Jom Hasikaron

»Als ob sie Feuer entfachen wollen«

Israeli soldiers place flags on graves of fallen Israeli soldiers at Kiryat Shaul Military Cemetery in Tel Aviv, on April 24, 2023, ahead of Israeli Memorial Day, which begins tonight. Photo by Tomer Neuberg/Flash90 *** Local Caption *** חייל חיילים קריית שאול יום הזיכרון חללי צהל יום הזכרון Foto: Flash 90

Am 13. Mai wird Israel den schwersten Jom Hasikaron in der Geschichte des Landes begehen. Es ist der erste Gedenktag für gefallene Soldatinnen und Soldaten sowie Terroropfer nach dem 7. Oktober. Im ganzen Land sind Zeremonien geplant. Doch Angehörige und Opferverbände sorgen sich, dass die Anwesenheit von Ministern, vor allem Mitglieder der rechtsextremen Parteien Religiöser Zionismus und Otzma Jehudit, zu Protesten und Konfrontationen auf den Friedhöfen führen könnte.

In Israel hat es Tradition, dass am Jom Hasikaron Vertreter der Regierung bei den Gedenkveranstaltungen Reden halten. Im vergangenen Jahr, während der Justizreform der Regierung in Jerusalem, war es dabei zu Auseinandersetzungen und sogar gewalttätigen Zwischenfällen gekommen.

Die Entscheidung, Minister auch in diesem Jahr, nach dem schrecklichsten Massaker in Israels Geschichte, auf die Friedhöfe zu senden, hat für wütende Gegenreaktionen gesorgt. Am Mittwoch veröffentlichten Regierung und Knesset Listen von Ministern und Abgeordneten mit den Orten, wo sie den Staat vertreten werden.

Rechtsextreme Politiker haben sich gegen Deals ausgesprochen

Hunderte Familienangehörige von Opfern des Hamas-Massakers vom 7. Oktober baten daraufhin die Mitglieder der Knesset, nicht zu erscheinen und die Familien in Ruhe trauern zu lassen. Die Regierung wird von vielen beschuldigt, nicht genug getan zu haben, um die verheerenden Terroranschläge in den südlichen Gemeinden zu verhindern.

Rechtsextreme Politiker haben sich zudem wiederholt gegen Deals zur Befreiung der Geiseln ausgesprochen und abfällig über Angehörige gesprochen, die lautstark verlangen, dass ihre Liebsten nach Hause geholt werden. So sagte die Ministerin für Siedlungen und nationale Projekte, Orit Strock, ein Mitglied der Partei Religiöser Zionismus, dass ein Abkommen mit der Hamas alles, was Israels Truppen in Gaza getan haben, »zu Müll« machen würde. Sie unterstrich, dass »eine Regierung, die dies tut, um 22, 33 oder ich weiß nicht, wie viele Leute, zu retten, hat keine Legitimität«.

In einem Interview mit Kanal 12 News sagte Eli Ben-Shem, Vorsitzender der Vereinigung Yad Lebanim, die Hinterbliebene vertritt, er habe sich an Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Yoav Gallant gewandt und gebeten, sich vorher dem Gedenktag mit seiner Organisation zu beraten.

»Sie schicken Smotrich nach Kfar Saba und Ben Gvir nach Aschdod. Warum?«

vorsitzender yad lebanim, eli ben-shem

»Doch die Regierung traf ihre Entscheidungen, als ob sie provozieren und Feuer entfachen will. Ich verstehe es nicht. Sie schicken [Finanzminister Bezalel] Smotrich nach Kfar Saba und [den Nationalen Sicherheitsminister Itamar] Ben Gvir nach Aschdod. Warum?«, so Ben-Shem. Es gebe 54 staatliche Zeremonien auf Militärfriedhöfen. »Warum sendet man diese Leute nicht dorthin?« Er sorgt sich, dass das, »was wir im vergangenen Jahr sahen, nur ein Vorspiel dessen war, was in diesem Jahr kommen wird«. Das Büro des Premierministers habe einen Kommentar zu den Vorbehalten von Ben-Shemen abgelehnt.

Finanzminister Smotrich, Vorsitzender der ultranationalistischen Partei Religiöser Zionismus, soll in Kfar Saba reden. Bürgermeister Rafi Sa’ar forderte die Regierung auf, die Entscheidung, den umstrittenen Politiker in seine Stadt zu schicken, zu überprüfen. »Wir befinden uns in einer schwierigen Zeit, die Atmosphäre im Land ist stürmisch, das Herz schmerzt und blutet immer noch wegen des Verlusts unserer besten Söhne und Töchter.« In Kfar Saba arbeite man daran, die Einheit aufrechtzuerhalten.

Bitten, keine Rede auf dem Friedhof zu halten

In der Kleinstadt nördlich von Tel Aviv lebt auch die Familie Eshel. Tochter Roni Eshel war eine sogannte »Späherin« der Armee. Die 19-Jährige wurde am 7. Oktober auf dem Militärstützpunkt Nachal Oz getötet und ist auf dem lokalen Friedhof beigesetzt. Der trauernde Vater, Eyal Eshel, sprach im Armeeradio. Er habe versucht, Smotrich zu kontaktieren und Fragen zu stellen. »Warum kommst du hierher?« »Sind wir Teil deines Wahlkampfs?« Er werde den Politiker nicht daran hindern, auf den Friedhof zu gehen, »aber ich kann ihn sehr wohl bitten, keine Rede zu halten«, so Eshel.

»Ich habe in jeder Hinsicht das Gefühl, dass sie absichtlich versuchen, einen Finger in unser Auge zu stechen und den bestehenden Schmerz zu verstärken. Ich kann nicht verstehen, warum sonst dieser und andere Politiker eingeladen wurden. Es ist ärgerlich, empörend und beleidigend für die Angehörigen der Hinterbliebenen und Geiseln.«

Andere Hinterbliebenen-Familien schlossen sich Eshels Aufruf an. Sie schrieben an Verteidigungsminister Yoav Gallant: »Gerade jetzt müssen wir alles tun, um die Rückkehr vergangener Bilder zu verhindern, auf denen Minister von Zeremonien vertrieben und trauernde Familien daran gehindert werden, zum Gedenken für ihre Angehörigen zu gehen.« Bis jetzt haben die Familien keine Antwort erhalten.

Die Chefs der Oppositionsparteien

Tel Aviv

Israels Opposition schließt Pakt

Eisenkot, Bennett, Lapid, Lieberman und Golan wollen während des Wahlkampfs auf gegenseitige Angriffe verzichten und planen eine »zionistische staatsmännische Regierung«

von Sabine Brandes  29.09.2026

Jerusalem

Gallant spricht über Details der Pager-Operation gegen Hisbollah

Offenbar schöpfte ein Mitglied der libanesischen Terrororganisation Verdacht. Israel sah sich zum Handeln gezwungen

 29.09.2026

Bloomington/Paris

Studie: Keine Grundlage für Apartheid- und Genozidvorwurf gegen Israel

Gunther Jikeli von der Indiana University Bloomington und Philippe Karpe vom französischen Forschungsinstitut CIRAD untersuchten immer wieder erhobene Vorwürfe gegen Israel

 29.09.2026

Jerusalem

Netanjahu reiste offenbar wegen Berichten über Hamas-Warnung nach Abu Dhabi

Hat der israelische Ministerpräsident den Präsidenten der VAE, Scheich Mohammed bin Sajid Al Nahjan, gebeten, Medienberichte zurückzuweisen, wonach dieser seinen Jerusalemer Gesprächspartner vor dem 7. Oktober warnte?

 29.09.2026

Terrorismus

»Wenn sie einen Raum betrat, ging die Sonne auf« - Zwei Mütter, ihre verlorenen Töchter und der 7. Oktober 2023

Ricarda Louks Tochter Shani und Sonja Bohl-Denckers Tochter Carolin wurden vor drei Jahren von der islamistischen Hamas ermordet. Ihre Mütter schildern, wie sie mit dem Verlust zurechtkommen - und was sie sich wünschen

von Nina Schmedding  29.09.2026

Niederlande

»Der 7. Oktober, das bin ich«: Student der Uni Maastricht will an Terrorangriff teilgenommen haben

Ein 22-jähriger Palästinenser, der in den Niederlanden studiert, erweckt in einem Instagram-Video den Eindruck, er habe an der Terrorattacke der Hamas auf Israel teilgenommen. Jetzt griff die Hochschule durch

 28.09.2026

Jerusalem/Den Haag

Israel entzieht Niederländern Diplomaten-Pass

Die Niederlande verbieten den Import von Waren aus Siedlungen im Westjordanland. Nun zieht Israel Konsequenzen

 28.09.2026

Tel Aviv

Israel: Entführer von Noa Argamani getötet

Saher Nidal Saqr und andere an den Geiselnahmen beteiligte Terroristen seien bei einem Luftangriff im zentralen Gazastreifen tödlich getroffen worden, teilte die israelische Armee mit

 28.09.2026

UEFA Nations League

Irlands Spieler verweigern Handschlag – Israels Kapitän Solomon: »Offensichtlich hassen sie uns«

Die irische Fußball-Nationalmannschaft hat Israel in der Nations League klar mit 3:0 besiegt. Der sportliche Wettstreit im ungarischen Debrecen war jedoch von unschönen Szenen begleitet

 28.09.2026