Dresden

Verlässliche Partner

Seit 2001 gehören die Kuben zu Dresden, auch dank des Freundeskreises. Foto: imago

Den emotionalen Höhepunkt seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Freundeskreises Dresdner Synagoge erlebte Rainer Thümmel im vergangenen Oktober. Anlässlich der Feierlichkeiten zum Tag der deutschen Einheit in der sächsischen Landeshauptstadt durfte sein Verein zwei Tage lang die Jüdische Gemeinde zu Dresden im »Zelt der Religionen« vertreten. Der Schabbat und ein jüdischer Feiertag hinderten die Gemeinde daran, selbst aufzutreten. »Das war für mich der bisher beste Ausdruck unseres Miteinanders«, sagt Thümmel.

Sowohl der Verein als auch die Jüdische Gemeinde beschreiben ihr gegenseitiges Verhältnis als »ausgesprochen herzlich«. »Wir sind immer an der Seite der Gemeinde. Gute Freunde zu haben, ist wertvoll, gerade in der heutigen Zeit mit ihren vielfältigen Bedrohungen«, sagt Thümmel. Gemeindevorsitzende Nora Goldenbogen bestätigt: »Der Freundeskreis ist einer unserer engsten Partner.«

Entsprechend sollte das 15‐jährige Bestehen am 28. Juni im Saal der Jüdischen Gemeinde gefeiert werden. Typisch für den Verein: Man feierte nicht nur, sondern stellte in den Mittelpunkt des Festakts einen Vortrag von Landesbischof Carsten Rentzing. Das Oberhaupt der Evangelisch‐Lutherischen Landeskirche Sachsens wollte über das Thema sprechen: »Schabbat und Sonntag – seit wann feiern Christen den Sonntag und warum?«

Schwellenängste Ein Ziel des Unterstützervereins ist: Juden und Nichtjuden sollen Schwellenängste überwinden, sich kennenlernen, Gemeinsamkeiten entdecken und sich für die Unterschiede interessieren. Deshalb bietet der Verein zum Beispiel für die Mitglieder der Jüdischen Gemeinde Führungen durch die Dresdner Kirchen an oder lädt die Öffentlichkeit immer wieder zu Veranstaltungen und Begegnungen in den jüdischen Gemeindesaal ein.

Der Freundeskreis Dresdner Synagoge ging 2002 aus dem Förderverein Bau der Synagoge Dresden hervor. Dieser Zusammenschluss setzte sich seit 1996 für den Neubau des jüdischen Gotteshauses ein. Am 9. November 2001, 63 Jahre nach der Zerstörung in der Pogromnacht, konnte die moderne Synagoge am Hasenberg schließlich eröffnet werden.

Michael Simpfendörfer, seit zwölf Jahren Geschäftsführer des Vereins, engagierte sich in den 90er‐Jahren sowohl für den Wiederaufbau der Frauenkirche als auch für die neue Synagoge. »Mir war klar: Die Frauenkirche würde sich alleine tragen, die Synagoge aber auch weiterhin Unterstützung benötigen. Für die kleine Jüdische Gemeinde war die Synagoge Geschenk und Last zugleich.« Also gründeten Mitglieder des Bauvereins den Freundeskreis, um jüdisches Leben und das Interesse der Öffentlichkeit an jüdischer Religion und Kultur in der Elbestadt zu fördern.

Verbundenheit Obwohl niemand im Freundeskreis Jude ist, fühlt man sich dem Judentum verbunden. Michael Simpfendörfer wuchs als Enkel eines Theologen mit der Lektüre des Alten Testaments auf. Früh wurde ihm bewusst, dass das Christentum auf dem Judentum basiert. Ein Schlüsselerlebnis für ihn war ein Film über die Nürnberger Prozesse. Er ist überzeugt: »Die Deutschen haben eine besondere Verantwortung für das Judentum.« Das sieht sein Vereinskollege Rainer Thümmel genauso. Noch zu DDR‐Zeiten besuchte er das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz. »Dieses Erlebnis hat mich nicht mehr losgelassen und das Bestreben geweckt, aus der unseligen Vergangenheit zu lernen.« Verantwortung für das Judentum zu übernehmen, bedeutet für den Freundeskreis deshalb auch, sich öffentlich gegen Neonazis und die extreme Rechte zu positionieren.

Die Freundschaft zur jüdischen Gemeinde geht jedoch über Ideelles hinaus. Praktisch und finanziell greift man der Gemeinde unter die Arme. Zwar erhält der Freundeskreis keine öffentlichen Fördergelder, er ist aber ein versierter Netzwerker und »Klinkenputzer«, wenn es um Spendenwerbung für die jüdische Gemeinde geht. Der Freistaat und die Stadt Dresden seien zuverlässige Unterstützer, lobt der Vereinsvorsitzende. Als im Jahr 2010 ein Brandanschlag auf die Tür der Trauerhalle verübt wurde, riefen die Partner zu einer öffentlichen Sammlung auf.

Spendenwerbung Stolz ist der Freundeskreis auch auf die erfolgreiche Spendenwerbung für den jüdischen Friedhof im tschechischen Teplice‐Sobedruhy. Der denkmalgeschützte Friedhof, auf dem bis Mitte des 18. Jahrhunderts auch die Dresdner Juden bestattet wurden, erhielt eine neue Einfriedung, um ihn vor Vandalismus zu schützen.

In Dresden selbst schenkte der Freundeskreis der Jüdischen Gemeinde die Erweiterung ihres Friedhofs, inklusive hydrogeologischem Gutachten. Freundeskreis und Jüdische Gemeinde unterhalten einen gemeinsamen Bauausschuss. Für die Synagoge schaffte er ein Fahrgerüst und eine Leiter an, damit auch die Leuchten an der hohen Decke gewechselt werden können. Jetzt steht ein neues Großprojekt an: die Sanierung des Flachdachs der Synagoge. Rund 230.000 Euro soll das kosten. Für die Zukunft erhofft sich Rainer Thümmel, dass der Verein auch künftig konstant seine 112 Mitglieder halten kann.

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