Corona-Pandemie

1,2 Millionen Israelis immunisiert

Freude über die Impfung im Shaarei Zedek Krankenhaus in Jerusalem Foto: Flash90

1,2 Millionen Israelis sind mittlerweile gegen das Coronavirus geimpft worden. Das gab das Gesundheitsministerium am Montagmorgen bekannt. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, dass es einen Mangel an dem Mittel gebe. In der kommenden Woche könnte es daher sein, dass die Erstimpfungen vorläufig ausgesetzt werden.

LIEFERUNG Am Sonntag allein hatten 134.000 Menschen die Immunisierung erhalten. Der stellvertretende Gesundheitsminister Yoav Kish (Likud) erläuterte, dass es im Land noch ausreichend Dosen gebe, um Menschen mit Risikofaktoren zu impfen, die Rate der Immunisierungen nächste Woche aber zurückgehen könnten. Die Regierung arbeite »pausenlos daran, weitere Impfdosen zu sichern«, sagte er. Die nächste Lieferung werde allerdings erst Anfang Februar erwartet.

Dennoch steht das Nahost-Land noch immer weltweit an erster Stelle in Sachen Impfungen. Nahezu 13 Prozent in dem Neun-Millionen-Staat haben das Mittel bereits erhalten. Im Vergleich dazu sind nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bis Montag lediglich 240.000 Menschen in Deutschland immunisiert worden.

»In unseren Gefrierschränken wartet eine weitere Dosis für jeden, der die erste Impfung erhalten hat.«

Direktor von Meuchedet, David Mosinson

Der Direktor des Meuchedet Gesundheitsdienstes in Israel, David Mosinson, machte deutlich, dass in jedem Fall die zweite Impfung verabreicht werden solle. »In unseren Gefrierschränken wartet eine weitere Dosis für jeden, der die erste Spritze erhalten hat. Es ist wichtig, dass sie gegeben wird, denn nur so sind die Menschen korrekt vor dem Virus geschützt.« Sollte es bis zur nächsten Woche keine neuen Mittel geben, werde man vor allem die Zweit-Impfungen vornehmen. »Die Nachfrage war sehr groß und die Geschwindigkeit des Impfens sehr hoch.«

Gleichzeitig gibt sich Gesundheitsminister Yuli Edelstein optimistisch, dass »Ende März oder April all jene, die eine Impfung wollen, voraussichtlich eine erhalten werden«.

Der Knessetabgeordnete Israel Eichler (Vereintes Tora-Judentum) hatte in der vergangenen Woche erklärt, dass er sich mit dem Coronavirus infizierte, nachdem er mit dem Mittel des US-Konzerns Pfizer geimpft worden war. Nach Angaben der US-Überwachungsbehörde für Lebens- und Arzneimittel FDA braucht der Impfstoff zehn Tage, bis er einen »starken Schutz vor Covid-19« aufbaut. Nach dieser Zeit könne das Immunsystem das Virus erkennen und Antikörper entwickeln.

MUTATION Derweil steigen die Zahlen mit Corona-Infektionen weiter in die Höhe. In der vergangenen Woche hatte die Zahl die 6000-Grenze am Tag überschritten. 3384 Patienten sind bereits an den Folgen einer Erkrankung gestorben. Auch die Mutation von Covid-19, die ursprünglich aus Großbritannien stammt, taucht zusehends in Israel auf. Bislang sind 30 Fälle identifiziert. Nur sechs der betreffenden Personen waren ins Ausland gereist, die restlichen haben sich offensichtlich im Inland angesteckt.

Die Regierung debattiert jetzt, den teilweisen dritten nationalen Lockdown, der derzeit herrscht, zu verschärfen. Das Gesundheitsministerium verlangt, dass die Klassen vier bis zehn wieder im Fernunterricht lernen. Derzeit gehen Mädchen und Jungen aller Klassen in die Schule.

»Wir werden alles tun, damit die Schulen geöffnet bleiben.«

Der Vorsitzende von Blau-Weiß Benny Gantz

Der Vorsitzende der Koalitionspartei Blau-Weiß, Benny Gantz, indes sprach sich am Montagmorgen gegen die Schließung der Schulen aus. »Meiner Meinung nach ist es das Wichtigste überhaupt. Wir werden alles tun, damit sie geöffnet bleiben. Gantz erläuterte, dass sich die wenigsten innerhalb der Schulen sondern außerhalb anstecken. «Warum also zumachen?»  

Besonders in den charedischen Gegenden des Landes seien die Zahlen der Neuinfektionen extrem hoch, ließ das Gesundheitsministerium wissen. Ein Viertel stamme aus Orten mit überwiegend strengreligiösen Einwohnern. Die Charedim stellen rund zehn Prozent der Gesamtbevölkerung dar.

RESTRIKTIONEN Der Verantwortliche für die Beratung und Organisation während der Coronapandemie innerhalb der ultraorthodoxen Gemeinde, Roni Numa, sagte derweil in einer Pressekonferenz, dass «in den charedischen Schulen aufgrund politischer Erwägungen keinerlei Restriktionen durchgesetzt werden».

Bildungsministerium wie Polizei seien sich dessen bewusst. «Natürlich geht es um die politische Macht der Charedim. Wir leben doch nicht auf dem Mond.» Man müsse auch bedenken, dass sich die politischen Parteien derzeit wieder im Wahlkampf befinden. Wer das nicht sage, sei nicht ehrlich, so Numa.

ABRIEGELUNG Die Leiterin der Abteilung öffentliche Gesundheit im Gesundheitsministerium, Sharon Alroy-Preis betonte anschließend, dass auch strengreligiöse Schulen geschlossen würden, wenn die Regierung sich auf eine komplette Abriegelung einige. «Es gibt mehr als 6000 Fälle. Wir testen und finden mehr und mehr Coronaviren, viele Ortschaften gelten als rote Gebiete. Das Virus ist überall.»  

Es heißt, dass Premierminister Benjamin Netanjahu einen kompletten Lockdown im Rahmen von einer Woche bis zu zehn Tagen Dauer unterstütze. Die Maßnahme soll in den kommenden Tagen im Coronakabinett diskutiert werden.

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