Krieg gegen die Hamas

Angeblich Bewegung bei Gaza-Verhandlungen

In Rafah wird Essen an Bewohner des Gazastreifens vergeben, die durch ihre eigene Führung in eine ernste Situation gebracht wurden. Ob es eine neue Waffenruhe geben wird, ist unklar. Foto: picture alliance / Anadolu

In die zähen Verhandlungen über eine neue Feuerpause und Freilassung der verbliebenen Geiseln kommt Medienberichten zufolge Bewegung. Benny Gantz, Minister im israelischen Kriegskabinett, sagte nach Berichten mehrerer israelischer Medien, es gebe »erste Anzeichen« für ein neues Geisel-Abkommen mit der palästinensischen Terrororganisation Hamas.

Sollte eine Vereinbarung nicht zustande kommen, sei Israel aber bereit, seine Offensive in der Stadt Rafah im Süden des Gazastreifen zu beginnen, hieß es. Konkrete Details nannte er demnach nicht. Die »Times of Israel« zitierte unbestätigte Berichte in arabischen Medien, wonach die Hamas angeblich ihre Position »etwas aufgeweicht« hat. Der militärische Druck, den Israel auf die Terroristen ausübt, könnte so erneut zu Fortschritten führen.

UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths rief die in Rio de Janeiro tagenden Außenminister der G20-Runde führender und aufstrebender Wirtschaftsmächte auf, auf ein Ende des Krieges hinzuwirken. »Sie haben die Macht, etwas zu bewirken. Nutzen Sie sie«, appellierte Griffiths in einem auf der Webseite des katarischen Fernsehsenders Al-Dschasira veröffentlichten Meinungsbeitrag.

Geiseln gegen Häftlinge

Ägypten, Katar und die USA bemühen sich derzeit erneut darum, eine längere Feuerpause in dem seit fast fünf Monaten anhaltenden Krieg herbeizuführen, der vom palästinensischen Terror begonnen wurde. Im Rahmen eines Abkommens sollen in mehreren Phasen die noch immer im Gazastreifen festgehaltenen Geiseln gegen palästinensische Häftlinge in israelischen Gefängnissen ausgetauscht werden.

Derzeit laufen in Kairo Verhandlungen mit der Hamas über ein Abkommen. Israelischen Medien zufolge soll es zudem am Freitag in Paris ein Treffen ranghoher Vermittler geben. Israelischen Zeitungen zufolge gibt es Berichte, wonach sich Israel auf eine Teilnahme vorbereite.

Wie bei einem vorherigen Treffen in Paris Ende vergangenen Monats würden auch diesmal wieder der Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, David Barnea, Katars Ministerpräsident und Außenminister Mohammed bin Abdulrahman Al Thani, der ägyptische Geheimdienstchef Abbas Kamel sowie CIA-Chef Bill Burns zusammenkommen, hieß es.

Terrorunterstützer für Kriegsende

Bevor Israel seine Teilnahme bestätige, wolle die Regierung aber erst weitere Fortschritte bei den laufenden Gesprächen zwischen Ägypten und der Hamas in Kairo abwarten, hieß es. Vergangene Woche hatte sich der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu geweigert, eine Delegation zu den weiteren Geisel-Verhandlungen nach Kairo zu schicken.

Während einer einwöchigen Feuerpause im vergangenen November waren im Rahmen eines Abkommens zwischen Israel und der Hamas 105 Geiseln im Gegenzug für 240 palästinensische Häftlinge freigelassen worden. Von den noch verbliebenen Geiseln sind nach israelischen Informationen höchstens noch rund 100 am Leben.

Selbst die »propalästinensische« Organisation »Free Gaza« rief der israelischen Nachrichtenseite »Ynet« zufolge die Anführer der Hamas auf, den Krieg in Gaza zu beenden. »Rettet uns, kehrt von euren Forderungen ab. Rettet, was nach dem jüdischen Massaker von uns übrig geblieben ist«, zitierte die Nachrichtenseite am Mittwochabend die Gruppe. Zu den Unterstützern der Gruppe, die offensichtlich eine Täter-Opfer-Umkehr betreibt, gehört die nordirische Nobelpreisträgerin Mairead Maguire.

Vorbereitung einer Offensive

Israel bereitet derzeit eine Militäroffensive auf die an Ägypten angrenzende Stadt Rafah vor, um nach eigenen Angaben die verbliebenen Hamas-Bataillone zu zerschlagen und dort vermutete Geiseln zu befreien. Die Regierung hat aber noch keinen Einsatzbefehl erteilt. In dem Ort im Süden Gazas haben Hunderttausende Binnenflüchtlinge Schutz gesucht. Die Pläne für eine Ausweitung der israelischen Einsätze auf die überfüllte Stadt stoßen international auf starke Kritik.

Die geplante Offensive wird einem Medienbericht zufolge aus US-Sicht sehr wahrscheinlich nicht vor dem muslimischen Fastenmonat Ramadan beginnen. Israels Minister Gantz sagte dagegen, wenn kein Geisel-Abkommen zustande kommen sollte, werde die Armee auch während des am 10. März beginnenden Ramadan zuschlagen.

Der Nahost-Koordinator von US-Präsident Joe Biden, Brett McGurk, will derweil in Israel über die erwartete Militäroperation in Rafah und die Bemühungen um die Freilassung von Geiseln sprechen. In Rio de Janeiro setzen die G20-Außenminister ihre Beratungen fort. Vor dem Hintergrund breiter Kritik am militärischen Vorgehen Israels und dem Leid der Zivilbevölkerung forderte Bundesaußenministerin Annalena Baerbock bei dem Treffen zum wiederholten Mal eine humanitäre Pause, damit auf einen nachhaltigen Waffenstillstand hingearbeitet werden könne. dpa/ja

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