Frankfurt am Main

Vierzehn Tage Kunst

Festgehalten: Die Vielfalt jüdischen Lebens zeigt die Fotoausstellung von Rafael Herlich. Foto: Rafael Herlich

Es ist ein beachtlicher Erfolg: Obwohl die Eintrittskarten zu den Jüdischen Kulturwochen in Frankfurt am Main weder übers Internet noch über große Vorverkaufsstellen vertrieben werden, sind die meisten Veranstaltungen sehr gut besucht. Den Kartenverkauf managt die Jüdische Gemeinde – und da in erster Linie die Verantwortliche der Kulturabteilung, Doris Adler.

Auch in diesem Jahr hat die Gemeinde in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Frankfurt ein »unterhaltsames und lehrreiches Programm« zusammengestellt, wie es Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und in seiner Heimatgemeinde Frankfurt Kulturdezernent, und Felix Semmelroth, Kulturdezernent der Stadt Frankfurt, in ihrem Grußwort zu den Kulturwochen formuliert haben. Beide verweisen darin insbesondere auch auf »die russisch-jüdischen Zuwanderer, die das Kulturangebot bereichern und aus der Kulturszene nicht mehr wegzudenken sind«.

Die Jüdischen Kulturwochen dauern in diesem Jahr vom 26. August bis zum 9. September. Der Auftakt ist traditionell sehr jüdisch: Zur Eröffnung findet am Sonntag, 26. August, ab 17 Uhr ein Konzert in der Westend-Synagoge statt. Oberkantor Shmuel Barzilai aus Wien (1957 in Jerusalem geboren) singt gemeinsam mit dem Chor der Westend-Synagoge kantorale Musik sowie jiddische und israelische populäre Lieder. Der Eintritt ist frei.

Musical Mehr Musik gibt es am Montag, 3. September, und am Mittwoch, 5. September. Zum Wochenbeginn präsentieren die Frankfurt Classic Player mit der Sopranistin Oxana Arkaeva Lieder- und Orchesterstücke aus der Oper Porgy and Bess und dem Musical West Side Story. Ein kammermusikalischer Abend mit dem Adorno Quartett sorgt dann etwas für musikalische Entspannung, bevor am Sonntag, 9. September, die Hütte beben wird. Denn dann betritt um 19 Uhr Israels Superstar David Broza die Bühne des Ignatz-Bubis-Gemeindezentrums.

Der Gitarrist, Komponist und Songschreiber wird gern mit Leonard Cohen verglichen. Er wird das Publikum mit seiner ganz eigenen Mischung aus urbanem Folk und passionierter Gitarrenmusik nach Spanien entführen. Denn dort ist Broza aufgewachsen – und zahlreiche seiner Melodien spiegeln dies wider.

Buchraritäten Bibliophile wie Dieter Graumann werden während der Kulturwochen ebenfalls auf ihre Kosten kommen. Zum einen mit einem auch visuellen Bucherlebnis, der Ausstellung »Ein Wunder im Wunder« im Museum Judengasse. Im Jahr 1511 war das Buch Augenspiegel erschienen, in dem der Autor und einer der führenden Gelehrten seiner Zeit, Johannes Reuchlin, den von Kaiser Maximilian erlassenen Befehl, alle hebräischen Bücher zu zerstören, als unrechtmäßig zurückweist. Der führende Vertreter der deutschen Juden, Josel von Rosheim, bezeichnete diese Stellungnahme als ein »Wunder im Wunder«.

Die Ausstellung (bis 28. Oktober) zeigt kostbare Erstausgaben und wird am Dienstag, 28. August, um 19 Uhr mit dem Vortrag »Johannes Reuchlin und die Kampagne zur Vernichtung der jüdischen Bücher« (in deutscher Sprache) eröffnet. Ebenfalls in die Vergangenheit – wenn auch nicht ganz so weit – begeben sich Vladimir Vertlib und Olga Grjasnowa.

Vertlibs Buch Schimons Schweigen nimmt die Zuhörer am Mittwoch, 29. August, mit auf eine Reise in die ehemalige Sowjetunion, nach Israel und zu den Geheimnissen zweier alter Männer. Grjasnowa liest aus ihrem Werk Der Russe ist einer, der Birken liebt. Warum das so ist, erfahren die Zuhörer am Donnerstag, 6. September. Lyrik von Heinrich Heine liest der durch Film und Fernsehen bekannte Schauspieler Felix von Manteuffel am Dienstag, 4. September. Musikalisch untermalt wird dies vom Duo Fragilé – Petra Woisetschläger (Gesang und Klavier) und Udo Betz (Kontrabass und Gitarre).

Filme Last but not least stehen auch zwei Filme auf dem Programm. Am Samstag, 1. September, wird ab 20.30 Uhr im Deutschen Filmmuseum David gezeigt. Der Streifen handelt vom elfjährigen Daud aus Brooklyn, der irrtümlich für einen Juden gehalten und David genannt wird. Er freundet sich mit gleichaltrigen jüdischen Jungen an und gerät damit in die Bredouille – denn er ist der Sohn eines Imams. Das zum 70. Geburtstag von Amos Oz gedrehte Porträt über den israelischen Schriftsteller, The Nature of Dreams, wird am Sonntag, 2. September, ebenfalls ab 20.30 Uhr im Filmmuseum gezeigt.

Begleitend zu den Veranstaltungen findet im Gemeindezentrum eine Fotoausstellung mit Bildern von Rafael Herlich, der unter anderem als Fotograf für diese Zeitung arbeitet, statt. Unter dem Titel »Jüdisches Leben in Frankfurt« gibt er Einblicke in die Traditionen, die auch während der zweiwöchigen Kulturwochen in so vielfältiger Form ihren Ausdruck finden.

Informationen zum Programm und zu den Veranstaltungsorten der Jüdischen Kulturwochen sind im Internet unter www.juedischekulturwochen2012-frankfurt.de zu finden. Karten können bei der Gemeinde unter der Rufnummer: 069/768 03 61 00 bestellt werden. Infos und Kartenreservierungen für die Veranstaltungen im Deutschen Filmmuseum gibt es unter: 069/961 22 02 20.

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