Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

Fit: Die orthodoxen Brüder Mickey und Yehuda Hayat üben Capoeira. Foto: Flash 90

Ärger
Der sefardische Oberrabbiner der Stadt Jerusalem, Schlomo Amar, hat viele Israelis schockiert. In einem Interview mit der regierungsnahen Zeitung Israel Hajom erklärte er, dass Homosexuelle eine »Scheußlichkeit« seien. »So viel ist klar, das ist abscheulich. In der Tora steht darauf die Todesstrafe. Es ist eine der schwerwiegendsten Sünden.« Auch Reformjuden, die er als »bösartig« bezeichnete, passen offenbar nicht in Amars Weltbild. Ein Sprecher der Reformgemeinde erklärte, dies sei ein weiterer Beweis, dass Amar es nicht verdient, Oberrabbiner zu sein, »dessen Gehalt jüdische Männer und Frauen mit ihren Steuergeldern bezahlen«. Amars Äußerungen seien nichts anderes als Hassreden, die von Ignoranz durchzogen seien und jeglicher Grundlage entbehrten. Zwei Vertreter der schwul-lesbischen Gemeinde zeigten den Rabbiner wegen Aufwiegelung und Aufruf zum Mord an. Außerdem forderten mehrere Knessetabgeordnete die Regierung auf, Amar unverzüglich seines Amtes zu entheben.

Impfungen

Die Mehrzahl der israelischen Eltern lässt ihre Kinder impfen. 89 Prozent folgen den Richtlinien des Gesundheitsministeriums, 70 Prozent sogar ohne jegliche Verzögerungen oder Einschränkungen. Das ergibt sich aus einer neuen Umfrage der israelischen Medizinervereinigung. Ein Drittel der Eltern indes habe »mehr oder weniger große Zweifel«, ob Impfungen ausschließlich gut seien. Dennoch glauben die meisten, dass die Vorteile die eventuellen Nachteile aufwiegen würden. Lediglich zwei Prozent der israelischen Kinder sind gar nicht geimpft, neun Prozent nur teilweise.

Kämpferin

Die letzte Kämpferin des Warschauer Ghettoaufstands ist tot. Pnina Greenspan-Frimer starb in der vergangenen Woche mit 95 Jahren in Tel Aviv. Sie wird neben ihrem Ehemann in Cholon beerdigt. »Sie war eine wundervolle Mutter, eine mutige Frau und ein besonderer Mensch«, sagte ihre Tochter Neta. In den letzten Jahren hatte Greenspan-Frimer unermüdlich dafür gearbeitet, mit Kindern anderer Ghettokämpfer einen Fonds für Holocauststudien an der Universität Haifa einzurichten. Ihr Traum ging noch zu Lebzeiten in Erfüllung. Während der Nazi-Herrschaft kämpfte Pnina gegen die Deutschen, entkam dem Ghetto und schloss sich den Partisanen an. 1945 wanderte sie nach Israel ein. Vor fünf Jahren verlieh Reuven Rivlin, damals Knessetsprecher, ihr die Ehrenmedaille des Staates Israel.

Elektroroller
Er heißt Ino – »Hund« auf Japanisch. Doch er bellt nicht, sondern rollt. Der neue motorisierte Scooter der Firma »Green Ride« will die grüne Revolution in die Städte Israels oder am besten gleich der ganzen Welt bringen. Der elektrische Roller klappt auf Befehl zusammen und wird zum Trolley, den man bequem mitnehmen oder ins Auto laden kann. Er sei der beste Begleiter in der Stadt, versprechen die Hersteller. Der Scooter fährt mit einer Aufladung rund 40 Kilometer. Genug, um in der Stadt flink von A nach B zu kommen. Besonders stolz sind die Macher auf die Steuerung von Ino, die über das eigene Smartphone erfolgt. Das Gefährt wird für 3000 bis 5000 Dollar (je nach Batteriegröße) verkauft.

Sport

Charedim sollen fitter sein als der Rest der Bevölkerung. Auch wenn es nicht den Anschein hat, so zeigt eine neue Umfrage des charedischen Forschungsinstitutes Seker K’Halacha, dass ultraorthodoxe Einwohner sich regelmäßiger sportlich betätigen als andere. Nach eigenen Angaben treiben 58 Prozent aller Frommen jede Woche Sport. Das Sportministerium veröffentlichte gleichzeitig die Zahl für den Rest der Bevölkerung: Hier sollen nur 34,2 Prozent regelmäßig laufen gehen, Gewichte stemmen oder im Schwimmbad ihre Runden drehen. 80 Prozent aller befragten Charedim gaben zudem an, sich »sehr gesund« zu ernähren.

Park
Ein neuer Park soll her. Der Stadtrat von Eilat hat dem Bau eines neuen Wasserparks im südlichen Teil der Stadt zugestimmt. Im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen. Insgesamt sollen mehr als 30 Attraktionen die Besucher dorthin locken, wo früher die Texas-Ranch stand, die zu einem alten Filmset gehörte. Der Park mit Namen »Luna Water Eilat« soll 3500 Badelustige auf einmal beherbergen können.

Baseball
Zum ersten Mal überhaupt wird Israel in den World Baseball Classics mitspielen. Der Teilnahme an der inoffiziellen Baseball-WM war ein 9:1-Sieg gegen England im September vorausgegangen. Die Spieler sind jüdisch, tragen Kippot, doch Israelis sind sie nicht (zumindest noch nicht). Die Regeln erlauben, dass Spieler, die die Staatsangehörigkeit eines Landes theoretisch annehmen könnten, für das Team spielen dürfen. So ziehen sich Größen wie der All-Star-Pitcher Jason Marquis aus New York oder Ike Davis von den Mets stolz die blau-weißen Hemden mit dem Davidstern über.

BDS

Boykottversuch gegen israelische Stadtbahn gescheitert

Eine spanische Gewerkschaft fordert von der Firma CAF, die Arbeiten am israelischen Stadtbahnsystem einzustellen. Doch die weigert sich standhaft

von Sabine Brandes  18.06.2026

Pride

»Wir verstecken uns nicht mehr«

In Tel Aviv erlebt die LGBTQ+-Szene Akzeptanz und Freiheit. Doch bis dahin war es ein langer Weg

von Sabine Brandes  18.06.2026

Libanon

Bericht: Israel führt »hartnäckige« Verhandlungen mit USA

Während Trump das Rahmenabkommen unterzeichnet, gehen die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah weiter. Aus israelischen Kreisen heißt es, man werde nicht nicht von der Positionen abrücken, Truppen in der »Pufferzone« südlich des Litani-Flusses zu halten

von Sabine Brandes  18.06.2026

Diplomatie

Israel bricht Beziehungen zu EU-Außenbeauftragter Kallas ab

Außenminister Gideon Sa’ar will mit Kaja Kallas so lange nicht mehr reden, bis sie sich für ihren angeblichen Vorwurf, Israel praktiziere Apartheid, entschuldigt

von Michael Thaidigsmann  18.06.2026

Essen

»Schakschuka ist der Favorit«

Der deutsch-israelische Koch Tom Franz hat ein Buch über das Frühstück geschrieben. Hier spricht er über geflochtenen Lachs, clevere Vorräte und die Frage, warum er die erste Mahlzeit des Tages auslässt

von Katrin Richter  18.06.2026

Krieg

Hisbollah-Sprengsatz tötet israelischen Soldaten, verletzt sieben weitere

Eigentlich soll das Rahmenabkommen der USA mit dem Iran auch die Front im Südlibanon umfassen. Vorerst setzen die vom Iran unterstützte Hisbollah und Israel ihre Angriffe hier aber fort

 18.06.2026

Jerusalem

Netanjahu unter Druck: Wird der Iran-Krieg zum Bumerang?

Der Ministerpräsident versprach einen Triumph, Kritiker sprechen von einer Niederlage. Wie der Iran-Krieg Israels Verhältnis zu den USA und Trumps Loyalität auf die Probe stellt

von Sara Lemel  18.06.2026

Meinung

Letzte Chance für die Linke

Viele Juden haben »Die Linke« schon abgeschrieben. Doch nach wie vor gibt es dort Mitglieder, die den Antisemitismus innerhalb der Partei bekämpfen. Hoffentlich setzen sie sich auf dem Bundestreffen in Potsdam durch

von Mascha Malburg  18.06.2026

Terror

Juden für Iran ausgespäht: Spionageprozess beginnt

Vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht in Hamburg beginnt der Prozess gegen zwei Männer, die im Auftrag des Irans gezielt Juden und Israel-Freunde für Anschläge ausgespäht haben sollen

 17.06.2026