Internet

Bibi bloggt

Benjamin Netanjahu online: Auf der Webseite des Premiers (www.netanyahu.org.il) sind Reden und Termine, Videos und Links zu finden. Foto: screenshot

Nur wenige Stunden, nachdem am Donnerstag vorvergangener Woche der israelische Schulbus von einer Rakete aus Gaza getroffen worden war, kamen schon die Mails: »Konferenzschaltung mit dem Vorsitzenden des Gemeinderates von Scha’ar Hanegev. Wählen Sie sich ein.« Kurze Zeit später lud das Pressebüro der Regierung die ausländischen Medien zum gemeinsamen Telefonat mit dem Bildungsminister. PR-Offensive im Staate Israel. Als Gegenmittel zu Negativ-Schlagzeilen im Ausland setzt Jerusalem in letzter Zeit verstärkt auf die Macht der neuen Medien.

Spätestens seit der Revolution in Ägypten lässt sich der schier unbegrenzte Einfluss von Facebook und Co. nicht mehr leugnen. Auf diesen Zug will nun auch die israelische Regierung aufspringen und mit permanenter Präsenz im Internet ein positiveres Bild von Israel zeichnen. So twittert und bloggt es mittlerweile aus dem Büro des Ministerpräsidenten, verschiedener Ab-teilungen der Armee und diverser Ministerien.

Immer mehr Regierungsstellen bedienen sich der Hilfe von Facebook und Flickr, senden rund um die Uhr SMS und E-Mails, um ihre Sicht der Dinge zu transportieren. Vor allem Journalisten aus anderen Ländern sollen auf diese Weise Informationen erhalten und weitergeben. Außenminister Avigdor Lieberman heuerte zudem europäische PR-Firmen an, die eine professionelle Kampagne im Sinne Israels starten sollen.

Itamar Es war alles andere als eine gute Nachricht, dennoch dauerte es nicht lange, bis die grauenvollen Bilder des Massakers an der Familie Fogel in der Siedlung Itamar vor allem an ausländische Medien verschickt wurden. Ein für Israel äußerst unübliches Vorgehen. Zwar gibt es Ausnahmen, wie etwa bei den Lynchmorden an zwei Armeereservisten durch Palästinenser im Jahr 2000. Generell jedoch werden Tatorte, etwa nach Terroranschlägen, erst für Fotos freigegeben, wenn die Toten und Verwundeten abtransportiert sind.

Warum nach dem Attentat von Itamar eine Ausnahme gemacht wurde, erklärte der Minister für Diasporaangelegenheiten, Yuli Edelstein, so: »Nur diese entsetzlichen Bilder können der Welt zeigen, womit Israel es hier zu tun hat. Alle Grenzen sind überschritten worden, da mussten wir einfach auf außergewöhnliche Weise reagieren.«

Schon fast Popstar-Status hat das Profil von Benjamin Netanjahu bei Facebook. Tausenden von Leuten »gefällt das«. Als Premierminister von Israel postet er – oder besser sein PR-Team – am laufenden Band Nachrichten auf Hebräisch, Englisch und Arabisch an die Pinnwand, veröffentlicht Fotos vom Händeschütteln mit sämtlichen Staatsoberhäuptern der Welt und sammelt »Freunde« aus aller Herren Länder. Er selbst meint dazu, dass die sozialen Netzwerke für die Öffentlichkeitsarbeit des Landes heute von größter Bedeutung seien.

Vor einigen Tagen trat der Regierungschef sogar live bei youtube auf. Die einstündige Fragestunde war bislang der Höhepunkt dieser Medien-Offensive. »Seien Sie heute Abend dabei, wenn ich Ihre Fragen auf youtube beantworte«, twitterte der Premier kurz vor seinem Auftritt im Videokanal. Der mediale Vorstoß im Internet unterstreicht für viele jedoch auch Netanjahus zwiespältiges Verhältnis zu den traditionellen Medien wie Zeitung und Fernsehen, die er oft als »feindlich gesinnt« bezeichnet.

Die israelische Medienvereinigung kritisiert nun, dass Netanjahu kaum reguläre Pressekonferenzen gibt und Fragen beantwortet. Nach der Ausstrahlung machte sein Pressebüro klar, dass er auf diese Weise nicht die anderen Medien umgehen wolle, sondern die Wichtigkeit des Internets in der modernen Welt anerkenne. »Es lässt den Ministerpräsidenten ohne Filter zu den Menschen sprechen«, betonte Regierungssprecher Mark Regev.

Medienprogramm Die Luftwaffe Israels (IAF) hat ihr »internationales Medienprogramm«, wie sie es selbst nennt, Anfang März ins Leben gerufen. Neben einer ständig aktualisierten Website gibt es einen Facebook- und Twitteraccount auf Englisch. »Wir glauben, dass wir eine Menge Dinge haben, die wir der Welt mitteilen sollten: wer wir sind, was wir tun sowie unseren Anteil an humanitären Einsätzen überall«, teilte Sprecher Assaf Librati mit. Die Seiten werden von 20 Mitarbeitern, darunter Redakteure, Video- und Fotografen, auf den neuesten Stand gebracht.

Bereits seit 2010 ist die IAF mit einer hebräischen Website und Facebook-Mitgliedschaft im Internet präsent. Doch für die internationale Gemeinschaft soll es noch professioneller werden. Stephan Miller will dafür sorgen. Er ist ein echter Profi: Der Neueinwanderer, der zuvor in den USA als Politik- und Kommunikationsberater tätig war, arbeitete vor seinem Armeedienst als Kontaktperson für ausländische Medien im Büro des Jerusalemer Bürgermeisters Nir Barkat.

Miller versteht, worum es geht: »Gespräche über Israel sowie Operationen und Möglichkeiten der IAF sind heutzutage nicht mehr nur auf die traditionellen Medien beschränkt. Die Luftwaffe versteht die Notwendigkeit, sich an Online-Diskussionen zu beteiligen und diese zu beeinflussen. Wir können unsere Botschaft auf diese Weise an Menschen überall bringen«. Seine Arbeit macht ihn stolz: »Ich weiß, dass ich so dazu beitragen kann, der Air Force und dem Staat Israel zu helfen, besser mit der internationalen Gemeinschaft zu kommunizieren.«

Nahost

Hat ein Tadschike für den Iran Ziele in Israel ausgespäht?

Über ein Jobangebot kam ein Tadschike laut Israels Geheimdienst mit einem iranischen Agenten in Kontakt. Er soll für Teheran Orte in Israel ausspioniert und weitere Spione angeworben haben

 02.07.2026

Interview

»Klimaanlagen sind Pflicht«

Keren Agay-Shay erklärt, warum extrem heiße Sommer mehr sind als ein Wetterphänomen – und welche Maßnahmen Leben retten können

von Sabine Brandes  02.07.2026

Nachrichten

Umwelt, Anerkennung, Bücher

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  02.07.2026

1000 Tage

Tausende Stimmen gegen das Vergessen

Die Hebräische Universität und Edut 710 schaffen ein KI-gestütztes Archiv, das die Zeugnisse des 7. Oktober bewahrt

von Sabine Brandes  02.07.2026

Israel

5800 Juden wollen in diesem Sommer Alija machen

Das Interesse, nach Israel überzusiedeln, ist ungebrochen groß: Im Juli und August werden zahlreiche Neubürger erwartet, vor allem aus Frankreich und den USA

 02.07.2026

Archäologie

Höhle der Menschheitsgeschichte

Sensationsfund in einer Hunderttausende von Jahren verschlossenen Höhle südlich von Haifa könnten eines der größten Rätsel über die Vorgeschichte des Homo sapiens lösen

von Sabine Brandes  02.07.2026

Zeitgeschichte

Entebbe und kein Ende

Der Historiker Jan Gerber zeigt in seinem neuen Buch, wie aus dem Antizionismus der 68er-Generation radikale antisemitische Praxis wurde

von Ralf Balke  02.07.2026

1000 Tage 7. Oktober

Israelis gedenken der Hamas-Massaker mit Protesten

Den ganzen Tag über werden landesweit Demonstrationen erwartet

 02.07.2026

Reisen

Airlines erweitern Flüge nach Israel

Nach der Entspannung im Irankrieg stockt die Lufthansa-Gruppe ihre Flüge nach Tel Aviv wieder auf. Auch Condor startet bald regelmäßige Verbindungen

 02.07.2026