Jewrovision

Yalla, Kadima!

Strecken für den Erfolg: In Düsseldorf laufen die Vorbereitungen auf die Jewrovision auf vollen Touren. Foto: Zlatan Alihodzic

Ein Sonntag auf dem Hof der Yitzhak-Rabin-Schule in Düsseldorf. In den Gebäuden brennt kein Licht, niemand rennt herum, aber irgendwo müssen sie ja sein. Immer den Ohren nach, an der Küche vorbei, hinüber zum Kindergarten – es wird lauter. Die Türe öffnen, in den Keller hinunter, der Bass wummert – hier sind sie: Mehr als zwei Dutzend Kinder und Jugendliche tanzen ausgelassen.

Inmitten dieser Gruppe springt Irina Kazakov umher und versucht, den Beat zu übertönen. »Nicht aufhören!«, ruft sie mit heiserer Stimme. »Immer weitermachen! Bewegt euch!« Denn die Zeit ist knapp, bereits am 1. März findet die Jewrovision in Hamburg statt, an der auch dieses Jahr wieder das Jugendzentrum »Kadima« der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf teilnehmen wird.

Begeisterung Beim größten jüdischen Tanz- und Gesangswettbewerb Europas wollen die Düsseldorfer endlich an erfolgreichere Zeiten anknüpfen: 2004 und 2008 belegte Kadima den ersten Platz, im vergangenen Jahr in München allerdings landete man im unteren Bereich der Tabelle. Das hat der Begeisterung der jungen Teilnehmer für den Wettbewerb jedoch keinen Abbruch getan.

»Im letzten Jahr waren wir zehn Tänzerinnen und Tänzer«, berichtet Irina Kazakov, die für die Choreografie zuständig ist. »Jetzt haben sie ganz viele neue Leute mitgebracht.« Es hat sich herumgesprochen, dass sogar die anstrengende Vorbereitung auf die Jewrovision Spaß machen kann. »Und außerdem ist der Wettbewerb ja mit einem Mini-Machane verbunden«, sagt die 24-Jährige. »Da sehen sie alle ihre Freunde wieder.«

Um ihren Beitrag machen die Düsseldorfer – wie alle anderen Jugendzentren auch – ein großes Geheimnis. Die Handlung darf nicht verraten werden, das wissen hier alle. »Nicht mitschreiben!«, sagt Irina ernst, als es um den Beginn der Nummer geht. Immerhin ist das Motto der diesjährigen Jewrovision bekannt: Die Teilnehmer sollen ihre Auftritte unter das Thema »Barmizwa« stellen, schließlich findet der Event zum 13. Mal statt.

Choreografie Die Jugendlichen haben an diesem Nachmittag mit den Proben für den Mittelteil der Choreografie begonnen. Jetzt studieren die zehn- bis 19-jährigen Teilnehmer die ersten Schritte ihrer Nummer ein. Irina tanzt vor. »Links, rechts, links, rechts«, Ausfallschritt, Bein anziehen, drehen – die Gruppe hinter ihr schaut konzentriert zu. Beim ersten Nachmachen herrscht noch großes Durcheinander. Ein jüngerer Tänzer albert herum, die Choreografin weist ihn gleich in seine Schranken. »Ich teile euch heute in zwei Gruppen auf«, sagt sie. »Wer unsicher ist, kommt in die zweite Gruppe. Aber eigentlich möchte ich euch alle in der ersten sehen. Also gebt euch Mühe!«

Trotz des strengen Tons während des Trainings scharen sich die Kinder in der kurzen Trinkpause um Irina. »Sie wissen, dass ich eigentlich ganz lieb bin«, erzählt sie lachend. »Ich bleibe ja immer herzlich. Aber wenn ich zu locker bin, wird das hier zu undiszipliniert.« Und Disziplin ist nötig, die älteren Teilnehmer trainieren zweimal wöchentlich, die jüngeren kommen nur am Sonntag ins Schulzentrum. Doch auch sie sind dann fünf Stunden in Bewegung.

»Man kriegt das schon irgendwie hin«, sagt Sonia. Zwischen Schule und Hobbys hat die 15-Jährige noch genug Energie für das Jewrovision-Training. »Ich tanze schon lange und habe auch im vergangenen Jahr hier mitgemacht. Dass jetzt noch mehr Leute dabei sind, ist schön. Man gewinnt hier neue Freunde.« Dafür könne man ruhig auf ein bisschen Freizeit verzichten, sogar auf die eigene Geburtstagsparty zu Hause, findet sie: Sonia wird während der Jewrovision 16 und feiert in Hamburg.

Bühnenluft Morris hingegen hat weniger Erfahrung mit dem Tanzen, aber sichtlich nicht weniger Freude daran als Sonia. Der Zehnjährige wollte das Jugendzentrum besuchen und entdeckte dabei zufällig das Angebot, an der Jewrovision teilzunehmen. »Das ist ja gar nicht so, dass es nur ums Tanzen geht«, sagt er. »Wir bewegen uns hier so viel, das ist doch gut! Und auf der Bühne zu stehen, das finde ich auch toll.«

Wie alle anderen jungen Tänzer hat auch Morris nach wenigen Durchgängen die ersten Schritte der Choreografie im Kopf. Manchmal wundert sich Irina selbst, dass die Teilnehmer so schnell lernen. Das Erfolgsrezept: »Sie müssen einfach Lust darauf haben.«

Und schon ist die Trinkpause wieder vorbei. Es geht weiter, »links, rechts, links, rechts ...«

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