Ausstellung

Vom Wohlstandskind zur Kriegsreporterin

Die Monacensia lässt das bewegte Leben von Erika Mann Revue passieren

von Ellen Presser  16.01.2020 11:34 Uhr

»Kühnes, herrliches Kind«: Erika Mann Foto: Ullstein

Die Monacensia lässt das bewegte Leben von Erika Mann Revue passieren

von Ellen Presser  16.01.2020 11:34 Uhr

Erika Mann (1905–1969) war vieles: älteste Tochter des Literatur-Nobelpreisträgers Thomas Mann, Schauspielerin, Kabarettistin, Kriegsreporterin und Buchautorin. Wie eine bemerkenswerte Ausstellung in der Monacensia, wo ihr Nachlass sowie der ihres seelenverwandten Bruders Klaus ruht, derzeit deutlich macht, war sie jedoch noch sehr viel mehr.

Ihre vielfältigen Begabungen hatten vielleicht etwas mit ihren Vorfahren mütterlicherseits zu tun: Die Urgroßmutter war die Frauenrechtlerin Hedwig Dohm, ihr Großvater war der Mathematik-Professor Alfred Pringsheim. Trotzdem schaffte sie nur ein »erbärmlich schlechtes Abitur«, wie ihre Biografin und Ausstellungskuratorin Irmela von der Lühe resümiert.

sinnbild Geboren als »kühnes, herrliches Kind«, wie der Vater sie beschrieb, war Erika Mann der Weg als höhere Tochter einer großbürgerlichen Familie vorgezeichnet. Aus dem Wildfang, der in einer Gruppe privilegierter Kinder das Villenviertel Bogenhausen unsicher machte, wurde das Sinnbild eines neuen Frauentyps: selbstbestimmt, was ihre Berufs- und Partnerwahl betraf, begabte Schauspielschülerin bei Max Reinhardt in Berlin, begeisterte Autofahrerin, die schon 1931 an einer Rallye durch Europa teilnahm, mit Bruder Klaus die halbe Welt bereiste und noch heute lesenswerte Reportagen dazu verfasste.

Zu ihrer politischen Erweckung trugen insbesondere zwei Erfahrungen bei: zum einen die Störung ihres Auftritts während einer internationalen Tagung pazifistischer Frauen im Januar 1932 durch einen SA-Trupp in München, zum anderen die Kündigung eines Theaterengagements auf Betreiben des sogenannten nationalsozialistischen »Kampfbundes für deutsche Kultur«.

Zusammen mit Therese Giehse gründete Erika Mann das Kabarett »Die Pfeffermühle«, das seine Erfolge schon bald nicht mehr in Deutschland, sondern nurmehr im Schweizer Exil fortsetzen konnte. Eine zweite Karriere gelang ihr in den USA, wo sie bis 1945 als politische Rednerin und Kriegsberichterstatterin gegen Nazi-Deutschland und danach als Gegnerin des neuen Wettrüstens auftrat, sodass sie von der Beobachtung durch die Gestapo unter die des FBI geriet.

Die Ausstellung ist bis 30. Juni in der Monacensia, Maria-Theresia-Straße 23, zu sehen. Geöffnet Mo bis Mi von 9.30–17 Uhr, Do 12–19 Uhr, Sa und So 11–18 Uhr

Kleingemeinden

Die Hilfsbereitschaft ist groß

Jugendliche kaufen für Senioren ein, Rabbiner beten online

von Christine Schmitt  26.03.2020

Frankfurt

Rabbiner im Handy

Wie eine Gemeinde unter dem Coronavirus funktioniert

von Eugen El  26.03.2020

Service

Soziale, religiöse, organisatorische Angebote

Wie die jüdischen Gemeinden in Zeiten des Coronavirus zu erreichen sind

von Heide Sobotka  23.03.2020

Corona-Krise

Hilfe und Chancen

Alle stehen jetzt zusammen. Wie jüdische Gemeinden auf die Pandemie reagieren

 23.03.2020

Berlin/Dresden/Frankfurt/Köln

Schabbat im Radio und online

Jüdische Gemeinden übertragen aufgezeichnete Kabbalat-Schabbat-Gottesdienste oder rufen zum Online-Beten auf

 20.03.2020

Purim

Corona oder Kostüme?

Synagogenbesuche und Partys standen unter dem Motto »Verantwortungsvoll feiern«

von Ralf Balke  12.03.2020

Einladung

Schabbat in Karlsruhe

Staatsministerin besucht jüdische Gemeinde

 05.03.2020

Porträt der Woche

Zukunft mit Fragezeichen

Aaron Serota ist Wirtschaftswissenschaftler und engagiert sich in der Gemeinde

von Eugen El  04.03.2020

»Meet a Jew«

Miteinander statt übereinander reden

Begegnungsprojekt des Zentralrats will den Austausch von Juden und Nichtjuden fördern

 28.02.2020