Kurzmeldungen

Auf die Schnelle

Rocken: Balkan Beat Box Foto: imago

Theater
Zum ersten Mal in der Geschichte des Habima-Theaters gab es eine Aufführung in einer jüdischen Siedlung im Westjordanland. Das Stück A Simple Story ist am vergangenen Donnerstagabend in Kiriat Arba in der Nähe von Hebron aufgeführt worden. Die israelische Kulturministerin Miri Regev war anwesend und freute sich über die Aufführung. Zu den Organisationen, die Habima aufgerufen hatten, das Stück nicht auf die Bühne zu bringen, sagte sie nur: »Es wird ihnen nicht helfen. Es wird mehr davon geben.« Einer der Schauspieler, Schlomi Bertenov, hatte sich geweigert, in einer Siedlung aufzutreten. Die Leitung von Habima hatte klargemacht, dass man als nationales Theater für Israelis spiele und keinen Ort kulturell boykottiere.

Studien
Israel steht in Sachen Umweltstudien an Hochschulen an oberster Stelle aller OECD-Nationen. Die meisten Studenten wollen wissen, wie man die Natur schützen kann. Bei der Wahl des Jurastudiums schafft es Israel auf den vierten Platz. Dagegen ist das Interesse an technischen Fächern eher gering, und beim Architekturstudium belegen die Israelis sogar den allerletzten Platz. Ein weiteres Ergebnis der Erhebung war, dass immer mehr junge Menschen Medizin und Computerwissenschaften studieren, die Nachfrage nach Studienplätzen für Wirtschaftswissenschaften und Studiengänge für Business Management indes zurückgingen.

Anerkennung
Im August haben fünf extremistische jüdische Teenager einen arabischen Taxifahrer in Jerusalem angegriffen. Die jungen Männer beschimpften Mohammad Abu-Jibne, bewarfen ihn mit Steinen und schlugen ihn krankenhausreif. Zunächst war der Fall »aus Mangel an Beweisen« ad acta gelegt worden. Damit standen die Chancen des Taxifahrers schlecht, als »Opfer feindlicher Gewalt« anerkannt zu werden und Entschädigungszahlungen zu erhalten, schlecht. Doch nach einem Zeitungsbericht und empörten Reaktionen aus der Bevölkerung rollte die Polizei den Fall wieder auf. Die Behörde bestätigte im zweiten Anlauf, dass der Angriff tatsächlich nationalistisch motiviert war. Damit wird der Mann von der nationalen Versicherungsanstalt Bituach Leumi als »Opfer feindlicher Gewalt« anerkannt.

Brote
Mehr als 500 jüdische Mütter aus den USA, Kanada, Russland und der Ukraine haben sich in der vergangenen Woche zum Backen in Israel getroffen. Doch den Frauen ging es nicht darum, wer die besten Kuchen oder Torten kredenzt. Sie backten Hunderte Challot, die allesamt an israelische Soldaten gingen. Der »Great Big Challa Bake« wurde vom Diaspora-Ministerium und dem Jewish Womens’ Renaissance Project veranstaltet. Insgesamt versorgten die Besucherinnen die hoch erfreuten Soldatinnen und Soldaten mit mehr als 1000 duftenden Challe-Laiben.

Streit
Eine Twitter-Unterhaltung zwischen zwei Damen des israelischen Parlaments endete mit einer Beleidigung. Die Abgeordnete Orly Levy-Abekasis (Israel Beiteinu) plädierte dafür, Orte, die in der Peripherie liegen, in den Budgetplan zur Entwicklung des Nordens aufzunehmen. Ihre Kollegin vom Likud, Anat Berko, antwortete, dass sie leider Krankenhäuser im Norden besucht habe. Auf die Gegenfrage, was das »leider« zu bedeuten habe, wurde Berko persönlich: »Orly, du solltest lieber elegantere Wege suchen, um relevant zu bleiben. Für das Cover einer Zeitschrift zu modeln, ist sicher einer davon.« Berko spielte damit auf die einstige Model-Karriere von Levy-Abekasis an. Doch dieses Zitat kam bei den anderen Frauen im Parlament nicht gut an. Schelly Jachimowitsch twitterte im Anschluss: »Es gibt nichts, was mich trauriger macht als Chauvinismus von Frauen gegenüber anderen Frauen.« Doch auch Männer meinten, Berko solle sich entschuldigen.

Musik
Sie lassen sich in keine Schublade stecken. Die israelische Band Balkan Beat Box bringt am Freitag ihr neuestes Album heraus. Shout it out ist die erste Veröffentlichung in vier Jahren. Wie gewohnt ist es eine bunte Mischung verschiedener Stile: World Music, Klezmer, Dance Music, Rap, dazu jede Menge osteuropäischer und Nahost-Rhythmen. Die erste Single, »I trusted U«, ist bislang schon mehr als 1,2 Millionen Mal bei YouTube angeschaut worden. »Dank des Internets braucht man sich nicht mehr auf ein Genre festzulegen«, meint Bandmitglied Ori Kaplan, »weil das eigentlich gar keinen interessiert.«

Einwanderung
Die Einwanderungszahlen französischer Juden nach Israel gehen stark zurück. Während im Jahr 2015 mehr als 8000 Menschen Alija gemacht hatten, sind es in diesem Jahr bislang lediglich 4500. Obwohl nach Angaben der Jewish Agency mehr als 200.000 jüdische Einwohner von Paris, Marseille und anderen Städten mit dem Gedanken spielen, nach Israel auszuwandern, haben viele Angst vor der Realität. Die recht mageren Aussichten, in Israel einen gut bezahlten Job zu finden, die überbordende Bürokratie, vor allem aber die Sprachschwierigkeiten halten viele ab.

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