Frankfurt

Zwei Wochen für 20 Werke

Ofir Raul Graizer (l.) spricht mit dem Journalisten Ulrich Sonnenschein über seinen Film »The Cakemaker«. Foto: Eugen El

Frankfurt

Zwei Wochen für 20 Werke

Die Jüdischen Filmtage präsentieren sich modern, digital und innovativ

von Eugen El  22.10.2018 16:16 Uhr

Zum zweiten Mal finden noch bis zum 4. November in Frankfurt die Jüdischen Filmtage statt. Sie stehen unter dem Motto »Mehr als nur Film«. Das Filmfestival ergänzt die seit mehr als 30 Jahren ausgerichteten Jüdischen Kulturwochen. Eröffnet wurde es am Sonntagabend im Kino des Deutschen Filmmuseums.

Von einem »ganz wunderbaren Schaufenster des jüdischen Lebens in Frankfurt und Deutschland« sprach Frankfurts Bürgermeister und Stadtkämmerer Uwe Becker. Die Filmtage schlügen auch eine Brücke nach Israel, betonte der CDU-Politiker. Er wünsche der Veranstaltungsreihe viele neugierige Besucher aus allen Gesellschaftsschichten. »Aus Neugierde kann Verständnis erwachsen«, zeigte sich Becker überzeugt.

Marc Grünbaum, Kulturdezernent der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, sieht die Filmtage als ein »Forum der Begegnung«. Die Filmvorführungen finden in Kinos im gesamten Stadtgebiet statt. Die Jüdische Gemeinde möchte, so Grünbaum, »sichtbar und präsent« sein.

Eröffnungsfilm Die deutsch-israelische Produktion The Cakemaker (Der Kuchenmacher) eröffnete die Filmtage. Das Kinodebüt des 1981 geborenen, in Berlin lebenden Regisseurs Ofir Raul Graizer erzählt eine Geschichte von Liebe und von Trauer. Der junge Konditor Thomas beginnt eine Affäre mit einem Kunden seines Berliner Cafés, dem verheirateten israelischen Geschäftsmann Oren.

Nachdem dieser bei einem Autounfall ums Leben kommt, fliegt Thomas nach Jerusalem. Im Café von Orens Witwe, Anat, heuert er als Küchenhilfe an. Anat weiß zunächst nicht, was sie mit ihrem Mitarbeiter verbindet: der Verlust eines geliebten Menschen. Mit der Zeit kommen sie sich näher.

»Liebe ist das Hauptthema des Films«, sagte Ofir Raul Graizer beim anschließenden Gespräch mit dem Radiojournalisten Ulrich Sonnenschein. Ein weiteres Leitmotiv ist vor allem das Handwerk des Backens. Für Thomas dient es der Trauerbewältigung. »Das Essen und das Kochen verbindet Menschen«, sagt Graizer.

Unsentimental Insgesamt zeichnet er ein hartes, unsentimentales Bild Jerusalems. Als nichtjüdischer Deutscher fremdelt Thomas nicht nur mit den Kaschrut-Vorschriften. Die Einheimischen begegnen ihm zunächst mit offenem Misstrauen, das nur langsam aufweicht. An seinem ersten abendfüllenden Film hat Ofir Raul Graizer acht Jahre lang gearbeitet. Die Finanzierung sei schwierig gewesen, bekennt der in Israel geborene Regisseur. Mit kleinem Budget und Crew musste er den Film innerhalb von 20 Tagen drehen.

Weltpremiere feierte The Cakemaker 2017 auf einem Festival im tschechischen Karlovy Vary. Am 1. November kommt der Film in Deutschland in die Kinos. Dass es so lange gedauert hat, einen deutschen Verleih zu finden, kann Graizer bis heute nicht verstehen.

Im Vorfeld des Festivals bekannte Marc Grünbaum, dass zwei Wochen für ein solches Festival eher zu wenig als zu viel seien. Derzeit gebe es so viele aktuelle Filmproduktionen mit jüdischem Inhalt, dass die Zeit knapp würde. Bei zwei Wochen habe man jedoch drei Wochenenden zur Verfügung, um Besucher die Filmauswahl genießen zu lassen und auch die Gemeinde im Frankfurter Kulturleben ansprechend zu präsentieren.

Spielorte An vier Schwerpunktstandorten zeigen Marc Grünbaum und die Leiterin der Kulturabteilung, Daniela Lewin, ihre Filmauswahl. Das Deutsche Filmmuseum, das Cinema, Orfeos Erben und das Mal-Seh’n- Kino führen die Streifen auf. Weitere Orte wie die Bildungsstätte Anne Frank, der Ost-Stern, das Ignatz-Bubis-Gemeindezentrum oder Makkabi Frankfurt und die Lichtigfeld-Schule sind ebenfalls in das Festivalprogramm eingebunden.

Auf dem Spielplan stehen, nach Überzeugung der Initiatoren, mitreißende Spielfilme, überraschende Nachwuchsfilme und internationale Blockbuster – Serienscreenings und Virtual-Reality-Produktionen, die erstmals im Programm sind. Ebenso gibt es neue Kooperationspartner und Veranstaltungsorte. Die Initiatoren laden zu ausgewählten Screenings Gäste ein, darunter Regisseure, Schauspieler und Produzenten.

www.jg-ffm.de/de/kultur_bildung/juedische-kulturwochen

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026

Bundeswehr

»Wir sind Partner auf Augenhöhe«

Am 21. Juni 2021 begann die jüdische Militärseelsorge bei der Bundeswehr. Militärbundesrabbiner Zsolt Balla zieht nach fünf Jahren eine positive Zwischenbilanz

 18.06.2026

Magdeburg

Juden in Sachsen-Anhalt: Lebendige Gemeinden und Antisemitismus

Nach dem antisemitischen Anschlag vom 9. Oktober 2019 in Halle (Saale) hat Sachsen-Anhalt 2020 ein Landesprogramm für jüdisches Leben beschlossen, um die jüdische Gemeinschaft zu fördern und zu schützen

 17.06.2026

Benjamin Graumann Jüdische Gemeinde Frankfurt

Frankfurt am Main

Jüdische Gemeinde zeichnet Jugendengagement mit Beni-Bloch-Preis aus

»Wir ehren unser langjähriges Vorstandsmitglied Benjamin Bloch sel.A. und erinnern damit an seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft«, sagt der Vorstandvorsitzende der Gemeinde, Benjamin Graumann

 01.06.2026

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026