Darmstadt

Vereint helfen

Die WIZO-Frauen in Darmstadt erhielten Unterstützung von Zentralratspräsident Josef Schuster (5.v.r.) und Gemeindevorsitzenden Moritz Neumann (3.v.r.). Foto: Rafael Herlich

Was für ein schöner Tag!», begrüßt Aviva Steinitz, Vorsitzende der Darmstädter Sektion der Women’s International Zionist Organization (WIZO), die Besucher am Sonntagvormittag zum traditionellen Basar. Und tatsächlich, das Wetter spielt mit. Die Sonne scheint mit aller Kraft, so dass die zahlreichen Besucher auch im Außenbereich des Gemeindezentrums Kaffee und Kuchen genießen können.

Die Arbeit der WIZO fasst Steinitz mit einer kurzen Geschichte zusammen. Ein Prinz bleibt mit seiner Pferdekutsche im Schlamm stecken. Die prächtigen Pferde können das Gefährt nicht herausziehen. Ein zufällig vorbeikommender armer Mann bietet dem Prinzen seine beiden Esel an. Der Prinz erlaubt ihm skeptisch, seine Esel anzuspannen. Als der Mann seine Esel peitscht, ziehen beide an, und die Kutsche kommt frei. Der Prinz zeigt sich verwundert, und der alte Mann erklärt ihm: Wenn der Prinz eines seiner herrschaftlichen Pferde peitscht, würde nur dieses eine anziehen, und das andere würde stehen bleiben. Peitsche er aber einen Esel, so spüre der andere den Schmerz, und sie würden beide ziehen.

So sei es auch mit den WIZO-Frauen, erklärt Steinitz. Wenn Mädchen und Frauen vernachlässigt werden, würde deren Leiden auch zum Leiden der WIZO-Frauen: «Dann ziehen wir zusammen, um den Mädchen mit vereinten Kräften zu helfen, unabhängig von ihrer ethnischen oder religiösen Zugehörigkeit.» So geht wie in den vergangenen Jahren auch in diesem Jahr der Erlös des Basars an das Meder-Zentrum für gefährdete Mädchen im israelischen Eilat.

Engagement Zentralratspräsident Josef Schuster war zusammen mit seiner Frau aus Würzburg angereist. Schuster fungierte am Sonntag auch als Schirmherr und zeigte sich in seinem Grußwort vom Basar und der großen Resonanz begeistert. Der Zentralratspräsident lobte ausdrücklich das Engagement der WIZO-Frauen, das etwas Ansteckendes habe.

Der Darmstädter Basar findet bereits zum 17. Mal statt, und der Vorsitzende der Gemeinde, Moritz Neumann, erinnert sich: «Früher hatten wir am Muttertag immer nur einen kleinen Stand im Staatstheater. Das hat sich dank des Engagements von Aviva Steinitz geändert.» Für Neumann repräsentiert der WIZO-Basar auch die Essenz des Muttertages. Hier könne man das Angenehme, wie beispielsweise Freunde und Bekannte zum Kaffeetrinken zu treffen, mit dem Nützlichen, zum Beispiel ein Geschenk für die Mutter zu kaufen und eine gute Sache zu unterstützen, verbinden, meinte Neumann. Den Besuchern wünschte der Gemeindevorsitzende, dass sie sich wohlfühlen und dass vor allem ihr Portemonnaie locker sitzt.

Bei einem Gang durch die Flure des Gemeindezentrums kann man beobachten, dass viele bereitwillig Neumanns Aufforderung Folge leisten. Für jeden ist etwas dabei. Auf einem kleinen Flohmarkt reicht die Auswahl vom König-Ludwig-Steinkrug bis zum Waffeleisen, ein Büchertisch wartet mit gebrauchten und neuen Büchern auf, es gibt Kosmetik aus Israel und Judaica, auch ein Schmuckstand findet großen Anklang.

Bei Letzterem sind die Männer allerdings oft nur als Anhängsel erwünscht. So wie Dieter Brodehl aus Darmstadt: Während sich seine Frau und Tochter in Ruhe die Arm- und Halsketten anschauen, übernimmt er geduldig und bereitwillig die Rolle des Spiegelhalters.

Angebote Es gibt aber auch ein großes Angebot an Kleidern für Alt und ganz Jung. Tatiana Aminova und Elena Iunaeva betreuen den Stand mit den Kinder- und Babykleidern. Sie engagieren sich schon seit vielen Jahren beim Basar. Fein säuberlich zusammengelegt oder aufgehängt sind die Hosen, Strampler, Jacken und vieles mehr nach Größe und Geschlecht sortiert.

In der Vorbereitung stecke viel Arbeit, bestätigen dann auch beide, in mehr als zwei Wochen werde in der Freizeit alles hergerichtet. Silke Neumann, die ebenfalls mithilft, betont, dass alle Kleiderspenden für gute Zwecke bestimmt seien und die Stücke, die nicht auf dem Basar verkauft werden, an andere karitative Vereine weitergegeben würden.

Neben den Verkaufsständen gehört aber seit vielen Jahren eine Tombola mit attraktiven Preisen zum Programm des Basars. Die Lose werden von Kindern und Jugendlichen der Gemeinde verkauft, für die das ein großer Spaß ist.

Der 15-jährige Elie ist einer der begeisterten Losverkäufer. Bereits vier Becher mit je 50 Losen habe er verkauft, berichtet er stolz. Als einer der Hauptpreise winkt in diesem Jahr ein Fußball mit Autogrammen von allen Spielern der erfolgreichen Lokalkicker vom SV Darmstadt 98. Da wären die Augen von einigen Besuchern schon groß geworden, meint Inge Nahmany von den WIZO-Frauen lachend.

Resonanz Sie ist mit der Resonanz auf den Basar sehr zufrieden. Dieser sei mittlerweile auch zu einer Art Tag der Offenen Tür der Jüdischen Gemeinde geworden, und die Mehrheit der Besucher seien keine Gemeindemitglieder. «Es schauen auch viele Nachbarn vorbei. Unser Basar ist mittlerweile zu einem festen Termin im Darmstädter Veranstaltungskalender geworden», erzählt Nahmany.

Das ist auch wenig verwunderlich, wartet der Basar bis zum Ende am späten Nachmittag doch mit vielen Highlights auf. So können Interessierte an einer Synagogenführung mit Ruth Marx teilnehmen und im Anschluss einem Konzert der Klarinettistin Irith Gabriely zusammen mit dem Pianist Hans-Joachim Dumeier lauschen, die Stücke aus ihrem Programm «Church meets Synagogue» präsentieren.

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