Rotherbaum

Wird Hamburgs einst größte Synagoge wieder aufgebaut?

Eine Lichtinstallation erinnert an die zerstörte Synagoge am Joseph-Carlebach-Platz (2008). Foto: dpa

Wenn sich die Jüdische Gemeinde Hamburg am 9. November zu einem Abendgebet auf dem Joseph-Carlebach-Platz versammelt, erinnert dort nur ein Mosaik an die einst größte Synagoge Norddeutschlands. Möglicherweise wird das von den Nazis zerstörte Wahrzeichen jüdischen Lebens bald wiedererrichtet. Die Idee, das symbolträchtige Bethaus wiederaufzubauen, stößt auf wachsende Zustimmung in der Hansestadt.

Die aktuelle Debatte geht zurück auf eine Äußerung des Hamburger Grünen-Fraktionschefs Anjes Tjarks. Als Konsequenz aus dem Anschlag von Halle forderte er, nicht nur den Antisemitismus zu bekämpfen, sondern auch die positiven Aspekte jüdischen Lebens deutlicher sichtbar zu machen. Den Wiederaufbau der Synagoge nannte er dabei als Beispiel.

KUPPEL Das Gebäude wurde 1906 am damaligen Bornplatz im Hamburger Stadtteil Rotherbaum errichtet. Es bot Platz für 1200 Menschen und war mit seiner 40 Meter hohen Kuppel und den Buntglasfenstern ein echter Prachtbau. Bewusst errichtete die Gemeinde ihre Synagoge im neoromanischen Stil, der damals auch im Kirchenbau sehr beliebt war, um die vermeintlich erreichte Gleichberechtigung zu zeigen.

Die Synagoge bot Platz für 1200 Menschen und war mit seiner 40 Meter hohen Kuppel und den Buntglasfenstern ein echter Prachtbau.

Bei den von den Nazis gesteuerten Pogromen an Juden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge verwüstet. Später zwangen die Nationalsozialisten die Gemeinde, das Grundstück an die Stadt zu verkaufen und die Synagoge auf eigene Kosten abreißen zu lassen. Die freigewordene Fläche diente jahrelang der benachbarten Universität als Parkplatz.

IDEE Inzwischen ist der Platz nach dem Rabbiner Joseph Carlebach benannt und das Mosaik erinnert an die einstige Nutzung. In der Nachbarschaft sind wieder eine jüdische Schule und ein Gemeindezentrum angesiedelt, nicht aber eine Synagoge.

Die Idee zum Wiederaufbau der Bornplatzsynagoge ist nicht neu; schon vor Jahren wurde sie von der Jüdischen Gemeinde ins Spiel gebracht. Doch ohne die Unterstützung der Politik könnte sie ein solches Vorhaben nicht stemmen.

Landesrabbiner Shlomo Bistritzky begrüßte daher den aktuellen Vorstoß. »Ein interessantes Projekt wäre es, die zerstörte Synagoge am Bornplatz wiederaufzubauen«, sagt er – und fügt hinzu: »Auch aus touristischen Motiven könnte das für Hamburg interessant sein.«

Inzwischen ist der Platz nach dem Rabbiner Joseph Carlebach benannt und das Mosaik erinnert an die einstige Nutzung.

Politiker aller Fraktionen sicherten ihre Unterstützung zu. Auch aus den christlichen Kirchen kam Zustimmung. Ein Sprecher des katholischen Erzbistums Hamburg nannte die Idee »einen wichtigen Vorschlag«, der gut besprochen werden sollte und eine möglichst breite Basis brauche. »Wir sind gern bereit, uns an den Gesprächen zu beteiligen.« Hamburgs evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs unterstützt das Vorhaben ebenfalls.

BERLIN Bundesweit wurden seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in vielen Städten Synagogen teils neu errichtet und teils wiederaufgebaut. Vorbild für das Hamburger Projekt könnte der geplante Wiederaufbau der Kreuzberger Synagoge Fraenkelufer in Berlin sein, die einst eine der repräsentativsten Synagogen in der Hauptstadt war.

Auf Initiative des SPD-Fraktionschefs im Berliner Abgeordnetenhaus, Raed Saleh, hat sich dort ein prominent besetztes Kuratorium gegründet, das das Vorhaben unterstützt und begleitet. Die Kosten von schätzungsweise 30 Millionen Euro sollen aus Spenden finanziert werden; zwei Millionen Euro soll das Land Berlin beisteuern. Nach derzeitigen Plänen wird der Grundstein 2023 gelegt. Bis also ein möglicher Aufbau der Hamburger Synagoge tatsächlich startet, könnten noch einige Jahre ins Land gehen.

Düsseldorf

Die Makkabäer sind los!

Zum dritten Mal findet in Nordrhein-Westfalen das größte jüdische Sportfest Deutschlands statt

 03.09.2021 Aktualisiert

Brandenburg

Jüdische Gemeinden feiern 30 Jahre ihrer Wiedergründung

Mit einem Festakt begingen rund 150 Gäste aus der jüdischen Gemeinschaft und der Landespolitik das runde Jubiläum

 01.09.2021

Jubiläum

Seit 151 Jahren Teil der Stadtgesellschaft

1870 beschlossen elf Männer, in Gelsenkirchen eine eigene jüdische Gemeinde zu gründen - jetzt wurde an sie erinnert

von Michael Thaidigsmann  30.08.2021

Bremen

Neue Torarolle zum Jubiläum

In der Hansestadt feierte die jüdische Gemeinschaft am Wochenende den 60. Jahrestag der Eröffnung ihrer Synagoge

von Michael Thaidigsmann  30.08.2021

Freiburg

»Gezielte Provokation«

Eine geplante Demonstration gegen Israel auf dem Platz der Alten Synagoge beunruhigt die jüdische Gemeinde

von Michael Thaidigsmann  14.05.2021

Münster

Jüdische Gemeinde wehrt sich gegen israelfeindliche Kundgebung

Gemeindechef Fehr: »Die Antizionisten wollen israelfeindliche Stereotype im öffentlichen Bewusstsein festigen«

 24.07.2020

Gespräch

Bedrohung und Staatsversagen

Der zweite »Jüdische Salon« des Zentralrats der Juden widmet sich Ronen Steinke und seinem neuen Buch

 02.07.2020

Würzburg

Gepäckstücke erinnern

Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde der »DenkOrt Deportationen 1941–1944« eingeweiht

von Stefan W. Römmelt  18.06.2020

Gemeinden

Aktiv und engagiert

Die Zentralwohlfahrtsstelle veröffentlicht ihre Statistik für 2019 – die Zahlen geben wichtige Hinweise

von Heide Sobotka  18.06.2020