Dachau

Zurück an den Ursprungsort

Das Tor wurde im norwegischen Bergen gefunden, wird nun restauriert, kehrt aber nicht mehr an seinen Originalplatz zurück. Foto: Marina Maisel

Das Eisentor des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau, das in der Nacht vom 1. auf den 2. November 2014 gestohlen wurde, ist wieder in der Gedenkstätte Dachau. Mehr als zwei Jahre war das symbolträchtige Relikt des Nationalsozialismus mit dem zynischen Spruch »Arbeit macht frei« spurlos verschwunden. Entdeckt wurde es nach einem anonymen Hinweis auf einem abgelegenen Grundstück im norwegischen Bergen inmitten einer wilden Müllhalde.

In der vergangenen Woche kehrte das 100 Kilogramm schwere Eisentor an seinen Ursprungsort zurück. Welche immense geschichtliche Bedeutung ihm beigemessen wird, sah man an den Historikern und Politikern, die in der vergangenen Woche in die Gedenkstätte Dachau gekommen waren: der Stiftungsdirektor der bayerischen Gedenkstätten, Karl Freller, die Leiterin der Gedenkstätte Dachau, Gabriele Hammermann, Jean‐Michel Thomas, der Präsident des Comité International de Dachau, sowie der Bayerische Staatsminister für Kultur, Ludwig Spaenle.

Der CSU‐Politiker unterstrich bei der Übergabe des Tores dessen Bedeutung für die KZ‐Gedenkstätte in Dachau: »Die Rückkehr des Tores ist für mich ein wichtiger historischer Moment, weil sie den Besuchern am authentischen Ort künftig wieder ermöglicht, dieses Tor mit seiner dramatischen Symbolik authentisch zu erleben.« Das Tor mit der Aufschrift »Arbeit macht frei« stand und steht für die Erniedrigung jedes einzelnen Menschen und weiter Teile der Gesellschaft durch die NS‐Diktatur, sagte Spaenle. »Ihr Schicksal wurde mit der Perversion der Sprache – ›Arbeit macht frei‹ – grausam verharmlost. Die menschlichen Werte wurden mit Füßen getreten.«

restaurieren Stiftungsdirektor Karl Freller versprach, das Tor künftig nicht mehr aus den Augen zu lassen. »Ich bin froh, dass es sich wieder an dem Ort befindet, an den es hingehört«, betonte er.

Zunächst einmal muss das Tor restauriert werden. Vor allem die Entfernung der rostigen Stellen gestaltet sich dabei als sehr aufwendig. Allem Anschein nach lagerte das Tor längere Zeit ungeschützt im Freien und war der Witterung ausgesetzt.

Das Tor, das inzwischen durch eine Replik ersetzt wurde, wird nach einer Entscheidung der zuständigen Gremien nicht mehr am Eingang angebracht, sondern nach der Restaurierung zum Teil der Dauerausstellung. »Bei den Feierlichkeiten zum 72. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau am 30. April wird es dort erstmals zu sehen sein«, sagte Gabriele Hammermann.

Kultusminister Ludwig Spaenle war in seiner Rede bereits auf den Aspekt der wichtigen Erinnerungsarbeit eingegangen. »Die Erinnerungsarbeit werden wir aktiv fortsetzen, das gehört zu den staatspolitischen Kernaufgaben. Der Grundlosung der Gründungsmütter und -väter der Bundesrepublik Deutschland, dem ›Nie wieder‹ mit Blick auf das Unrechtsregime des Dritten Reichs, sind wir verpflichtet. Das Tor steht als stummes Zeugnis für die Entwürdigung und Entrechtung der Menschen unter dem Hakenkreuz. Dem setzen wir den Willen des ›Nie wieder‹ entgegen.«

Schriftzug Im Konzentrationslager Dachau wurden zwischen 1933 und 1945 über 41.000 Menschen ermordet, 200.000 aus ganz Europa waren inhaftiert. Jeder von ihnen musste bei der Ankunft das Tor mit dem schmiedeeisernen Schriftzug »Arbeit macht frei« passieren. »Diese Worte«, heißt es in einer Erklärung der KZ‐Gedenkstätte, »markieren die zynische Haltung der SS gegenüber den Häftlingen, denn in den Konzentrationslagern war die Zwangsarbeit eines der zentralen Mittel des Terrors.«

Bis zur Jahrtausendwende waren die Verantwortlichen der Gedenkstätte davon ausgegangen, dass auch das 2014 gestohlene Tor kein Original war. Zu diesem Ergebnis war ein Gutachter gekommen.

Später aufgetauchte Dokumente, Fotos und Angaben von Zeitzeugen ergeben ein anderes Bild. »Wir gehen davon aus«, erklärt die Gedenkstättenleiterin Gabriele Hammermann, »dass die Tür höchstwahrscheinlich noch ein Original ist, während der Schriftzug 1972 durch eine Rekonstruktion ergänzt wurde.«

Original Eindeutig dokumentiert ist dagegen, dass der politische Häftling Karl Röder den Schriftzug im Auftrag der SS schmieden und am Tor anbringen musste. Fest steht aufgrund eines Fotos auch, dass der Schriftzug noch unmittelbar nach der Befreiung am Tor angebracht war, aber in den 60er‐Jahren verschwand. 1972, das geht aus den Archivbeständen der Gedenkstätte hervor, wurde der Schriftzug rekonstruiert und am Originaltor angebracht.

Noch laufen die Ermittlungen zum Diebstahl aus dem Jahr 2014: Wer die Personen sind, die das Tor in der Gedenkstätte aushebelten, abtransportierten und nach Norwegen brachten, konnte die Polizei bislang nicht herausfinden.

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