Düsseldorf

Warten auf das Mahnmal

Im Sommer 2000 explodierte eine mit dem Sprengstoff TNT gefüllte Rohrbombe am Düsseldorfer Bahnhof Wehrhahn. Foto: imago

19 Jahre liegt einer der schwersten Anschläge in der Geschichte der Bundesrepublik zurück: Es war im Sommer 2000, am 27. Juli, als eine mit dem Sprengstoff TNT gefüllte Rohrbombe am Düsseldorfer Bahnhof Wehrhahn explodierte.

Zehn Menschen wurden schwer verletzt. Eine schwangere Frau verlor ihr Kind. Alle Opfer kamen aus Staaten der ehemaligen Sowjetunion, aus Kasachstan, der Ukraine, Russland und Aserbaidschan. An jenem Tag waren sie auf dem Rückweg von einem Sprachkurs. Sechs von ihnen waren Juden, die meisten gehörten der Gemeinde in Wuppertal an.

Das Gebiet um den S-Bahnhof hat sich in den vergangenen fast zwei Jahrzehnten gewandelt. Ein neues Quartier mit Wohnhäusern, die an die Gründerzeit erinnern, ist entstanden. Die Redaktion des »Handelsblatts« sitzt dort ebenso wie die international bekannte Werbeagentur Saatchi & Saatchi.

ENTWÜRFE Was sich an der Haltestelle nicht findet, ist eine Erinnerung an den Anschlag. Im Herbst vergangenen Jahres hatte der Rat der Stadt entschieden, eine Stele am Bahnhof anzubringen. Passiert ist bislang nichts. Entwürfe kursieren wohl zwischen den verschiedenen Ämtern, es wird diskutiert, aber nichts entschieden.

Von einem solchen Entwurf hat Michael Szentei-Heise, der Verwaltungsdirektor der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, auch schon gehört. Dieser soll ihm sogar zugegangen sein. »Ich habe noch keinen Vorschlag gesehen.« Einen bösen Willen unterstellt Szentei-Heise nicht. »Das wird in diesem Jahr schon klappen. Wir haben zurzeit Sommerferien in Nordrhein-Westfalen. Wenn die zu Ende sind, wird es sicher zügig weitergehen.«

revision Weitergehen wird es dann auch mit dem Revisionsverfahren gegen den mutmaßlichen Täter. Die Ermittlungen zu dem Anschlag blieben anfangs lange ohne Ergebnis. Erst 2014 erneut aufgenommene Untersuchungen führten 2017 zu einer Anklage gegen den 52-jährigen Ralf S. wegen zwölffachen versuchten Mordes. Ein gutes Jahr später sprach das Landgericht S. frei. Den Richtern waren die Aussagen zu widersprüchlich, die Planung und Durchführung des Anschlags hätten die intellektuellen Möglichkeiten von S. überschritten.

Die Staatsanwaltschaft und die Opferanwälte legten Revision gegen das Urteil ein und sind, wie Michael Szentei-Heise, der den Prozess zum Teil im Gerichtssaal verfolgte, von der Schuld des Angeklagten überzeugt. Wann es zum Revisionsverfahren kommt, ist unklar. Die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bereitet sich intensiv darauf vor. Vielleicht gibt es am 20. Jahrestag des Anschlags dann nicht nur ein Mahnmal, das an die Opfer erinnert, sondern sogar einen Schuldspruch für den Täter.

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