IKG

Wenn Geschichte spricht

Erinnerung an die Opfer des Überfalls Foto: Marina Maisel

IKG

Wenn Geschichte spricht

Gedenkstunde im NS-Dokumentationszentrum München erinnerte an Überfall auf die Sowjetunion

von Ellen Presser  27.06.2016 20:11 Uhr

Mit dem Krieg, den Deutschland am 22. Juni 1941 gegen die Sowjetunion vom Zaun brach, nahm der Völkermord an den Juden Osteuropas weiter Fahrt auf. Im NS-Dokumentationszentrum fand dazu am 75. Jahrestag vergangene Woche Mittwoch eine Kooperationsveranstaltung der Offenen Akademie der Münchner Volkshochschule und dem Archiv »Lebendige Erinnerung« statt.

Dieses bei der Sozialabteilung der Israelitischen Kultusgemeinde angesiedelte Archiv unter Leitung von Rimma und Andrej Semenov sammelt seit 2008 Erinnerungen jüdischer Zuwanderer aus der ehemaligen Sowjetunion, die in München eine neue Heimat fanden.

biografien Für den Historiker Jürgen Zarusky sind diese Materialien ein wahrer Erinnerungsschatz. Zusammengetragen werden sie auf Grundlage der Befragungen und Archive der Shoah Foundation von Hollywood-Regisseur Steven Spielberg und dem Centropa-Dokumentationszentrum in Wien. Aus dem digitalen und fotodokumentarischen Archiv der Erinnerungen von aus den GUS-Staaten emigrierten Juden wurden für diesen Abend zwei Schicksale ausgewählt.

Die Odyssee von Boris Tschernjakow führte von seiner Geburtsstadt Babrujsk in Weißrussland, wo er 1929 geboren worden war, über Taschkent bis nach Kasalinsk. Dass der bei Kriegsbeginn Zwölfjährige überlebte, grenzt an ein Wunder. Der Zeitzeuge des zweiten Porträts, David Duschman, nahm an der Gedenkstunde selbst teil. Der 93-Jährige, so erfuhr man aus der von Jürgen Zarusky gemeinsam mit dem Ehepaar Semenov zusammengestellten und von Caroline Ebner und Thomas Loibl gestalteten Lesung, erlebte die Verbannung seines Vaters 1938 zur »Zeit des Großen Terrors«.

Statt sich seiner Leidenschaft, dem Fechten, zu widmen, fand sich der 18-jährige Duschow schon am zehnten Kriegstag in einem Panzer Richtung Westen wieder. Er nahm an der Befreiung von Auschwitz teil und sagt heute: »Hätten wir uns nur um ein paar Tage verspätet, wäre es kaum gelungen, noch irgendjemanden zu retten.« Der mehrfach Verwundete wurde später, 1951, »Meister des Sports« in der Sowjetunion und trainierte Welt- und Europameister sowie Olympiasieger im Fechten.

Wehrmacht Jürgen Zarusky hatte in seiner Einführung darauf hingewiesen, dass der Ostfeldzug bei der Bevölkerung der Sowjetunion »ein tiefes deutsches Trauma« verursachte – auch und insbesondere mit Blick auf die Wehrmacht, bei der von einem »sauber« geführten Krieg spätestens seit den Erkenntnissen der 1997 auch in München gezeigten Wehrmachtsausstellung keine Rede mehr sein kann. Über zweieinhalb Millionen Juden ermordeten die deutschen Truppen während ihres Überfalls auf die Sowjetunion.

Winfried Nerdinger hatte in seinem Grußwort als Direktor des NS-Dokumentationszentrums beklagt, dass der 22. Juni 1941, dieses geschichtsträchtige Datum, im politischen Tagesgeschäft der Bundesrepublik so gut wie gar nicht vorkommt. Zumindest in seinem Haus ist an diesem Tag des Überfalls auf die Sowjetunion angemessen gedacht worden.

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026

Berlin

»Ein leuchtendes Beispiel«

Jüdische Gemeinde Chabad zeichnet die First Lady Elke Büdenbender für ihr Engagement zur Stärkung jüdisches Lebens in Deutschland aus

 20.05.2026

Chemnitz

Ausstellung zum Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz

»Jetzt erst recht!«: Eine Ausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie erinnert an den mutigen Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz 1945

 18.05.2026

Baden-Württemberg

»Voices of Hope« - Stuttgart ist Bühne für Jewrovision

Die Veranstalter sprechen vom größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb Europas: Am Freitag startet die Jewrovision in Stuttgart. Vorbild ist der ESC, der parallel in Wien stattfindet - jedoch mit anderen Tönen

von Leticia Witte  12.05.2026

Anschlag

Hakenkreuz an Synagoge in Cottbus

Innerhalb weniger Tage ist die Cottbuser Synagoge zweimal von Unbekannten beschmiert worden. In der Nacht zum Montag wurde an der Fassade ein Hakenkreuz entdeckt. Zeitgleich wurde ein alternatives Wohnprojekt mit einer Rauchbombe attackiert

 27.04.2026

Berlin

Berliner Rabbinerin wird Präsidentin der Rabbinical Assembly

Mit Gesa Ederberg übernimmt erstmals eine Europäerin das Spitzenamt der internationalen Organisation

 18.03.2026

Daniel Grossmann

»Wir bleiben sichtbar«

Der Münchener Dirigent erhält die Wilhelm-Hausenstein-Ehrung

von Esther Martel  04.03.2026

Sicherheit

»Keine jüdische Veranstaltung soll je abgesagt werden müssen«

Nach dem Massaker von Sydney wendet sich Zentralratspräsident Josef Schuster in einer persönlichen Botschaft an alle Juden in Deutschland: Lasst euch die Freude an Chanukka nicht nehmen!

von Josef Schuster  17.12.2025

Osnabrück

Rabbiner Teichtal: »Unsere Aufgabe ist es, nicht aufzugeben«

»Wer heute gegen Juden ist, ist morgen gegen Frauen und übermorgen gegen alle, die Freiheit und Demokratie schätzen«, sagt der Oberrabbiner

 24.10.2025