Internet

Bots gegen die Eurovision

»Artists for Palestine UK«-Twitter-Account vom Februar 2019 Foto: Screenshot: ja

Israel hat ein Netzwerk von Bots und falschen Twitter-Accounts aufgedeckt, die zum Boykott der Eurovision aufrufen, erklärte das Ministerium für strategische Angelegenheiten in Jerusalem. Die BDS-Kampagne laufe unter dem Hashtag BoycottEurovision2019. Twitter bestätigte, dass »ein kleines Netzwerk« nach dem israelischen Einspruch suspendiert wurde.

Zu den falschen Accounts gehören solche, die gegen Madonna Stimmung machen.

Druck Angeblich stecke hinter den falschen Seiten eine palästinensische Aktion, so das Ministerium. Die BDS-Bewegung, die zu Boykott, Desinvestition und Sanktionen gegen Israel aufruft, übt bereits seit einer Weile Druck auf die Künstler aus, die beim Gesangswettbewerb auftreten werden. Bislang hat allerdings lediglich Island erklärt, aus diesem Grund nicht teilnehmen zu wollen.

»Die BDS-Aktivisten nutzen jede betrügerische Methode, um Israel zu attackieren, sogar wenn es um einen Wettbewerb geht, der Menschen und Kulturen zusammenbringt«, so Minister Gilad Erdan. »Wir haben jetzt bewiesen, dass die Boykottorganisationen nicht nur antisemitisch sind und Terror unterstützen, sondern zudem lügen und Unterstützung für ihre Agenda produzieren.«

Madonna Zu den falschen Accounts gehören solche, die gegen Madonna Stimmung machen. Deren Auftritt auf der Eurovision ist angekündigt, aber noch immer nicht bestätigt. Doch auch Teilnehmer wie Bilal Hassani aus Frankreich, Michael Reiß aus Großbritannien und Alessandro Mahmoud aus Italien wurden von den falschen Seiten kritisiert.

Das Ministerium hatte im November 2018 begonnen, den Einfluss von sozialen Netzwerken im Internet zu untersuchen. Ergebnis ist der Bericht mit dem Titel »Der große Betrug – wie BDS die sozialen Medien gegen die Eurovision 2019 beeinflusst«.

Die Vorbereitungen für die Eurovision laufen bereits auf Hochtouren.

Durch die falschen Seiten soll die öffentliche Meinung gegen die Austragung des Gesangswettbewerbes manipuliert werden. Angeblich könnten auf diese Weise nahezu zehn Millionen Nutzer erreicht werden, sagte Erdan.

Die Aktion sei von PACBI (Palästinensische Kampagne für einen Akademischen und Kulturellen Boykott) organisiert worden, hinter dem ein Verbund von Terrororganisationen steht, erklärte das Ministerium. Israelische Medien berichteten, dass das leitende Komitee von BDS dazu erklärte, dass Erdans Ministerium »verzweifelt Propaganda verbreitet, um Israels Eurovision-Verluste zu vertuschen«.

Toy Im vergangenen Jahr hatte die Sängerin Netta Barzilai in Lissabon mit ihrem Lied »Toy« gewonnen, das weltweit ein Riesenhit wurde. Somit stand fest, dass Israel der Gastgeber für die nächste Eurovision ist. Tel Aviv hatte dafür den Zuschlag erhalten.

Die Vorbereitungen für das Spektakel vom 14. bis 18. Mai laufen bereits auf Hochtouren, bis zu 20.000 Besucher aus dem Ausland werden erwartet. Direkt am Strand der Metropole am Mittelmeer wird derzeit das »Euovision-Dorf« gebaut.

»Mein Geschäft ist Musik und das Verbreiten von Licht und Liebe.«Netta Barzilai

Auch Barzilai selbst war bereits ins Visier von BDS geraten. Die Sängerin äußerte sich dazu mehrfach. Vor einigen Tagen sagte sie: »Ich finde, dass dies Mobbing gegen Künstler ist. Wenn ihr eine Demonstration wollt, tut es dort, wo es sein sollte. Meine Arbeit repräsentiert dies alles nicht. Mein Geschäft ist Musik und das Verbreiten von Licht und Liebe.«

Sie betonte auch die positive Atmosphäre, die von der Eurovision ausgeht: »Wenn man auf derselben Bühne steht, hat es keine Bedeutung, welche Religion jemand hat, welche Herkunft oder Hautfarbe. All diese Länder und Kulturen zusammen – das ist ein Festival des Lichts.«

Kommentar

Fair Play – es sei denn, es geht um Israel

Irlands Nationalspieler verweigern Israelis den Handschlag, diskutieren darüber, ob sie überhaupt gegen sie antreten wollen – und die UEFA schweigt. So funktioniert die schleichende Etablierung von Antisemitismus als Akt des vermeintlichen humanitären Widerstandes

von Dorothea Schupelius  02.10.2026

Terror

Held von Flug FZ1073: Jetzt spricht erstmals der Flydubai-Pilot

Der bei dem Messerangriff in einer Flydubai-Maschine von Dubai nach Tel Aviv verletzte Flugkapitän äußert sich zu den Vorgängen im Cockpit. Er berichtet auch, was ihm Mut gegeben hat

 02.10.2026

Nahost

Flydubai-Drama: Auch VAE-Vertreter spricht von Terror

Aus Israel kam schon früh die Einschätzung, dass es sich bei dem Vorfall um einen Anschlagsversuch handelte. Nun äußert sich ein emiratischer Regierungsvertreter ähnlich

 02.10.2026

Kibbuz Nahal Oz

Drei Jahre nach dem Hamas-Angriff entsteht die Kollektivsiedlung neu

Der 7. Oktober 2023 hat eine tiefe Wunde in die israelischen Gemeinden entlang des Gazastreifens gerissen. Mittlerweile ist der Wiederaufbau in vollem Gange – mit gemischten Gefühlen

von Andrea Krogmann  02.10.2026

Jerusalem

Herzog über mögliche Linken-Regierung in Berlin: »Das ist äußerst verstörend«

Im ausführlichen Interview mit der WELT spricht der israelische Präsident auch über den »Fly Dubai«-Angriff, den Iran und das britische Embargo gegen sein Land

 02.10.2026

Tel Aviv

Nach Geiselhaft: »Das Leben wird nie wieder dasselbe sein«

Am 07. Oktober 2023 überfielen Terroristen aus dem Gazastreifen Grenzorte in Israel. Sie ermordeten und entführten viele Menschen, darunter auch Deutsche. Wie geht es den ehemaligen Geiseln heute?

von Cindy Riechau  02.10.2026

Besuch

Berlins scheidender Regierungschef reist nach Israel

Israels Botschafter in Deutschland äußerte kürzlich Sorge um die Sicherheit der jüdischen Community in der deutschen Hauptstadt. Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner reist nun nach Tel Aviv

 02.10.2026

Tel Aviv

»Es ist viel sicherer, mit einer israelischen Airline zu fliegen«

Der Sicherheitsexperte Eyal Tsir Cohen über den Anschlag auf den »Fly Dubai«-Flug, die aktuelle Terrorbedrohung im Luftverkehr und die Effizienz israelischer Maßnahmen

von Detlef David Kauschke  02.10.2026

Tel Aviv

Co-Pilot aus Oman trotz Einreiseverbot mehrfach nach Israel geflogen

Warum wurden Sicherheitsregeln nicht umgesetzt?

 02.10.2026