Konstanz

Zukunft offen

Zwei oder eine Gemeinde, das ist in Konstanz die Frage. Bevor sie nicht geklärt ist, wird es wohl auch keine neue Synagoge geben. Foto: Thinkstock

Konstanz

Zukunft offen

Streit um Fusion der beiden Gemeinden bleibt ungelöst

von Peter Bollag  11.05.2015 14:22 Uhr

Im Streit um die Zukunft der liberalen Jüdischen Gemeinde Konstanz (JGK) und der orthodox geführten Israelitischen Kultusgemeinde Konstanz (IKG) ist die Situation in den letzten Wochen eskaliert. Wohl in der Absicht, diesen Streit zu beenden und den Weg für den Bau der Synagoge frei zu machen, hatte der Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Baden (IRG) vor einigen Wochen beschlossen, die beiden Gemeinden aufzulösen und zu einer neuen »Synagogengemeinde« zu fusionieren.

Vertagung Vor allem die liberale Gemeinde, die sich ohnehin seit Jahren benachteiligt fühlt, wehrt sich gegen diesen Schritt, den die Vorsitzende Minia Joneck als Zwangsmaßnahme sieht. Die JGK rief deshalb das Schiedsgericht des Zentralrats an und war für die am 7. Mai avisierte Verhandlung zuversichtlich, schließlich hatte die oberste juristische Instanz des Zentralrats ähnliche Pläne bereits 2011 verworfen. Doch die Verhandlung fiel aus, sie musste wegen einiger ungeklärter juristischer Fragen vertagt werden, hieß es auf Anfrage beim Schiedsgericht.

Vor dem Verhandlungstermin sagte Rami Suliman, Vorsitzender der IRG, der Jüdischen Allgemeinen, man habe diesmal das Fusions-Ansinnen mit den Juristen genau abgestimmt, er sei deshalb grundsätzlich zuversichtlich. Falls die liberale Gemeinde unbedingt eigenständig weiter existieren wolle, so Suliman, müsse sie dies eben als Verein tun. Die jüdische Gemeinschaft am Bodensee sei mit weniger als 400 Menschen einfach zu klein, um sich diese jahrelange Auseinandersetzung leisten zu können. »Es ist Zeit, diesen endlosen Streit zu beenden, damit wir endlich mit dem Bau der neuen Synagoge beginnen können.«

Zuschüsse
Damit ist auch Joneck zwar grundsätzlich einverstanden, andererseits kritisiert sie den IRG-Vorsitzenden: »Die uns zustehenden Zuschüsse wurden seit Jahren blockiert und nicht ausbezahlt.« Es handele sich um einen Beitrag von 380.000 Euro. Suliman seinerseits fühlt sich im Recht, denn Geld gäbe es in solchen Fällen nur auf Antrag für konkrete Vorhaben. Joneck hält das für unpraktikabel: »Wir mussten alle Ausgaben für den Seder der Gemeinde aus der eigenen Tasche bezahlen. Das ist doch ungerecht.« Dafür sei das Geld doch da.

Auch moralisch glaubt Mina Joneck, das Recht auf ihrer Seite zu haben: »Wir wurden eben von der Union Progressiver Gemeinden als 25. Mitgliedsgemeinde aufgenommen, das zeigt doch, dass wir solide aufgestellt sind.« Zum Festakt Mitte Mai hat die JGK auch Suliman eingeladen. Vorher sieht man sich voraussichtlich bei der Verhandlung des Schiedsgerichts. Und da ist er wiederum sehr zuversichtlich: »Ich habe mich der Unterstützung des Kultusministeriums in Stuttgart versichert.« Dort sei man vor allem daran interessiert, das Problem abschließend zu lösen, damit es endlich mit dem Bau der neuen Synagoge beginnen könne.

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