Israel

»Bedeutender Zeitzeuge und Mahner«

Noach Flug Foto: Marco Limberg

Noach Flug, Holocaust-Überlebender und prominenter Mahner für die Rechte von Nazi-Opfern, ist am Donnerstagmorgen im Alter von 86 Jahren in Jerusalem gestorben.

Flug, der 1925 in Lodz geboren wurde, kam mit seiner Familie im Alter von 14 Jahren ins Ghetto der polnischen Stadt. Dort schloss er sich dem Widerstand an, wurde später in die Konzentrationslager Auschwitz, Groß-Rosen und Mauthausen deportiert.

Flug verlor fast alle Familienmitglieder in der Schoa. Er selbst blieb nach dem Krieg noch einige Jahre in Polen, studierte Ökonomie in Lodz und Warschau. 1958 wanderte er mit seiner Frau und seinen Töchtern nach Israel aus, wo er mehrere Jahrzehnte im öffentlichen Dienst tätig war, unter anderem als Wirtschaftswissenschaftler im Finanzministerium und als Diplomat im Auswärtigen Amt.

Danach widmete er sein Leben dem Einsatz für die Interessen der Holocaust-Überlebenden. Dafür und für sein Engagement für die »Verständigung zwischen Juden und Nichtjuden sowie zwischen Israel und Deutschland« wurde ihm 2006 das Bundesverdienstkreuz verliehen.

Im gleichen Jahr wandte er sich gegen die Holocaust-Leugnung des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad, forderte ihn in einem offenen Brief auf, sein fehlendes Wissen über die Geschichte der Ermordung der Juden Europas aufzubessern und lud ihn dazu nach Auschwitz ein.

Flug hatte neben seiner Präsidentschaft beim Internationalen Auschwitz Komitee auch andere führende Positionen inne, wie bei der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem, der Organisation der Holocaust-Überlebenden in Israel und der World Jewish Restitution Organization. Zudem war er langjähriger Vizepräsident der Claims Conference und Kurator der Stiftung »Erinnerung, Verantwortung und Zukunft«.

Bundespräsident Christian Wulff hat der Witwe, Dorota Flug, ein Kondolenzschreiben gesandt. Darin heißt es: »Noach Flug war einer der ganz Großen. Er hat wie Sie Unsägliches durch deutsche Hände erlitten und war doch einer der Ersten, der Deutschen die Hand zur Versöhnung gereicht hat. Er hat die Erinnerung an die Opfer der Schoa weitergetragen und seine Stimme für die Überlebenden, für ein Leben in Würde, erhoben.« Noach Flug gehöre zu den Vätern der deutsch-israelischen Freundschaft. »Sein Lebenswerk, seine menschliche Größe sind uns Auftrag und Verpflichtung.«

Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, nannte Noach Flug eine »überragende Persönlichkeit im Kampf um die Rechte der Holocaust-Überlebenden«. In einer Mitteilung der Jewish Claims Conference, Frankfurt, heißt es: »Mit Herrn Flug verlieren wir einen bedeutenden Zeitzeugen und Mahner, die Holocaust-Überlebenden in aller Welt, vor allem jedoch in Israel, einen ihrer wichtigsten Fürsprecher.« Der Exekutiv-Vizepräsident des?Internationalen Auschwitz Komitees, Christoph Heubner, erklärte: »Die Welt ist ohne Noach Flug dunkler und ärmer geworden.«

Libanon

Zerstörung von Grenzdörfern soll Bedrohung durch Terror beenden

Israels Verteidigungsminister Katz kündigt drastische Maßnahmen im Süden des nördlichen Nachbarlandes an. Von dort aus erfolgen seit Jahren Angriffe der Hisbollah

 31.03.2026

Israel

Übergriff, Löwen, Haushalt

Kurznachrichten

von Sabine Brandes  31.03.2026

Knesset-Beschluss

Reaktionen auf das Gesetz zur Todesstrafe

Rechte israelische Politiker feiern und die USA respektieren die Entscheidung. Scharfe Kritik kommt von Teilen der Opposition in Jerusalem und aus Europa

 31.03.2026

Israel

»Hoffentlich der letzte Krieg«

Der militärische Konflikt mit dem Iran dauert an. Wir haben nachgefragt, wie Israelis diese schwierige Zeit zu Pessach erleben

von Sabine Brandes  31.03.2026

Mascha Malburg

Jerusalem ist allen heilig

Regelmäßig knirscht es vor Ostern zwischen Christen und den israelischen Behörden. Unsere Redakteurin wünscht sich nach dem neuesten Vorfall an der Grabeskirche mehr gegenseitiges Verständnis

von Mascha Malburg  31.03.2026

Interview

»In Ägypten blieb mir der Mund offenstehen«

Der Tanach-Gelehrte Rabbiner Joshua Berman hat die erste Haggada aus Sicht des Alten Ägyptens verfasst. Im Interview spricht er über sein Werk und einen Besuch in dem Land, das die Juden einst verließen

von Sabine Brandes  31.03.2026

Jerusalem

Netanjahu zum Iran-Krieg: »Wir sind deutlich über die Hälfte hinaus«

Nach Angaben des Ministerpräsidenten richtet sich die aktuelle Phase der Operation vor allem auf den Umgang mit angereichertem Uran

 31.03.2026

Nahost

Vier Soldaten sterben im Süd-Libanon

Die Lage im Überblick

 31.03.2026

Jerusalem

Todesstrafe für Terroristen: Knesset stimmt zu

Teile der Opposition rechnen damit, dass Israels höchstes Gericht das Gesetz kippen wird

von Sara Lemel  30.03.2026