Geiseln

Avinatan lebt!

»Wir werden nicht aufhören - bis sie alle zu Hause sind« Foto: Sabine Brandes

Geiseln

Avinatan lebt!

Es ist das erste Lebenszeichen der 32-jährigen Geisel. Seine Freundin, die befreite Noa Argamani, kämpft unermüdlich für ihn

von Sabine Brandes  13.03.2025 14:15 Uhr

Die furchterregenden Bilder ihrer Entführung wurden zu einem tragischen Symbol der Geiseln des Nova-Festivals: Noa Argamani und ihr Freund Avinatan Or wurden von Hamas-Terroristen verschleppt, als sie tanzen waren. Jetzt gibt es nach mehr als 500 Tagen zum ersten Mal ein Lebenszeichen des 32-jährigen Israelis. Ein Mann, der vor einigen Wochen freigelassen wurde, habe ihn in Gaza getroffen und bestätigt, dass er lebt, gab Channel 12 am Mittwoch bekannt.

Auch Ors Familie bestätigte, dass sie zum ersten Mal nach 523 Tagen Gefangenschaft einen Beweis für sein Leben erhalten habe. Ihren Angaben zufolge werde er unter harten Bedingungen in zentralen Einrichtungen der Hamas festgehalten. Der Sender gab allerdings nicht bekannt, wann die Geisel Kontakt mit ihm hatte und wer die Person war.

»Riesengroße Erleichterung« für die Familie

Sein Bruder Moshe Or bezeichnete die Bestätigung als »riesengroße Erleichterung« und fügte hinzu, dass die Familie immer gewusst habe, dass er lebt. »Es gibt Kraft und neue Energie, weiterzukämpfen und nicht aufzugeben.« Er betonte, dass das oberste Ziel seine Freilassung sei. »Das ist ermutigend, aber wir sind nicht nur wegen eines Lebenszeichens hier. Letztendlich wollen wir Avinatan zurück – nicht nur den Beweis, dass er noch lebt.«

Noch am 7. Oktober wurde ein Hamas-Video der beiden jungen israelischen Zivilisten auf dem Kanal Telegram veröffentlicht. Es zeigt Argamani auf einem Motorrad, vor und hinter ihr jeweils ein Terrorist. Die heute 27-Jährige schrie damals völlig entsetzt: »Tötet mich nicht!«, und ihrem Liebsten verzweifelt die Arme entgegenstreckt. Die Aufnahmen zeigen auch Avinatan, der von mindestens drei Terroristen umringt ist und seinen Kopf in Resignation hängen lässt.

Noa Argamani: »Bis Avinatan zurückkommt, ist mein Herz in Gefangenschaft.«

Noa Argamani wurde am 8. Juni 2024 von einer Spezialeinheit israelischer Sicherheitskräfte aus einem Haus in Nuseirat gerettet. Doch von Avinatan fehlte weiter jede Spur. Nach Bekanntwerden des Lebenszeichens veröffentlichte Noa auf Instagram: »Bis Avinatan zurückkommt, ist mein Herz in Gefangenschaft.«

Foto: Missing Families Forum

Avinatan Or ist einer von 24 Geiseln, von denen Israel annimmt, dass sie in Gewalt der Hamas weiterhin am Leben sind, darunter 22 Israelis, ein Thailänder und ein Nepalese. Bei allen handelt es sich um junge Männer, die in der zweiten Phase des aktuellen Waffenstillstandsabkommens freigelassen werden würden. Die Gespräche über die nächste Phase scheiterten jedoch, der zwar andauernde Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas hält derzeit zwar noch, aber vor allem auf Wunsch der USA.

Die beiden Partner planten, in Tel Aviv zusammenzuziehen

Or ist in der religiösen Siedlung Shilo im palästinensischen Westjordanland aufgewachsen, kehrte der Religion jedoch den Rücken und studierte Elektroingenieurswesen in Beer Schewa. Hier traf er seine Noa. Vor seiner Entführung lebte er bei dem Hightechunternehmen Nvidia und lebte in Tel Aviv. Die beiden Partner planten, zusammenzuziehen, bevor sie entführt wurden. Nach ihrer Befreiung sagte Noa, dass sie nicht mit ihrem Freund zusammen gefangen gehalten worden sei.

Die Enthüllung erfolgte, als eine israelische Delegation in Doha mit Vermittlern zusammentraf, um den sogenannten »Witkoff-Vorschlag« zu besprechen. Der sieht eine etwa zweimonatige Verlängerung des Waffenstillstands vor. In dieser Zeit würde die Hamas etwa die Hälfte der lebenden Geiseln vorab und die restlichen Lebenden zusammen mit dem Ende des Krieges freilassen.

Die Hamas beharre jedoch bislang darauf, das Abkommen in seiner jetzigen Form zu verlängern und in die zweite Phase einzutreten, die den Rückzug Israels aus dem Philadelphi-Korridor, einer Pufferzone entlang der Grenze zwischen Gaza und Ägypten, erfordert, heißt es aus Doha.

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