Hintergrund

Bericht: Geheimplan für die Hilfsverteilung in Gaza

Hilfslieferungen auf dem Weg nach Gaza Foto: Flash 90

Dass die Hamas im Gazastreifen die internationalen Hilfslieferungen plündert und in ihre Tunnel schleppt, Zivilisten verjagt oder sogar erschießt, wenn sie danach greifen, ist kein Geheimnis. Streng geheim indes war ein Plan, der nun enthüllt wurde und Palästinensern, die der Hamas entgegenstehen, angeblich die Verantwortung über die Verteilung von humanitärer Hilfe übertragen soll. Das berichtete das Wall Street Journal (WSJ) unter Berufung auf israelische und palästinensische Offizielle.

Dem Bericht zufolge hätten hochrangige israelische Verteidigungsbeamte dies mit Ägypten, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Jordanien besprochen, »um regionale Unterstützung für einen aufkommenden Versuch aufzubauen, palästinensische Anführer und Geschäftsleute, die keine Verbindungen zur Hamas haben, für die Verteilung von Hilfsgütern zu gewinnen«.

Israelische Sicherheitskräfte aus der IDF und dem Inlandsgeheimdienst Schin Bet hatten bereits mehrfach die Bedeutung für Israel unterstrichen, mit Anti-Hamas-Kräften in Gaza zusammenzuarbeiten.

Angeblich soll die Hilfe nach israelischer Inspektion zunächst auf dem Land- und Seeweg in Lagerhäuser geleitet werden. Von dort aus soll sie von den eingesetzten Palästinensern verteilt werden. Es könnte sogar sein, dass diese Verantwortlichen in der Zeit nach dem Krieg für die Verwaltung der Enklave herangezogen werden, unterstützt von Sicherheitskräften, die von gemäßigten arabischen Regierungen, wie beispielsweise den VAE, finanziert werden, heißt es im WSJ.

VAE und Saudi-Arabien wollen nur bei Zweistaatenlösung mithelfen

Allerdings haben sowohl die Emirate als auch Saudi-Arabien bereits wiederholt deutlich gemacht, dass sie beim Wiederaufbau des Gazastreifens nur dann eine Rolle spielen würden, wenn es in der Zukunft eine Zweistaatenlösung für die Beendigung des Nahostkonfliktes gebe.

»Gaza wird von jenen regiert werden, die nicht versuchen, Israelis zu töten«, wird ein hochrangiger israelischer Beamter aus dem Büro des Premierministers im Hinblick auf den Geheimplan zitiert. Allerdings anonym. Denn gleichfalls heißt es, dass der Plan sowohl im israelischen Kriegskabinett als auch bei der Hamas bereits auf Gegenreaktionen gestoßen sei.

Einer der Gründe sei die Tatsache, dass einige der Clans in Gaza, die für die Verteilung in Erwägung gezogen werden könnten, der Fatah nahestehen, die auch die Palästinensische Autonmiebehörde in Ramallah stellt. Die Fatah jedoch unterstütze nach Meinung der israelischen Regierung den Terrorismus.

»Die USA sollten den Menschen in Gaza öffentliche Unterstützung zukommen lassen, um den Bedrohungen durch die Hamas zu widerstehen.«

Richard Goldberg (FDD)

Bereits kurz nach dem Beginn des Krieges begannen die USA, darauf zu drängen, dass eine reformierte Palästinensische Autonomiebehörde statt der Hamas die Regierung von Gaza übernimmt. Jerusalem aber lehnt das kategorisch ab. Zudem äußern sich weder Netanjahu noch andere Regierungsvertreter über irgendeine Möglichkeit für den »Tag nach dem Krieg«.

Auch die Hamas kommt in dem Artikel des WSJ zu Wort. »Wir werden mit eiserner Hand gegen jeden vorgehen, der die interne Front im Gazastreifen manipuliert, und werden die Einführung neuer Regeln nicht zulassen.« Auf der mit der Hamas verbundenen Website »Hamas Al-Majd« werden palästinensische Einzelpersonen und Gruppen davor gewarnt, mit Israel zusammenzuarbeiten, um die Sicherheit von Hilfskonvois in Gaza zu gewährleisten.

Vielleicht um dies zu unterstreichen, habe die Hamas vor einigen Tagen in Mafia-Manier das Oberhaupt des mächtigen Doghmush-Clans in Gaza-Stadt hingerichtet, heißt es in (unbestätigten) Berichten aus dem Gebiet. Angeblich habe der Clan humanitäre Hilfe gestohlen und zudem im Verdacht gestanden, Kontakte zu Israel zu haben.

Doghmush ist ein großer Clan in Gaza, der bereits in der Vergangenheit mit der Hamas aneinandergeraten sein soll. Er soll vor allem in der organisierten Kriminalität, darunter im Waffenhandel, tätig sein.

US-Außenminister Antony Blinken reist wieder durch Nahost

»Dass sich Palästinenser für eine verbesserte Hilfsverteilung einsetzen, stellt eine Bedrohung für die Hamas in zweierlei Hinsicht dar: Es baut Institutionen und Systeme auf, die von der Hamas unabhängig sind, und es untergräbt das Narrativ der Hamas-Medien von hungernden Zivilisten«, erklärt Richard Goldberg des US-amerikanischen Think-Tanks »Foundation for Defence of Democracies« (FDD). »Die Vereinigten Staaten sollten den Menschen in Gaza starke öffentliche Unterstützung zukommen lassen, um diesen Bedrohungen durch die Hamas zu widerstehen und zivile Führungspersönlichkeiten außerhalb der Hamas zu stärken.«

Angesichts der sich verschärfenden humanitären Krise nach mehr als fünf Monaten Krieg steht Jerusalem zunehmend unter dem Druck, mehr Lieferungen nach Gaza zu lassen. Dies und die Freilassung der Geiseln stehen nach wie vor im Mittelpunkt der Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas, bei denen auch US-Außenminister Antony Blinken aktiv ist. Er bereist derzeit wieder einmal Nahost. Eine Einigung sei »gut möglich«, sagte er vor Abflug. Forderungen richtete der Außenminister an beide Seiten: die Hamas, die größeren Pragmatismus zeigen, und Israel, dass von der angekündigten Bodenoperation in Rafah im Süden des Streifens Abstand nehmen soll.

Der Krieg zwischen Israel und der Hamas wurde am 7. Oktober entfacht, als Hamas-Terroristen bei einem schockierenden Massaker mehr als 1200 Menschen töteten, überwiegend israelische Zivilisten. Außerdem wurden 253 Menschen jeden Alters nach Gaza entführt. Etwa 130 Geiseln befinden sich noch immer in der Gefangenschaft der Hamas - seit mehr als 160 Tagen.

Jerusalem

Israel und Honduras vertiefen sicherheitspolitische Kooperation

Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz sowie sein honduranischer Amtskollege Enrique Rodríguez Burchard unterzeichneten ein »Memorandum of Understanding«

 16.08.2026

Kairo

Jared Kushner führt Gespräche über Gaza in Ägypten

Der Schwiegersohn von US-Präsident Trump will in Ägypten Fortschritte im seit langem festgefahrenen Friedensplan für den Gazastreifen erzielen

 16.08.2026

Archäologie

1.300 Jahre altes »Industriegebiet« in Israel gefunden

Sorgsame Planung, vielseitige Nutzung: Industrie- und Gewerbegebiete waren offenbar auch schon vor 1.300 Jahren stadtplanerische Vorzeigeobjekte, wie ein Fund in Israel zeigt

 16.08.2026

Großbritannien

Israels Marathon-Team gewinnt Gold bei Leichtathletik-EM

In Birmingham liefern die israelischen Läufer die beste Teamleistung über 42,195 Kilometer. Bester Einzelläufer ist Gashau Ayale, der hinter einem Deutschen und einem Italiener auf Platz drei landet

 16.08.2026

Teheran

Iran richtet Mann wegen angeblicher Israel-Spionage hin

Die iranische Justiz hat ein weiteres Todesurteil vollstreckt. Menschenrechtler werfen den Behörden vor, die Todesstrafe zur Unterdrückung von Kritik einzusetzen

 16.08.2026

Jerusalem/Beirut

Israel meldet Tötung von Hisbollah-Kommandeur im Südlibanon

Bei israelischen Luftangriffen am Samstag soll laut Militärangaben Abu Hassan Alaa getötet worden sein

 16.08.2026

Buenos Aires/Jerusalem

Mali und Liel Yahalomi in Argentinien gefunden

Das Drama um die in Wien verschwundene Mutter und Tochter hatte ganz Israel in Atem gehalten. Nun sind die beiden in Südamerika aufgetaucht – und der Fall erweist sich als viel komplizierter, als bisher gedacht

 16.08.2026

Essay

Politische und moralische Bankrotterklärung

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten. Trotzdem wurde sie in die Jury des renommierten Deutschen Buchpreises berufen

von Daniel Neumann  15.08.2026

Österreich

Vermisste Israelinnen in Wien: Polizei stellt Suche ein

Europol hat die Ermittlungen im Fall der in Wien vermissten Israelinnen übernommen. Auch der Mossad soll vor Ort sein. Es wird davon ausgegangen, dass Mutter und Tochter nicht mehr in der Stadt sind

 14.08.2026