Cyberkrieg

Angriff aus dem Netz

Eine gehackte Facebook Seite Foto: Flash 90

Israel aus dem Internet löschen – so lautete das Ziel der für den 7. April von der Hacker‐Gruppe Anonymous angekündigten Aktion »OpIsrael«. Das gewählte Datum dürfte kein Zufall gewesen sein, allerdings hatten die selbst ernannten Kämpfer für Freiheit im Internet wohl übersehen, dass der Holocaust‐Gedenktag einen Tag später als von ihnen angenommen stattfand, da Trauertage nicht unmittelbar auf Schabbat folgen dürfen.

Anonymous Germany hatte sich bereits am 6. April auf Twitter von dem geplanten Angriff distanziert: »Wir berichten diesmal nicht über »OpIsrael«, da es dort nichts Wichtiges zu berichten gibt. Es gibt keinen Grund für virtuelle Eskalationen. Des Weiteren distanzieren wir uns diesmal von der »OpIsrael« + Aktionen (Welche zum größten Teil von US Anons geführt wird).«

Erfolgsmeldungen Weitere Erklärungen wollte man nicht geben – stritt sich aber leidenschaftlich mit deutschsprachigen Twitter‐Usern, die erbost über diese Entscheidung waren. An internationalen Nachrichten über den Verlauf der OpIsrael sollte es dann jedoch nicht mangeln – beinahe sekündlich wurden unter dem Hashtag Erfolgsmeldungen verbreitet, DDoS‐Attacken bejubelt und Links zu Details angeblich gehackter israelischer Accounts gepostet.

Man habe die Mossad‐Seite lahmgelegt, meldete eine vorgeblich palästinensische Hacker‐Gruppe beispielsweise, was zu großem Jubel vor allem arabischer Twitter‐User führte. In Wirklichkeit war die Webpage jedoch nach wie vor online, genau wie die von Yad Vashem, die ebenfalls zunächst als nicht erreichbar gemeldet worden war. Auch der angebliche Hack der Seite der israelischen Polizei war nicht das, was Anonymous den weltweiten Fans glauben machen wollte: Die Webseite police.gov.li ist zwar in der Tat nicht erreichbar, aber das dürfte daran liegen, dass es sie gar nicht gibt – der offizielle Webauftritt der Polizei hat nämlich, wie alle israelischen Seiten, die Endung »il« und nicht »li« und ist nach wie vor unter police.gov.il online.

Falschmeldungen Ebenfalls eine Ente war die Meldung, dass die Twitter‐ und Facebook‐Accounts des Politikers Silvan Shalom gehackt und mit propalästinensischen Mitteilungen versehen worden seien – was zwar in der Tat passiert war, aber nicht im Rahmen der OpIsrael, sondern bereits Ende November 2012.

Auch auf die Idee, nachzuzählen, kam kaum jemand. So wurden aus einigen Hundert verifizierbar nicht erreichbaren israelischen Webseiten plötzlich Tweets wie dieser: »24 hours 60 million hacks 60,000 websites 40,000 Fb pages 5,000 twitter accounts 30,000 Israeli bank accounts« sowie die Nachricht, dass die israelische Börse durch die Attacken fünf Milliarden Dollar Verlust gemacht habe.

Alle diese Falschmeldungen sind nicht nur symptomatisch für den Verlauf der OpIsrael bis Montagmittag, sondern auch für die Dummheit des »Schwarms«, die immer dann eintritt, wenn Internet‐User Nachrichten gerne glauben möchten und deswegen fröhlich alles weiterverbreiten, was in ihr Weltbild passt. Und so wird der Anonymous‐Angriff auf israelische Webseiten für die meisten User sozialer Netzwerke wohl als großer Erfolg in Erinnerung bleiben, denn schließlich war es ja gelungen, die Seiten der israelischen Polizei und des Mossads zu attackieren. In Wirklichkeit waren jedoch vor allem kleinere Seiten offline, deren Besitzer nicht auf den Schutz vor Angriffen geachtet hatten.

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