Nachruf

Trauer um Johanna Angermeier

Johanna Angermeier sel. A. mit Kater Felix Foto: Marina Maisel

Vor zwei Jahren feierte die Israelitische Kultusgemeinde das 50-jährige Dienstjubiläum von Johanna Angermeier im Gemeindezentrum am Jakobsplatz. In der vergangenen Woche nahmen ihre Freunde und Bekannten an gleicher Stelle Abschied von ihr. Die »Hüterin« des Alten Israelitischen Friedhofs in der Thalkirchner Straße starb im Alter von 78 Jahren.

IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch nannte Johanna Angermeier einmal »eine Institution« und meinte damit die mehr als fünf Jahrzehnte lange Dienstzeit als Verwalterin des 200 Jahre alten Friedhofs im Süden Münchens, aber auch die vorbildliche Weise, in der sie die wichtige Aufgabe wahrgenommen habe. »Die Pflege der jüdischen Friedhofskultur«, sagt die IKG-Präsidentin, »ist auch für die Historie der Gemeinde ein wichtiger Teil. Immerhin spiegelt sich im Alten Israelitischen Friedhof auch ein Stück der Geschichte Münchens wider.«

Kontakt
Die Trauerrede im Gemeindezentrum hielt Ellen Presser, die Leiterin der IKG-Kulturabteilung. Sie unterhielt seit vielen Jahren einen engen Kontakt zu Johanna Angermeier, hatte oft mit ihr beruflich zu tun, freute sich aber noch mehr, wenn »die Seele des Alten Friedhofs« auch ohne bestimmten Anlass zu einer Tasse Kaffee bei ihr im Büro vorbeischaute.

Johanna Angermeier kannte jeden Winkel des Friedhofs, jede der fünfeinhalbtausend Grabstätten, jeden Namen auf den Grabsteinen, jede damit verbundene Familiengeschichte. Ellen Presser beschrieb die Nähe der Verstorbenen zu ihrem Beruf und dem Alten Israelitischen Friedhof in der Trauerrede sehr anschaulich: »Wenn Johanna Angermeier an den Gräbern vorbeiging, häufig begleitet von ihrem Kater Felix, war es, als ob sie alte, vertraute Bekannte besuchte.«

Bäume Auf dem Friedhof unterwegs war Johanna Angermeier nahezu jeden Tag. Die Standfestigkeit von Grabsteinen und Bäumen galt es zu kontrollieren, die Arbeitsabläufe zu organisieren, Gräber zu pflegen, Briefwechsel mit Angehörigen in aller Welt zu führen und und und. »Ihr ging es auch darum, den Charakter des Waldfriedhofs zu erhalten«, blickt Ellen Presser zurück.

Zum Abschied von Johanna Angermeier ertönte bei der Trauerfeier im Gemeindezentrum das Lied »Don’t Think Twice«, gesungen von der amerikanischen Folk-Legende Joan Baez. Es war der Wunsch von Tochter Angela. Sie und ihre Mutter hatten vor vielen Jahren gemeinsam ein Konzert der Sängerin besucht und den Tag nie vergessen.

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