Feier

Töchter der Pflicht

Feierlich: sieben Batmizwas und Charlotte Knobloch Foto: Marina Maisel

Ein »Mi Scheberach«, einen besonderen Segen, bekamen am vergangenen Schabbat sieben junge Mädchen in der Ohel-Jakob-Synagoge. Dies war gleichzeitig der festliche Höhepunkt ihrer Batmizwa, bei der sie auch ihre hebräischen Namen erhielten. Bereits am Vortag wurde gefeiert – mit Geschenken, einer Party, einem festlichen Abendessen und mit dem Vortrag der Mädchen über die Bedeutung ihrer neuen Namen.

Was jede einzelne der Batmizwas damit verbindet, erklärten sie der Gemeinde nach dem gemeinsamen Abendgebet in der Synagoge. Nachdem das Maariv mit dem Adon Olam beendet war, traten die Mädchen nach einer Einführung von Rabbiner Arie Folger vor den Toraschrein.

bedeutung Katarina hatte den Namen Fradel, abgeleitet von Freude, gewählt. Das solle ihr helfen, positiv und ausgeglichen zu bleiben. Marina hatte sich für Miriam entschieden – ein Vorbild, um auch selbst ihr Leben aktiv zu gestalten. Stellas Idol war die Prophetin und erste Richterin Deborah mit ihrer Frömmigkeit und Weisheit. Alica will sich an den Eigenschaften Treue und Sensibilität der Stammmutter Leah orientieren. Fidan hat sich für den Namen Yael entschieden. So wie die Heldin aus der Richterzeit hofft sie, »dass auch ich in meinem Leben den Mut finden werde, um richtig zu handeln, auch wenn es mir schwerfällt«.

Anna wählte den Namen Channah. Dieser kommt von »Chen Ha-Schem« und bedeutet Gottes Gnade, erklärte sie: »Von der biblischen Channah würde ich gerne zwei besondere Eigenschaften übernehmen: Frömmigkeit und tiefen Glauben an G’tt.« Der hebräische Name von Alice wird in Zukunft Ziwa sein. Das bedeutet Strahlen – und so möchte sie »zu einer strahlenden jungen Frau heranwachsen. Meine Eltern, Großeltern und die ganze Gemeinde sollen von mir viel jüdische Naches haben.«

vorbereitung Stellvertretend für alle Mädchen aus dem Batmizwa-Club bedankte sie sich bei Judith Epstein und Chani Diskin von Chabad Lubawitsch. Letztere bereitet schon seit gut zehn Jahren junge Mädchen auf ihre Batmizwa vor. Im Batmizwa-Club im Chabad-Haus haben sich schon viele junge Mädchen sehr wohlgefühlt – beim Lernen über Religion ebenso wie beim Backen von Challot, dem Vorbereiten des Schabbat-Essens oder bei allgemeinen Diskussionen. Die Batmizwa-Feier fand anschließend stets im familiären Kreis statt.

Gemeinsame Feiern wie in der vergangenen Woche initiierte dann Judith Epstein. Sie gründete einen Batmizwa-Club für die Mädchen aus russischsprachigen Familien, die häufig nicht die Möglichkeit zu großen Feiern hatten. So entstand ein zweiter Batmizwa-Club, in dem Chani Diskin, die auch als Religionslehrerin in der IKG tätig ist, das religiöse Wissen vermittelt und Judith Epstein sich um die weltlichen Dinge wie eine feierliche Gestaltung des Festes kümmert.

Appell Wie wichtig beides ist, wurde aus den Worten von Präsidentin Charlotte Knobloch als Schirmherrin bei der Party im Gemeinderestaurant Einstein deutlich. Mit einem herzlichen »Mazal Tov« begrüßte sie die jungen Mädchen und ihre Familien. Sie teilte ihre Freude mit allen – und sprach dann von einem Mädchen, das mit zwölf Jahren nicht nur keine Batmizwa feiern durfte. Es saß mit Menschen, von denen ihr nur eine Frau vertraut war, auf einem Bauernhof vor dem Radio und hörte Kriegsnachrichten über Stalingrad. Niemand durfte wissen, dass sie Jüdin ist.

Die Gäste im Einstein wussten, dass es bei dem Mädchen um Charlotte Knobloch selbst ging. So ging auch ihr Appell an die Herzen, »dass wir alle alles dafür tun müssen, dass so etwas, wie ich es erlebt habe, nie wieder passiert. Dass keinem von uns so etwas widerfahren muss!« Dass die Freude im Leben für immer bleibt, das wünschte sie allen.

Sie dankte auch Judith Epstein und Chani Diskin. Für Epstein sei es wichtig, die Menschen in die Gemeinde einzuführen und einzubinden. Mit dem Batmizwa-Club finden Mädchen Zugang zum religiösen Leben. Diskin setze dieses Ziel in die Tat um – als großartige Lehrerin und »mit ihrem tiefen Glauben zeigt sie ihnen den Weg in die Zukunft«. Zu den Batmizwas gewandt sprach Charlotte Knobloch von ihrer positiven Überraschung, als sie gesehen habe, wie viel sie gelernt hatten. Sie versicherte ihnen, stets eine offene Tür für sie zu haben. »Die Zukunft unserer Gemeinde hängt davon ab, ob es uns gelingt, auch junge Menschen und nachfolgende Generationen fest in unserem Glauben und in unserer Tradition zu verwurzeln«, unterstrich sie.

Gutscheine Klar, dass zum Fest auch Geschenke gehören. Charlotte Knobloch bat die Mädchen zu sich auf das Podium und überreichte ihnen Gutscheine, mit denen sie sich Wünsche erfüllen können. Diesen Weg hatte auch Judith Epstein gewählt. Bevor sie den Mädchen mit einem Geschenk gratulierte, erinnerte sie an die Zeit des Lernens im Batmizwa-Club: »Als Höhepunkt habt ihr jüdische Namen gewählt, Namen, die im Judentum einen ganz besonderen Stellenwert einnehmen.«

Den Abend hatte die Sponsorin ihrer Mutter Rosa Kaner sel. A. gewidmet. Mit den Familien der sieben Mädchen und vielen Gästen aus dem IKG-Vorstand wurde bei Live-Musik von Igor Bruskin, Leonid Khenkin und Boris Kupin gefeiert.

Applaus zollten alle dem Aufritt von Bobby Epstein und Chorleiter Yoed Sorek. Ein weiterer Höhepunkt war das Zünden der Schabbatkerzen, bevor dann alle gemeinsam in die Synagoge zum Abendgebet gingen.

Hannover

Tausende spenden für Familie

Im Internet wird für Witwe und Kinder von Rabbiner Wolff sel. A. gesammelt – über eine Million Euro sind schon eingegangen

von Michael Thaidigsmann  30.04.2020 Aktualisiert

Jahrestag

In kleinem Rahmen

Zum 75. Jubiläum sollte es große Feiern geben, doch wegen Corona wurde es ein stilles Gedenken

von Eugen El  23.04.2020

Fraenkelufer

Mufleta mit Schwarzwälder Kirsch

Zum Mimounafest treffen sich die Beter virtuell statt in der Synagoge – und backen zusammen

von Ralf Balke  23.04.2020

München

Alle Hände voll zu tun

Steven Guttmann tritt sein Amt als IKG-Geschäftsführer in schwieriger Zeit an. Ein Porträt

von Helmut Reister  23.04.2020

Dortmund

Jüdische Grundschule geplant

Stadtverwaltung hat Projekt bereits gebilligt – schon kommendes Jahr könnte Einrichtung für 180 Kinder öffnen

von Michael Thaidigsmann  22.04.2020

Deutschland

Mit Schutzmaske zum Gebet

Um bald wieder Gottesdienste zu ermöglichen, hat der Zentralrat der Juden nun Empfehlungen zur Hygiene in Synagogen herausgegeben

von Michael Thaidigsmann  22.04.2020

Erfurt

Digitales Gedenken

Vor 20 Jahren verübten Neonazis einen Brandanschlag auf die Synagoge

 21.04.2020 Aktualisiert

Frankfurt

Pessach-Menü frei Haus

Das koschere Restaurant »Sohar’s« beliefert Gemeindemitglieder

von Eugen El  07.04.2020

Kompakt

Wiederwahl, Festjahr, Geschäftsführerin

Meldungen aus den Gemeinden

 02.04.2020