Kulturtage Berlin

Vorhang zu

Konzert im Rahmen der Jüdischen Kulturtage Berlin in der Synagoge Rykestraße (Archiv) Foto: Stephan Pramme

Die Nachricht erregt die Gemüter – erstmals seit fast 30 Jahren wird es in diesem Sommer keine Jüdischen Kulturtage (JKT) in Berlin geben. Das hat der Vorstand der Jüdischen Gemeinde zu Berlin entschieden. Zur Begründung wurde die schwierige Finanzsituation des Landes Berlin angegeben.

Die Jüdische Gemeinde zu Berlin wolle mit der Absage der Kulturtage ihren »Solidaritätsbeitrag leisten« und den »Berliner Haushalt ein Stück weit entlasten«. Der Vorstand verweist auf den Flughafen BER und die Staatsoper, die »große Löcher in den Haushalt gerissen« hätten. Den Angaben der Gemeinde zufolge geht es bei den JKT um einen Betrag von rund 250.000 Euro.

Die Senatskulturverwaltung allerdings bedauert die Entscheidung des Gemeindevorstands. »Doch es ist eine Entscheidung der Gemeinde«, sagte Günter Kolodziej, Sprecher der Berliner Senatskulturverwaltung. Die Jüdische Gemeinde erklärte, sie wolle auch »ein Zeichen des guten Willens setzen und ihre Verhandlungsbereitschaft in der Grundsatzdiskussion mit dem Land Berlin über die Zuschüsse aus dem Staatsvertrag aufzeigen«.

Die Gemeinde bestehe zwar darauf, die ihr zustehenden Zuschüsse für die Aufrechterhaltung des jüdischen Lebens in Berlin zu bekommen. Wenn es aber wie bei den Jüdischen Kulturtagen um die »staatsvertraglich gesicherte Kür« gehe, sei die Gemeinde »bereit, dem Land Berlin entgegenzukommen«.

antrag Aus der Senatskanzlei hingegen hieß es, das Geld wäre »problemlos geflossen«. »Wir hätten die Veranstaltung auch in diesem Jahr gern bezahlt«, betonte Kolodziej. »Doch wir können nur dann zahlen, wenn es auch einen Antrag gibt.« Jedoch habe die Jüdische Gemeinde diesmal für die Jüdischen Kulturtage 2015 keinen Antrag gestellt.

Martin Kranz, elf Jahre lang Intendant der JKT, sagte der Jüdischen Allgemeinen, der Vorstand habe seit September letzten Jahres »nicht mehr mit ihm gesprochen«. Ihn mache die Nachricht traurig, dass dieses »großartige Festival« nun ausfällt. Kranz bereitet gerade die Achava-Festspiele in Thüringen vor, die vom 27. August bis 6. September stattfinden und mit ihrem Programm stark an die Jüdischen Kulturtage erinnern.

Die nächsten, mittlerweile 29. Jüdischen Kulturtage Berlin sollten ursprünglich vom 27. August bis 6. September 2015 stattfinden. Im vergangenen Jahr war mit rund 28.700 Gästen ein neuer Besucherrekord erzielt worden.

vielfalt Die Jüdischen Kulturtage in Berlin gelten als größtes Festival jüdischer Kunst und Kultur in Deutschland. Sie bieten ein breites Spektrum an Veranstaltungen in der ganzen Stadt, von Musik über Kunst und Literatur bis hin zu Bildungsangeboten und der Langen Nacht der Synagogen. Ziel ist nicht zuletzt, mehr Toleranz gegenüber dem Judentum zu fördern und in die Vielfalt jüdischer Kultur einzutauchen.

Der Senat habe die Jüdischen Kulturtage in der Vergangenheit »sehr gern gefördert«, unterstrich Senatssprecher Kolodziej. Die Stadt Berlin habe »großes Interesse daran, dass diese wichtige Veranstaltung auch künftig« stattfinde. Der Senat sei bereit, seinen finanziellen Beitrag dazu zu leisten. Denn die Jüdischen Kulturtage seien nicht nur »wichtig für Berlin«, sondern zudem »sehr erfolgreich und dem deutsch-jüdischen Zusammenleben sehr förderlich«, betonte Kolodziej.

Auch die Jüdische Gemeinde äußerte die Hoffnung, »bereits im kommenden Jahr im Einvernehmen mit dem Land Berlin die 28-jährige Tradition der Jüdischen Kulturtage wiederaufleben zu lassen«.

kulturbrücke Daran hat Sergey Lagodinsky, Mitglied der Repräsentantenversammlung, allerdings seine Zweifel. »Berlin hat viele jüdische Kulturangebote, aber alle außerhalb der Gemeinde – keines von ihnen ersetzt die Jüdischen Kulturtage.« Diese seien »eine Institution« und die »letzte Kulturbrücke zwischen Gemeinde und Stadt«.

Aus Protest gegen die Absage trat Lagodinsky am Dienstag von seiner Funktion als Vorsitzender des Kulturausschusses der Jüdischen Gemeinde zurück. Er begründete seinen Schritt unter anderem damit, dass der Ausschuss nicht in Entscheidungsprozesse der Gemeinde einbezogen worden sei.

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