München

Ungesühnte Verbrechen

Aus dem neuen »Tatort«: Daniel Grossmann (M.), Dirigent des Orchesters Jakobsplatz Foto: OJM

Für den 14. Schweizer Tatort, der in Luzern spielt, bedurfte es eines jungen Musikerensembles. Es sollte ein argentinisches »Jewish Chamber Orchestra« verkörpern, das bei einem Benefiz-Konzert Werke während der NS-Zeit verfolgter und ermordeter Komponisten spielt.

Im Internet stieß man auf das »Orchester Jakobsplatz München«, das sich im Herbst tatsächlich in »Jewish Chamber Orchestra Munich« umbenennen wird und das sich mit der Pflege der Musik verfolgter Komponisten einen Namen gemacht hat. Der Dirigent Daniel Grossmann, der als leidenschaftlicher Filmfan in den vergangenen Jahren mehrere Stummfilme orchestral begleitete, war begeistert.

Besonderheit Wie er bei einer Preview des nächsten Tatorts Die Musik stirbt zuletzt in der Hochschule für Fernsehen und Film in München verriet, hat dieses Werk eine Besonderheit: Er ist in einer einzigen Kameraeinstellung gedreht, das heißt, Kameramann Filip Zumbrunn folgte den Darstellern durch das Kongresszentrum von der Lobby über den Festsaal und die Garderobe bis in den Sanitärbereich, ohne je die Aufnahme zu unterbrechen.

Mit dabei waren bei dieser Vorbesichtigung die Schauspieler Gottfried Breitfuß, der den Dirigenten verkörperte, und Sibylle Canonica, die zum Ensemble des Münchner Residenztheaters gehört. Sie spielt die erste Ehefrau des Schweizer Magnaten und Mäzens Walter Loving, der sich für seine Wohltätigkeit feiern, aber immer drängender auch fragen lassen muss, woher sein Reichtum stammt.

Canonica und Grossmann erläuterten, was die Idee des Regisseurs Dani Levy für alle Beteiligten bedeutete. Die Schauspieler probten intensiv vier Wochen, das Orchester zunächst für sich allein. Dann blieben ihnen acht, neun Tage gemeinsamer Arbeit. Der Film musste in 88 Minuten und 30 Sekunden im Kasten sein. Es sei wie auf der Theaterbühne gewesen, erinnert sich die Schauspielerin: »Man arbeitet in Echtzeit, jeder muss seinen Einsatz genau kennen.« Einen Schnitt und einen Neuanfang einer Szene konnte es nicht geben.

Todesdrohung Levy erzählt in seinem zweiten Tatort, wie sich bei einem Galaabend die Wege des vermeintlichen Judenretters Walter Loving und der Geschwister Goldstein, des Klarinettisten Viktor und der Pianistin Miriam, die noch vor Konzertbeginn eine Todesdrohung erhält, kreuzen.

Dirigent Daniel Grossmann studierte die Konzertstücke von Erwin Schulhoff, Viktor Ullmann und Gideon Klein ein, zog sich dann aber als »Musiker« ins Ensemble zurück und überließ den Taktstock Gottfried Breitfuß, der nach eigenen Worten damit »durch die Luft fuchtelte«.

Zur Einstimmung für die Statisten im Konzertsaal hatte Grossmann vor jedem der vier Komplettdurchläufe Klaus Doldingers originalen Tatort-Vorspann in einer Orchesterfassung dirigiert. Die gab es auch bei der Preview.

Am Sonntag, 5. August, 20.15 Uhr, läuft dann der übliche Vorspann, wenn es um »alte Schuld« und »neue Scham« geht. Oder besser gesagt: alte Rechnungen und unbeirrte Rechtfertigungen.

»Tatort: Die Musik stirbt zuletzt«. ARD, Sonntag, 5. August, 20.15 Uhr

Düsseldorf

Josef-Neuberger-Medaille für Grünen-Ministerin Mona Neubaur

Mit der Josef-Neuberger-Medaille ehrt die Jüdische Gemeinde Düsseldorf seit über 30 Jahren Menschen oder Institutionen der nichtjüdischen Öffentlichkeit

 14.09.2026

Rosch Haschana

Neujahrswünsche von Friedrich Merz und Johann Wadephul

Zum jüdischen Neujahrsfest schicken der Bundeskanzler und der Bundesaußenminister Grußbotschaften an die jüdischen Gemeinden

 10.09.2026

Berlin

Wahlkampfdebatte im Gemeindehaus

Die Jüdische Gemeinde lud anlässlich der bevorstehenden Wahl die Spitzenkandidaten von CDU, Linken, Grünen und SPD zum Podiumsgespräch. Am Ende wurde mal wieder über Antisemitismusdefinitionen gestritten

von Debora Eller  10.09.2026

Viktoria Ladyshenski

Schleswig-Holstein

»Wir packen unsere Koffer«

Viktoria Ladyshenski, Geschäftsführerin der Jüdischen Gemeinschaft Schleswig-Holstein, warnt, dass die Gefahr durch linken und islamistischen Antisemitismus in Deutschland nicht ernst genug genommen wird

 08.09.2026

Sachsen-Anhalt

Landeszentrale unterstützt Fahrten von Schülern zu jüdischen Gemeinden

Seit Jahren können Schulklassen für Fahrten zu Gedenkstätten Zuschüsse beim Land Sachsen-Anhalt beantragen. Künftig soll auch jüdisches Leben sichtbar gemacht werden, weshalb das Land die Förderung ausweitet

 31.08.2026

Ehrung

Rabbiner Andreas Nachama erhält Berliner Moses-Mendelssohn-Preis         

Er gilt als eine zentrale Figur des jüdischen Lebens in Deutschland: der Rabbiner und Publizist Andreas Nachama. Nun erhält er eine besondere Auszeichnung

von Daniel Zander  31.08.2026

Memoiren

Und dennoch!

2012 erschienen die Lebenserinnerungen der Schoa-Überlebenden Charlotte Knobloch. Titel: »In Deutschland angekommen«. Heute sagt sie: »Ich habe mich getäuscht.« Jetzt legt deshalb ein weiteres Buch vor

von Christoph Renzikowski  21.08.2026

Straßenfest

Chabad Berlin feiert 30. Jubiläum

Drei Jahrzehnte jüdisches Leben: Mit einem Straßenfest möchte eine jüdische Gemeinde in Berlin nicht nur die eigene Geschichte feiern. Es soll auch ein Blick in die Zukunft geworfen werden

 20.08.2026

Frankfurt am Main

Motty Steinmetz stimmt auf die Hohen Feiertage ein

Es dürfte es ein Abend werden, bei dem Musik und Spiritualität besonders eng miteinander verbunden sind

 20.08.2026