Austausch

Andere Richtung

Bereits in den 50er-Jahren gab es erste Austauschprogramme für Deutsche, die kurz nach dem Ende der Schoa in Israel ein Zeichen setzen wollten. Heute kommen jährlich etwa 900 deutsche Freiwillige nach Israel, um in sozialen Einrichtungen zu arbeiten.

Christa Zwilling von »Aktion Sühnezeichen Friedensdienste« erläutert den Reifungsprozess, den die deutschen Volontäre durchlaufen: »Sie sind meist davon überwältigt, dass das Land gar nicht so groß, mächtig und aggressiv ist, wie es in den Medien dargestellt wird. Wenn die Volontäre wieder nach Deutschland zurückgehen, bringen sie immer ein völlig anderes Image von Israel mit. Ich habe noch nie einen negativen Bericht erhalten.«

Trotz der langjährigen Austauschkontakte mit deutschen Jugendlichen gibt es auf israelischer Seite nur wenige junge Menschen, die sich für einen Freiwilligendienst auf deutschem Boden entscheiden. Dieselbe Geschichte, die ihre Altersgenossen dazu bewegt, sich um einen Aufenthalt in Israel zu bemühen, hält viele Israelis von einer Auseinandersetzung mit Deutschland ab.

ConAct Um diesen Barrieren entgegenzuwirken und durch interkulturelle Begegnungen die Zusammenarbeit zwischen Organisationen beider Länder weiter auszubauen, bietet das Pilotprojekt »Kom-Mit-Nadev« (etwa: »Komm mit, steh auf, Freiwilliger«) 18- bis 30-jährigen Israelis jetzt die Möglichkeit, einen einjährigen Freiwilligendienst in Deutschland zu absolvieren. Das Programm, das von ConAct – Koordinierungszentrum Deutsch-Israelischer Jugendaustausch und vom Rat der Jugendbewegungen in Israel getragen wird, wurde Mitte März in Tel Aviv der israelischen Öffentlichkeit vorgestellt.

»Kom-Mit-Nadev basiert auf der Kooperation zwischen israelischen Entsendeorganisationen und deutschen Aufnahmeorganisationen«, erklärt Kathrin Ziemens, die Programmkoordinatorin in Deutschland. Ihre Kollegin in Israel, Keren Pardo, ergänzt: »Wir entsenden Israelis unterschiedlicher kultureller und religiöser Herkunft. So wird die multikulturelle israelische Perspektive in deutsche Projekte hineingetragen, während die Volontäre gleichzeitig etwas Neues lernen und es mit nach Hause bringen können.«

Es scheint, als hätte die Zeit den Blick auf den Anderen leichter gemacht. Viele Teilnehmer bewerben sich bei Kom-Mit-Nadev, da sie an Deutschland interessiert sind: »Die Familie meines Vaters stammt aus Freiburg. Ein Teil davon ist schon 1933 in das damalige Palästina immigriert. Meine anderen Verwandten, die in Frankfurt geblieben sind, haben den Krieg nicht überlebt«, erzählt die 26-jährige Shir Luft, die sich für ihren Freiwilligendienst daher Frankfurt ausgesucht hat.

»Zu Hause haben wir oft über Deutschland gesprochen, ich selbst bin vor meinem sozialen Jahr aber nie dort gewesen. Es war mir wichtig, meine eigenen Wurzeln zu erforschen und zu verstehen, was Deutschland eigentlich ist.« Mit den neuen deutschen Bekanntschaften habe es keine negativen Erlebnisse gegeben. »Unsere Mitbewohner wollen uns demnächst in Israel besuchen kommen«, sagt Shirs Freundin Yael.

Konflikt Eine andere Volontärin, Masha Rozovski, wird dagegen sehr oft auf den Nahostkonflikt angesprochen und muss dann für Israel Rede und Antwort stehen: »Ich bin als Israelin nach Berlin gekommen, um die Beziehung zu Deutschland zu vertiefen. Ich bin bereit, die deutsche Gesellschaft weniger zu kritisieren, dagegen wird mein Land ständig angegriffen. Dabei fehlt den meisten meiner Gesprächspartner geschichtliches und aktuelles Basiswissen. Viele sind noch nie hier gewesen und wissen nicht, wie Israel ist, haben sich aber bereits ihre feste Meinung gebildet.«

Masha ist seit September in Berlin und arbeitet in einer Einrichtung für Menschen mit speziellen Bedürfnissen. Ihre ältesten Patienten sind um die 90 Jahre alt. Die ausgebildete Pflegerin sagt, sie habe noch nie versucht, sie in einen geschichtlichen Kontext einzuordnen: »Menschen mit Behinderungen sind überall ähnlich, ob sie nun Deutsche oder Israelis, jung oder alt sind. Ich helfe gern und mache da keine Unterschiede.«

Andere Teilnehmer definieren die Freiwilligenarbeit als Ergebnis der gemeinsamen Vergangenheit, die beide Länder stark aneinander bindet. Aufgrund der hohen Nachfrage arbeiten die Koordinatorinnen derzeit an einem Fortsetzungs- und Finanzierungsplan für das bis 2013 angesetzte Pilotprojekt.

www.kom-mit-nadev.org

Zeitungsinterview

Ronald Lauder rechnet mit Netanjahu ab: »Er hat Politik über Frieden gestellt«

»Eines der Dinge, die Israel im Vergleich zu anderen Ländern so besonders gemacht haben, war seine echte Demokratie«, so der WJC-Präsident. »Was wir jetzt erleben, erinnert eher an eine Bananenrepublik«

 25.10.2026 Aktualisiert

Knessetwahl

Die Israel-Wahl in Zahlen

Rund 7,3 Millionen Wahlberechtigte, mehr als 12.000 Wahllokale und 450 Millionen Stimmzettel: Der Zentrale Wahlausschuss nennt Details zur Abstimmung am Dienstag

 25.10.2026

Tel Aviv

»Ihr habt versagt – jetzt übernehmt Verantwortung!«

Angehörige der Opfer des Hamas-Massakers vom 7. Oktober klagen die Regierung an. Bei einer Massendemonstration fordern sie eine unabhängige Untersuchung

von Sabine Brandes  25.10.2026

Wahlwerbung mit Benjamin Netanjahu über einer Fußgängerbrücke

Knessetwahl

Netanjahu macht Wahlkampf mit Bild von Atompilz über Tel Aviv

Im Wahlkampf setzt der israelische Regierungschef auf ein angsteinflößendes Bild. Scharfe Kritik daran kommt von Netanjahus Hauptrivale Gadi Eisenkot

 25.10.2026

Nahost

Experten warnen Netanjahu vor Folgen möglicher Sanktionen

Nach Netanjahus Überlegungen, mögliche internationale Bankensanktionen mit Hilfe von Kryptowährungen zu umgehen, warnen Experten vor enormem Schaden für Israels Wirtschaft

 25.10.2026

Schicksalswahl in Israel

Israels Militär vor Parlamentswahl in Alarmbereitschaft

Vor der richtungsweisenden Parlamentswahl am Dienstag sind Israels Streitkräfte in erhöhter Alarmbereitschaft. Zehntausende Soldaten sind im Einsatz, die Luftabwehr wurde verstärkt

 25.10.2026

Nachrichten

Lied, Spende, Festnahmen

Meldungen aus Israel

von Sabine Brandes  25.10.2026

Sanktionen

Netanjahu erwägt Kryptowährungen gegen mögliche Sanktionen

Aus Sorge vor weltweiten Bankensanktionen sucht Israel laut Ministerpräsident Netanjahu nach Alternativen. Die Zentralbank kritisiert seine Idee

 25.10.2026

Westjordanland

Israels Armee: Lockdown im Westjordanland am Wahltag

Israels Armee setzt ihre Offensive im Westjordanland fort. An Israels Wahltag wird es Zugangssperren für Palästinenser geben. In Israel kommt es derweil zu Massenprotesten gegen die Regierung

 25.10.2026