Meinung

Unsere Zukunft in Gelsenkirchen

Judith Neuwald-Tasbach Foto: Uwe Steinert

Meinung

Unsere Zukunft in Gelsenkirchen

Nach der Zuwanderung stehen die jüdischen Gemeinden vor enormen Herausforderungen

von Judith Neuwald-Tasbach  23.05.2016 18:49 Uhr

Zugegeben, solche Sätze sind oft zu lesen: Die Gemeinden müssen attraktiver werden, sie müssen sich der Jugend zuwenden, sie dürfen nicht in erstarrten Ritualen verharren, und neue Wege müssen beschritten werden. Doch schaut man sich die Situation genau an, wird deutlich: Die Herausforderung liegt darin begründet, dass die Zahl der jüdischen Zuwanderer, die in den 90er-Jahren für so manchen Gemeindeboom gesorgt hatten, zurückgeht.

Zudem sinken unserer Mitgliederzahlen auch, weil die Geburtenrate niedriger ist als die Zahl derer, die sterben. Und es gibt den Wegzug von jüngeren Mitgliedern aus Städten, die keine Universität oder Hochschule haben. Diese jungen Männer und Frauen ziehen zum Studium weg – und dass sie in eine Stadt wie Gelsenkirchen zurückkommen, ist eher unwahrscheinlich.

digital Wenn neue Wege beschritten werden sollen, warum nicht dieser? Wir sollten einmal eine digitale jüdische Gemeinde ausprobieren, eine für die Dauer eines Sommer-Camps, und nur für Jugendliche. Alle Funktionen einer Gemeinde werden in junge Hände gelegt; sie probieren aus, haben Erfolge und Misserfolge und sehen, wie attraktiv Gemeindearbeit sein kann, wie sehr es das eigene Leben bereichert, wenn man sich um die vielen Fragen kümmert, die in einer Gemeinde oft einer pragmatischen Antwort harren. Wir »Alten« könnten von den »Jungen« etwas lernen, und umgekehrt bestimmt auch. Die Gemeindearbeit würde zu einem selbstverständlicheren Teil des Lebens vieler Jüdinnen und Juden in Deutschland.

Warum ist das wichtig? Warum akzeptieren wir nicht einfach die Entwicklung hin zu einigen gut funktionierenden Großgemeinden und immer weniger gut funktionierenden Kleingemeinden? Eine Antwort ist: weil jüdisches Leben überall stattfinden sollte. Eine Antwort, die mir persönlich wichtig ist, lautet: Weil es eine historische Verantwortung gibt, denn nach 1945 sind viele Menschen, die die Schoa überlebt haben, in Deutschland geblieben und haben wieder jüdisches Leben aufgebaut, möglich gemacht, gelebt.

Es ist an uns Nachgeborenen, deren Werk zu erhalten, fortzuführen und zu stärken. Wenn wir es mit dem Verstand und mit dem Herzen machen, wird es gelingen.

Die Autorin ist Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen.

Bundeswehr

»Wir sind Partner auf Augenhöhe«

Am 21. Juni 2021 begann die jüdische Militärseelsorge bei der Bundeswehr. Militärbundesrabbiner Zsolt Balla zieht nach fünf Jahren eine positive Zwischenbilanz

 18.06.2026

Magdeburg

Juden in Sachsen-Anhalt: Lebendige Gemeinden und Antisemitismus

Nach dem antisemitischen Anschlag vom 9. Oktober 2019 in Halle (Saale) hat Sachsen-Anhalt 2020 ein Landesprogramm für jüdisches Leben beschlossen, um die jüdische Gemeinschaft zu fördern und zu schützen

 17.06.2026

Frankfurt am Main

Jüdische Gemeinde zeichnet Jugendengagement mit Beni-Bloch-Preis aus

»Wir ehren unser langjähriges Vorstandsmitglied Benjamin Bloch sel.A. und erinnern damit an seinen Einsatz für die jüdische Gemeinschaft«, sagt der Vorstandvorsitzende der Gemeinde, Benjamin Graumann

 01.06.2026

Fest

Magdeburger Synagogen-Gemeinde hat neue Torarolle eingeweiht

Mit dem Fest der Toravollendung konnte die neue Torarolle der Magdeburger Synagogen-Gemeinde eingeweiht werden. Traditionell wurden die 5 Bücher Mose von einem Sofer genannten Schreiber in Israel angefertigt

von Thomas Nawrath  20.05.2026

Berlin

»Ein leuchtendes Beispiel«

Jüdische Gemeinde Chabad zeichnet die First Lady Elke Büdenbender für ihr Engagement zur Stärkung jüdisches Lebens in Deutschland aus

 20.05.2026

Chemnitz

Ausstellung zum Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz

»Jetzt erst recht!«: Eine Ausstellung im Staatlichen Museum für Archäologie erinnert an den mutigen Neuanfang der jüdischen Gemeinde Chemnitz 1945

 18.05.2026

Baden-Württemberg

»Voices of Hope« - Stuttgart ist Bühne für Jewrovision

Die Veranstalter sprechen vom größten jüdischen Gesangs- und Tanzwettbewerb Europas: Am Freitag startet die Jewrovision in Stuttgart. Vorbild ist der ESC, der parallel in Wien stattfindet - jedoch mit anderen Tönen

von Leticia Witte  12.05.2026

Anschlag

Hakenkreuz an Synagoge in Cottbus

Innerhalb weniger Tage ist die Cottbuser Synagoge zweimal von Unbekannten beschmiert worden. In der Nacht zum Montag wurde an der Fassade ein Hakenkreuz entdeckt. Zeitgleich wurde ein alternatives Wohnprojekt mit einer Rauchbombe attackiert

 27.04.2026

Berlin

Berliner Rabbinerin wird Präsidentin der Rabbinical Assembly

Mit Gesa Ederberg übernimmt erstmals eine Europäerin das Spitzenamt der internationalen Organisation

 18.03.2026