Köln

Von Hora bis Tango

Jubel bricht aus, die Stimmung auf der Bühne und im Saal ist euphorisch. Immer wieder verbeugen sich die Mitglieder der Folkloretanzgruppe Hora Aviv Pardes Hanna-Karkur aus Israel vor dem applaudierenden und »Hurra« rufenden Publikum.

Mit einem bunten Potpourri aus den Highlights ihrer zweistündigen Tanzshow verabschieden sich die 18 jungen Frauen und zehn jungen Männer von den Zuschauern – um als Sahnehäubchen das Publikum dann noch in ihre Horatänze mit einzubeziehen und den großen Gemeindesaal der Synagogen-Gemeinde Köln in der Roon­straße zu rocken.

»Das ist Begeisterung pur«, freut sich Chana Bennet, die Leiterin der Kultur- und Eventabteilung der Synagogen-Gemeinde über den erneuten Auftritt der ungewöhnlichen Tanztruppe aus Pardes Hanna, im Umland der israelischen Hafenstadt Haifa. »Die Augen der Zuschauer und der Tänzerinnen und Tänzer haben geleuchtet.«

Weltreise Hora Aviv nimmt die rund 150 Zuschauer im Gemeindesaal auf eine musikalische und tänzerische Weltreise mit einer breiten Palette jüdischer und nichtjüdischer Volkstanzformen mit. Die Horatänze lassen das Publikum nicht mehr ruhig auf ihren Stühlen sitzen. Die getragenen Klänge des Tangos entführen sie in die argentinische Klang- und Bewegungswelt am Rio de la Plata.

Das Ganze gemischt mit religiösen Tänzen nach chassidischen Weisen bei der Darbietung in fünf tänzerisch präsentierten Bildern, in denen die kulturellen »Spuren« erkennbar werden, die die Einwanderer aus den Mittelmeeranrainern mit nach Israel gebracht haben, so wie auch die arabische Debka, den Yemenite oder Sirtaki als weitere Tanzelemente. Ungarische Volksmusik inspirierte die Choreografen der Tanztruppe ebenso wie das heute kaum noch gesprochene Ladino.

Bei den religiösen Tanzelementen lassen sich die Tänzerinnen und Tänzer von dem in wenigen Wochen anstehenden Fest der Torafreude, Simchat Tora, anstecken. Und bei einem choreografischen »Spaziergang« durch ihre Heimat Israel bilden die sieben Früchte Israels, Weizen, Gerste, Trauben, Oliven, Feigen, Datteln und Granatapfel, den tänzerisch roten Faden durch das Programm.

Leichtigkeit Bereits zum dritten Mal waren die Mitglieder von Hora Aviv in Köln zu Besuch. »Die Lebensfreude und Leichtigkeit, die die Tänzer ausstrahlen, springen jedes Mal auf das Publikum über«, sagt Chana Bennet, die die Auftritte miterlebte. Die künstlerische und choreografische Präsentation findet nicht nur auf einem sehr hohen Niveau statt. Absolute Fitness gehört für die Darsteller dazu, denn jeder Tanz wird in einem anderen charakteristischen Kostüm dargeboten.

Alle zwei Jahre kommen Mitglieder der Folkloretanzgruppe nach Deutschland – bereits seit gut eineinhalb Jahrzehnten. Während des Aufenthalts wohnen sie auf Einladung einer Privatinitiative im sauerländischen Halver bei Gastfamilien und treten mehrmals mit ihrer Tanzshow auf.

Zum Besuchsprogramm für die jungen Künstler, die alle die Landwirtschaftsschule in Pardes Hanna besuchen, gehören aber nicht nur die Tanzvorführungen, sondern auch Ausflüge und Freizeitvergnügen. Die Tanztruppe besteht derzeit aus insgesamt 280 jugendlichen Mitgliedern in fünf unterschiedlichen Altersgruppen. Und deren Auftritte sind trotz der Leichtigkeit der Darbietung alles andere als ein Freizeitspaß für die Akteure. »Eine absolut coole Tanzshow«, freut sich Chana Bennett. Demnächst wieder in Köln.

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