München

Wie Hanne und Hermann ein Paar wurden

Literaturhandlung und Stiftung präsentierten den Briefwechsel zwischen Hermann Lenz und seiner späteren Frau

von Ellen Presser  10.01.2019 09:48 Uhr

»Ebenso klug wie attraktiv«: Hanne Lenz Foto: Hermann-Lenz-Stiftung, München

Literaturhandlung und Stiftung präsentierten den Briefwechsel zwischen Hermann Lenz und seiner späteren Frau

von Ellen Presser  10.01.2019 09:48 Uhr

Unvergessen ist die grauhaarige Dame, die oft an Veranstaltungen der Literaturhandlung teilnahm. Je älter Hanne Lenz, die Witwe des Schriftstellers Hermann Lenz (1913–1998), wurde, desto wichtiger wurde ihr die eigene jüdische Herkunft. So war ihr ein Grab auf dem Neuen Israelitischen Friedhof eine Herzenssache.

Im Sommer 1941 hatte sie noch promoviert. Bis September 1944 bot ihr die Arbeit ausgerechnet für den Arisierungs-Kunsthändler Adolf Weinmüller Schutz. Dann wurde sie zur Zwangsarbeit eingezogen. Da war ihre Mutter bereits tot; im Februar 1942 war diese den Folgen eines Herzanfalls erlegen, als sie von der Deportation ihrer Schwester und Nichte nach Riga erfahren hatte.

freunde Die Literaturhandlung beendete ihr Jahresprogramm 2018 – gemeinsam mit der Hermann-Lenz-Stiftung – im Literaturhaus, wo der »Briefwechsel 1937–1946« des Freundes- und späteren Liebespaares unter dem Titel Hanne Trautwein/Hermann Lenz: »Das Innere wird durch die äußeren Umstände nicht berührt« vorgestellt wurde. Mit dabei waren langjährige Freunde wie Peter Handke, der das Ehepaar häufig in seinem Schwabinger Domizil besucht hatte, Peter Hamm, Michael Krüger und Rachel Salamander. »Die äußeren Umstände« hätten nicht schlimmer sein können, als Hanne Trautwein und Hermann Lenz sich im Winter 1937 im Kunsthistorischen Institut der Universität München kennenlernten.

Der »diskrete Hinweis« auf die »falschreligiöse Herkunft« – so überliefert dies das Nachwort – schreckte den angehenden Poeten nicht ab. »Ganz im Gegenteil«, er begann, der »ebenso klugen wie attraktiven Kommilitonin« den Hof zu machen, Da war er schon wieder aus der SA ausgetreten, in die ihn seine Eltern zwecks »vermeintlicher Zukunftssicherung« hineingedrängt hatten.

heirat Wie mag sich das junge Paar gefühlt haben, das nach der Heirat 1946 ins Lenzsche Elternhaus in Stuttgart zog und dort bis 1975 wohnte, um dann nach München in das Elternhaus von Hanne Lenz umzuziehen?

Nicht von jenen Jahrzehnten erzählen die 2018 im Insel-Verlag veröffentlichten 577 Briefe und Karten, sondern vom frühen Gedankenaustausch zwischen »Säule« Hermann und seinem »reizenden Kitz« Hanne. Selbst während seiner Militärzeit in Frankreich und Russland ging der Briefwechsel weiter.

Heute ruht der Nachlass in der Bayerischen Staatsbibliothek. Das Wohnhaus des Mikrobiologen Kurt Trautwein und der Malerin Marie Cohen, in dem deren Tochter Hanne bis zum Lebensende 2010 wohnte, beherbergt heute die Stiftung. Wohnbereich und Arbeitszimmer des Dichters mit dem aus Stuttgart mitgebrachten Sofa, auf dem schon Paul Celan übernachtete, sind behutsam restauriert und originalgetreu eingerichtet. Man kann es nach Vereinbarung unter buero@hermann-lenz-stiftung.de besichtigen.

»›Das Innere wird durch die äußeren Umstände nicht berührt‹: Hanne Trautwein – Hermann Lenz. Der Briefwechsel 1937–1946«. Insel, Berlin 2018, 1074 S., 48 €

Spendengala

Dauerhafte Perspektiven

Die WIZO-Frauen sammelten für Projekte in Israel

von Helmut Reister  05.12.2019

Klimawandel

Trotz allem mobil

Wie Gemeinden ganz individuell Umweltschutz praktizieren

von Elke Wittich  05.12.2019

Repräsentantenversammlung

21-mal Koach

Weil keine Gegenkandidaten antreten, fällt die Wahl zum Gemeindeparlament in diesem Jahr aus

 05.12.2019

Berlin-Tiergarten

Ponchys à la Faradjew

Vater und Sohn servieren in ihrem Imbiss israelisch-kaukasische Familienspezialitäten

von Maria Ugoljew  01.12.2019

Darmstadt

Mit Herz und Bauchgefühl

Der regionale Schabbaton widmet sich jüdischen Influencern

von Eugen El  28.11.2019

Ratsversammlung

»Wir lassen uns nicht vertreiben«

Das oberste Entscheidungsgremium des Zentralrats diskutierte die Sicherheit jüdischen Lebens

von Heide Sobotka  28.11.2019