Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

Bombenentschärfer bei der Arbeit Foto: Flash 90

Verwählt
Bei den internen Wahlen der Arbeitspartei (Awoda) trifft Alt auf Neu. Bekannte Gesichter wie Isaac Herzog (Platz 2) und Amir Peretz (3) werden in der kommenden Knesset mit ziemlicher Sicherheit neben Politikanfängern sitzen. Stav Schaffir und Itzik Schmuli, beides Anführer der sozialen Proteste des vergangenen Sommers, schafften es unter die Top 12. 58 Prozent der registrierten 60.000 Parteimitglieder waren am vergangenen Donnerstag an die Urnen gegangen. Während Parteichefin Scheli Jachimowits meinte, sie habe sich keine bessere Liste erträumen können, äußerte der Regierungschef seine Bedenken, dass die Awoda nun aus »radikalen Linken« bestehe.

Verzweifelt
Offenbar in einer Verzweiflungstat hat ein Chefarzt des Kaplan-Hospitals in Rechowot erst seine Tochter und anschließend sich selbst getötet. Die Polizei glaubt, dass der Arzt die todkranke Keren (34) auf ihren eigenen Wunsch mit einer Spritze erlöste, weil sie die dauerhaften starken Schmerzen nicht mehr ertragen konnte. Der etwa 60-jährige Mann hinterließ einen Abschiedsbrief, in dem er schrieb, dass Keren ihn mehrfach gebeten hatte, ihrem Leiden ein Ende zu setzen. In der Nacht seien die Schmerzen extrem gewesen, steht in den Zeilen. »Dies ist ein tragischer, sehr trauriger Fall«, sagte der Einsatzleiter der Polizei. Die Mutter, die während des Familiendramas im Haus schlief, hatte die beiden Toten gefunden.

Verschollen
Gefährliches am Wegesrand: Während des palästinensischen Raketenhagels auf Israel Mitte November sind schätzungsweise 1200 Geschosse in unbesiedelten Gegenden niedergegangen und dabei nicht explodiert. Die Polizei sucht fieberhaft nach diesen Blindgängern, bevor sie doch noch Schaden anrichten können. Bislang sind lediglich etwa 250 gefunden worden. Die Behörden warnen, dass selbst die geringste Berührung die Geschosse explodieren lassen kann, und bitten die Bevölkerung, sofort den Notruf zu wählen, wenn sie ein verdächtiges Objekt entdecken. Besondere Sorge machen den Sicherheitskräften die vielen Spaziergänger, die derzeit im Süden unterwegs sind, um die blühende Landschaft zu bewundern.

Verkauft
Shoppen ganz unten. Die Anlageagentur Bercleys hat jetzt Pläne für eine Mall am Toten Meer veröffentlicht. Damit wird die unwirtliche, aber touristenreiche Gegend in der israelischen Wüste Judäa ihr erstes Einkaufszentrum bekommen. Das 40-Millionen-Euro-Projekt soll eine Fläche von 10.000 Quadratmetern umfassen und in der Nähe der Hotels am Wasser gebaut werden. Der beauftragte Architekt Moore Jaski Sivan hat Erfahrung mit den Einkaufswünschen der Kunden. Er plante bereits die Azrieli-Türme und das Afrika-Israel-Gebäude in Tel Aviv. Lohnen soll sich die Mall, denn laut einer Studie macht die Hälfte aller Israeltouristen einen Abstecher ans Tote Meer. In etwa zweieinhalb Jahren soll der neue Konsumtempel eröffnen.

Verbunden
Um sieben Millionen User reicher ist MyHeritage.com. Die israelische Website zum Erstellen eines Familienstammbaumes hat in einer weiteren Finanzierungsrunde 25 Millionen US-Dollar aufgetrieben. Erste Investition war der Aufkauf des Konkurrenten »Geni«. Der Deal wird MyHeritage sieben Millionen zusätzliche Nutzer bescheren. Im Durchschnitt, so das Unternehmen, finden Interessierte 16 Familienangehörige.

Verbandelt
Zum ersten Mal in der Geschichte Israels ist ein schwules Paar geschieden worden. Das Familiengericht in Ramat Gan bestätigte den Antrag von Professor Uzi Even und Amit Kama. Das Innenministerium ist nun verpflichtet, den Status der Männer in »geschieden« zu ändern. »Dieses Urteil ist der Beginn vom Ende des Rabbinatsmonopols«, freute sich Kama und fügte hinzu, er sei sicher, dass bald auch gleichgeschlechtliche Paare vor ein ziviles Gericht treten und ihren Bund beenden könnten. Richter Yehezkel Eliyue erklärte, dass er nach dem Beschluss des Obersten Gerichtshofes, homosexuelle Ehen anzuerkennen, ebenso deren Auflösung erlauben muss. »Dass die Menschen für immer aneinander gekettet bleiben, verstößt gegen das Recht auf Freiheit und Gleichheit.«

Versagt
Noch immer herrscht keine Klarheit in Sachen Militärdienst für Charedim. Nachdem in den vergangenen Wochen bereits Tausende von Einberufungsbescheiden bei jungen ultraorthodoxen Männern eingetrudelt waren, riefen jetzt einige Rabbiner zum Verweigern auf. Schmuel Auerbach, Mitglied der Degel-Hatora-Party, riet seinen Schäfchen, die Post von der Armee zu ignorieren. Auf Postern in religiösen Stadtteilen war Ähnliches zu lesen. Besonders die anstehenden medizinischen Untersuchungen vor der Einberufung hatte für Wut und Verwirrung in der ultraorthodoxen Gemeinde gesorgt. Dies ist das erste Mal, dass führende charedische Oberhäupter einen derartigen Aufruf veröffentlichten.

Die iranische Atomanlage Fordo vor den amerikanischen Angriffen

Iranisches Atomprogramm

Fordo: Der Mossad war da

Yossi Cohen leitete den israelischen Auslandsgeheimdienst von 2015 bis 2021. Unter seiner Ära hätten israelische Spione die iranische Atomanlage Fordo mehrmals in Augenschein genommen

 12.08.2026

Israel

Tel Aviv bekommt offiziell einen »Geiselplatz«

Der Platz vor dem Kunstmuseum der israelischen Metropole wurde zum Sammelort für alle, die ihre Solidarität mit den Geiseln in Gaza ausdrücken wollten. An diese dramatische Zeit soll nun seine offizielle Umbenennung erinnern

von Andrea Krogmann  12.08.2026

Kommentar

UNRWA: Fakten statt Tabus

Warum Kritik am Palästinenserhilfswerk auf Schweigen und Ablehnung stößt

von Duki Dror  12.08.2026

Tel Aviv/Gaza/Brüssel

Israel verlängert zwei EU-Missionen in Palästinensergebieten

Die EU hilft bei der Ausbildung palästinensischer Polizisten und der Überwachung des Rafah-Grenzübergangs. Beide EU-Missionen können nun aus Sicht Israels bis 2027 weitergehen

von Cindy Riechau  12.08.2026

Eskalation

Israelisches Ministerium droht mit Schließung heiliger Stätten

Kein Geld, kein Service: Weil ein Haushaltsstopp auch den Betrieb heiliger Stätten betrifft, droht das zuständige Religionsministerium in Israel mit Schließungen - wenige Wochen vor den höchsten Feiertagen

 12.08.2026

Nahost

Abbas zu Gesprächen mit Erdoğan in Ankara

Der Palästinenserpräsident will sich zwei Tage in der Türkei aufhalten. Israels Finanzminister Smotrich fordert Netanjahu auf, Abbas die Rückkehr zu verweigern

 12.08.2026

UNO

Kein Rückzug aus Siedlungen

»Wir werden nirgendwo hingehen. Die jüdischen Gemeinden werden in Judäa und Samaria bleiben«, sagt Israels UNO-Botschafter Danny Danon

 12.08.2026

Jerusalem/Caracas

Israel und Venezuela nähern sich nach 17 Jahren wieder an

Beide Staaten verständigen sich auf die Wiederaufnahme konsularischer Kontakte und die Einrichtung eines offiziellen Koordinierungskanals

 12.08.2026

Westjordanland

Israels Armee verurteilt illegale Siedlerposten innerhalb palästinensischer Dörfer

Die IDF bezeichneten die jüngsten Vorgänge in dem Gebiet als »illegal, verwerflich und inakzeptabel«. Aber tun sie etwas dagegen?

 12.08.2026