amt, das es schon seit einigen Jahren gibt und dessen Zweck Kritiker gerne mit dem Begriff »Propaganda« beschreiben, was auch daran liegt, dass der hebräische Begriff schwer in andere Sprachen zu übersetzen ist.

TREFFEN Die 52-jährige Distel-Atbaryan ist seit Längerem für markige Sprüche bekannt. 2021 behauptete sie auf Twitter, US-Präsident Joe Biden sei während eines Treffens mit dem damaligen Ministerpräsidenten Naftali Bennett eingenickt. Twitter versah den Post daraufhin mit einem Warnhinweis.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Am Dienstag gab Distel-Atbaryan im israelischen Armeeradio ein Interview. Darin kritisierte die Proteste in Israel gegen die von ihrer Regierung geplante Justizreform scharf. Die Demonstranten wüssten nicht, dass sie vom Ausland instrumentalisiert würden.

Distel-Atbaryan beklagte eine »Finanzierung durch ausländische Staaten und Akteure, von denen die meisten antisemitisch sind.« Diese würden Menschen in Israel »auf die Straße zu bringen, ohne dass die wissen, dass das Geld hinter den Protesten letztlich aus Ländern wie Deutschland oder dem Iran kommt - das ist es, was die Linke macht.«

RETOURKUTSCHE Kritik für die Nennung Deutschlands in einem Atemzug mit dem Iran bekam die Likud-Ministerin nicht nur in Israel selbst. Der frühere israelische Botschafter Jeremy Issacharoff schrieb auf Twitter: »Ich halte die Behauptungen von Galit Distel für inakzeptabel und völlig abwegig. Deutschland ist einer der wichtigsten strategischen Partner Israels der letzten Jahre, der sich für die nationale Sicherheit Israels einsetzt. Die derzeitigen Proteste brauchen keine Hilfe von außen.«

Auch Deutschlands Botschafter in Tel Aviv äußerte sich. Steffen Seibert wurde von der Tageszeitung »Haaretz« mit den Worten zitiert, er sei »enttäuscht« über die Aussagen Distel-Atbaryans. Dass die Ministerin »Deutschland, einen Freund und demokratischen Partner Israels, neben dem totalitären Iran erwähnt«, sei nicht angemessen, so der langjährige Regierungssprecher Angela Merkels.

»Ich halte die Behauptungen von Galit Distel für inakzeptabel und völlig abwegig«, betont Steffen Seibert.

»Ich glaube, dass die Israelis in diesem freiheitsliebenden Land im Allgemeinen keine Anweisungen aus dem Ausland brauchen, um für das zu einzustehen, woran sie glauben«, sagte Seibert. Er werde aber das Gespräch mit der Ministerin suchen.

Vielen in Israel gehen die geplanten Reformen des Justizwesens zu weit; sie fürchten, die rechtsstaatliche Gewaltenteilung könnte ausgehöhlt und der demokratische Charakter Israels beeinträchtigt werden.

Galit Distel-Atbaryan warf in ihrem Radio-Interview den israelischen Kritikern dagegen vor, sie würden sich aus dem Ausland instrumentalisieren lassen und internationale Medien dazu benutzen, um Druck auf die Netanjahu-Regierung auszuüben. mth

Reisen

2,4 Millionen Israel-Flugtickets könnten storniert werden

Noch immer nehmen US-Maschinen den größten Teil des Ben-Gurion-Flughafens in Beschlag. Verkehrsministerin Regev warnt vor Schäden in Milliardenhöhe

von Sabine Brandes  15.06.2026

Uganda

Entebbe-Entführung 1976: Debatten um Linksterror und Antisemitismus

Vor 50 Jahren entführten zwei Deutsche und zwei Palästinenser einen Airbus aus Israel nach Uganda. Dabei sollen sie Geiseln nach antisemitischen Kriterien voneinander getrennt haben. Die Tat befeuerte das Unbehagen vieler Linker mit Gewalt

von Nils Sandrisser  15.06.2026

Rehovot

Israelis entwickeln neue Methode zur Suche nach außerirdischem Leben

Wissenschaftler des Weizmann-Instituts haben ein statistisches Analysewerkzeug entwickelt, das anhand von Molekülmustern erkennt, ob bestimmte Stoffe biologischen Ursprungs sind

 15.06.2026

Tel Aviv

Naftali Bennett: »Netanjahu kann es einfach nicht mehr«

»Er kann keine Kriege gewinnen. Er kann die Kriminalität nicht bekämpfen. Er kann die Preise nicht senken. Er kann die Ultraorthodoxen nicht in die israelische Gesellschaft integrieren«, sagt der Kandidat der Partei »Zusammen«

 15.06.2026

Kommentar

Die Welt atmet auf, viele Juden tun es nicht

Weder Hamas noch Hisbollah sind verschwunden. Das iranische Regime sitzt weiterhin in Teheran, mit derselben Ideologie, die den 7. Oktober verursacht hat

von Guy Katz  15.06.2026

Washington D.C.

Trump über Netanjahu: Er hat kein Urteilsvermögen

Der amerikanische Präsident beschwert sich über Israels jüngste Attacken auf Hisbollah-Ziele in der libanesischen Hauptstadt: »Warum musste Bibi einen verdammten Angriff durchführen?«

 15.06.2026

Palästinensische Gebiete

Abbas kündigt Präsidentschaftswahlen für 2027 an

Es wären die ersten seit 20 Jahren

 14.06.2026

Libanon

Israel beschießt Hisbollah in Beiruter Vororten

Nachdem die Terror-Miliz den Norden Israels mit Drohnen angegriffen hat, reagiert die israelische Armee

 14.06.2026

Nahost

Hisbollah beschießt Israel mit Sprengstoff-Drohnen

Nach Drohnenangriffen der Hisbollah auf Israels Norden fordert Finanzminister Smotrich eine härtere Reaktion. Wird Israel jetzt wieder die Vororte Beiruts angreifen?

 14.06.2026