Nahost

Ben-Gvir besucht den Tempelberg

Der neue Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir (r.) Foto: Flash90

Trotz Berichten, dass er den Besuch »um Wochen verschieben« wolle, besuchte der Minister für nationale Sicherheit, Itamar Ben-Gvir von der ultrarechten Otzma Jehudit, am Dienstagmorgen den Tempelberg in Jerusalem. Es ist sein erster Besuch seit Amtsantritt in der vergangenen Woche. Zuvor hatte es geheißen, er habe zugestimmt, die umstrittene Visite nach einer Bitte von Premierminister Benjamin Netanjahu nicht umzusetzen.

Doch am Dienstagmorgen, kurz nach seinem Besuch, will davon niemand mehr etwas wissen. Der Likud veröffentlichte ein Dementi. Es habe zwar ein Gespräch dazu gegeben, hieß es, doch habe es Netanjahu nach Unterredungen mit Sicherheitsbeamten vermieden, dem Minister zu empfehlen, von einem Besuch der Stätte abzusehen. Hardliner Ben-Gvir machte klar: »Unsere Regierung wird sich den Drohungen der Hamas nicht beugen«.

STATUS QUO Am Nachmittag erklärte das Büro des Ministerpräsidenten: »Benjamin Netanjahu hat sich verpflichtet, den Status quo auf dem Tempelberg strikt und unverändert beizubehalten. Wir lassen uns nicht von der Hamas diktieren. Unter dem Status quo sind in den vergangenen Jahren Minister auf den Tempelberg gestiegen, darunter der Minister für öffentliche Sicherheit, Gilad Erdan. Daher ist die Behauptung, dass eine Änderung des Status quo vorgenommen wurde, unbegründet.«

Ben-Gvirs Büro gab an, dass sich der Minister, der auch für die Polizei zuständig ist, zuvor mit mit Ronen Bar, dem Leiter des Inlandsgeheimdienstes Schin Bet, und Polizeichef Kobi Shabtai sowie dem Kommandanten des Bezirks Jerusalem getroffen hatte. »Sie stellten fest, dass es kein Hindernis für den Besuch gab«, so die Erklärung.

PROVOKATION Obwohl Ben-Gvir bereits mehrmals auf dem Tempelberg war, wird ein Besuch des rechtsextremen Politikers so kurz nach der Vereidigung der rechtesten Regierung aller Zeiten in Jerusalem von vielen als Provokation gesehen.

Die Gegend in Jerusalem ist mit dem Standort der Al Aksa Moschee die drittheiligste Stätte für Muslime. Unterhalb liegt das höchste Heiligtum für die Juden, die Kotel. Die Terrororganisation Hamas, die im Gazastreifen regiert, hatte am Montag gedroht, dass es Gewalt geben würde.

»Es ist eine absichtliche Provokation, die Leben in Gefahr bringt und Leben kostet.«

oppositionsführer yair lapid

Der Besuch auf dem Tempelberg würde »die Situation in die Luft jagen«, hieß es in einer Botschaft, die dem Sprecher der Hamas, Abd Al Latif Al, zugeschrieben und über ägyptische und Vermittler der Vereinten Nationen an die israelische Regierung weitergegeben wurde. »Er bedeutet, dass die faschistische Siedlerregierung mit ihrem Plan begonnen hat, unser Volk und die Al-Aqsa-Moschee anzugreifen und ihr den Krieg zu erklären.«

TEMPEL Ben-Gvir konterte: »Der Tempelberg ist der wichtigste Ort für das Volk Israel. Wir erhalten die Bewegungsfreiheit für Muslime und Christen aufrecht, aber auch Juden gehen hinauf. Diejenigen, die Drohungen aussprechen, müssen mit eiserner Faust behandelt werden.« Der Besuch fand am 10. Tevet statt, dem jüdischen Fastentag, an dem die Ereignisse betrauert werden, die zur Zerstörung des Jüdischen Tempels führten.

Auch Oppositionsführer Yair Lapid hatte vor den möglichen Folgen gewarnt: »Itamar Ben-Gvir darf nicht auf den Tempelberg steigen. Es ist eine absichtliche Provokation, die Leben in Gefahr bringt und Leben kostet«.

SCHWACH Im Anschluss an den Besuch schrieb er auf Twitter: »Das passiert, wenn ein schwacher Premierminister gezwungen ist, dem verantwortungslosesten Mann im Nahen Osten den explosivsten Ort im Nahen Osten anzuvertrauen«.

Der Abgeordnete der Arbeitspartei, Reformrabbiner Gilad Kariv, sagte, die Entscheidung von Ben-Gvir zeige, dass er der »Förderung einer extrem nationalistischen Weltanschauung Vorrang einräume und nicht der Sicherheit der israelischen Bürger und dem Funktionieren der Polizei«. Das Aufstehen dagegen sei wesentlich, um die Zukunft Israels zu garantieren.

Israel

Gesetz: Der 7. Oktober soll nicht »Massaker« heißen

Das Büro von Premierminister Netanjahu ließ das Wort für den Titel des Gedenktages streichen. Überlebende und Angehörige außer sich vor Wut

von Sabine Brandes  12.02.2026

Nahost

Israels digitale Front gegen Teheran

Hunderte Cyberattacken wurden in zwölf Monaten abgewehrt. Behörden sprechen von einer »ausgedehnten iranischen Kampagne«

von Sabine Brandes  12.02.2026

Westjordanland

Bericht: Autonomiebehörde zahlt weiterhin »Märtyrer-Renten«

Eigentlich hatte Mahmoud Abbas das Ende der international verurteilten »Pay for Slay«-Praxis verkündet. Laut einem Bericht von Palestinian Media Watch hat er gelogen

 12.02.2026

Gaza

Sicherheitsstillstand

Die Terrororganisation Hamas macht auch in der zweiten Phase des Waffenruhe-Abkommens klar, dass sie einer Entmilitarisierung nicht zustimmen wird

von Sabine Brandes  12.02.2026

Nachrichten

Botschafter, Kontrolle, Künstliche Intelligenz

Kurzmeldungen aus Israel

von Sabine Brandes  12.02.2026

Meinung

Wiesbaden: Wie man dem Antisemitismus und dem Islamismus eine Bühne bietet

Im Haus der Vereine durfte die Jugendgruppe »Salehin« auftreten. Offiziell ging es um eine »kulturelle religiöse Jugendveranstaltung«. Doch tatsächlich wurde dort Propaganda für das Mullah-Regime gemacht

von Daniel Neumann  12.02.2026

Gesellschaft

Gewalt in arabischen Gemeinden eskaliert: Fünf Tote in zwölf Stunden

Die Gewalt in arabischen Gemeinden Israels eskaliert. Der Polizeichef spricht von einem »nationalem Ausnahmezustand«

von Sabine Brandes  12.02.2026

Gaza

Israel meldet Tötung eines Terror-Drahtziehers

Basel Himouni, ein Hamas-Terrorist aus Hebron, hatte einen Anschlag auf Busse in Beerscheba im Jahr 2004 organisiert. Damals wurden 16 Israelisch ermordet und über 100 Menschen verletzt

 12.02.2026

Melbourne

Herzog warnt vor Judenhass in Australien

Der Staatsbesuch des israelischen Präsidenten löste Proteste im Land aus. Herzog sagte, er habe eine Botschaft des guten Willens nach Australien gebracht und hoffe auf eine Entspannung der Lage

 12.02.2026 Aktualisiert