Frankfurt

Spenden und Varieté

Schon im Vorfeld waren 99 Patenschaften übernommen worden, 645 kamen im Laufe des Abends im Hilton Hotel zusammen. Foto: Rafael Herlich

Ein spätsommerlich-warmer Samstagabend: Zum Auftakt der 20. Patenschaftsgala der WIZO-Gruppe Frankfurt gab es im Foyer des Hilton-Hotels Gelegenheit zu Gesprächen bei Sekt und kleinen Snacks. Gastgeberin Simone Graumann, Präsidentin von WIZO Deutschland, konnte zur diesjährigen Gala 250 Gäste begrüßen.

Unter den Ehrengästen waren Ex-Bundespräsident Christian Wulff und seine Frau Bettina sowie Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman. Aus Herzlija war Saya Malkin, Chairperson des dortigen Theodor-Heuss-Familientherapiezentrums, angereist. Ein Stammgast ist der Frankfurter Bürgermeister und Stadtkämmerer Uwe Becker. Auch James W. Herman III, amerikanischer Generalkonsul in Frankfurt, erschien zur Gala.
Prominente Frankfurter wie Dieter Graumann, Salomon Korn, Michel Friedman und Bärbel Schäfer folgten ebenfalls der Einladung der WIZO-Frauen.

Gegen 20 Uhr eröffnete das Moderatorenduo Andrea Kiewel und Ralph Morgenstern das Gala-Programm im gut gefüllten Saal. Sogleich konnte Morgenstern einen Rekord verkünden: Schon im Vorfeld waren 99 Patenschaften übernommen worden. Es sollte nicht der letzte Höchstwert des Abends bleiben. Jede Patenschaft im Wert von 500 Euro ermöglicht es einem Kind, unabhängig von Ethnie und Religion, ein Jahr lang in einer der 180 WIZO-Kindertagesstätten in Israel betreut zu werden. Für »Bravo«-Rufe sorgte Andrea Kiewel mit ihrem Bekenntnis: »WIZO – das sind die tollsten Frauen der Welt!«

Schutzraum In ihrem Grußwort lobte Simone Graumann das Frankfurter WIZO-Team und stellte den im Dezember 2015 neu gewählten Vorstand vor. Warme Worte fand sie auch für ihren Mann Dieter, mit dem sie an diesem Abend den 38. Hochzeitstag beging: »Du bist der beste Ehemann, den man sich wünschen kann!«

Ein wichtiges Anliegen für die WIZO-Frauen ist die Nachrüstung der israelischen Kindertagesstätten mit Sicherheitsräumen. Simone Graumann berichtete von einer Rakete aus dem Gazastreifen, die im Juli 2016 ein WIZO-Zentrum in Sderot traf. »Die Israelis lassen es sich nicht verbieten, ihr Leben zu leben. Dafür haben sie meine allergrößte Bewunderung«, sagte Graumann.

Ex-Bundespräsident Christian Wulff setzte mit seiner Rede einen nachdenklichen Akzent. So stellte er ein »ziemlich angespanntes Klima« sowie eine »spürbare Radikalisierung« in Deutschland fest. Er betonte die Bedeutung des Grundgesetzes und die Verantwortung der Bürger für ihr Land. »Ich wünsche mir mehr als Toleranz: ein Miteinander der Religionen in Deutschland und der Welt.« Die Projekte der WIZO bezeichnete Wulff als »ein Stück Friedensarbeit in einer Welt, die Frieden so nötig hat«.

Botschafter Yakov Hadas-Handelsman, Schirmherr der diesjährigen Patenschaftsgala, erzählte von seinem »WIZO-Marathon« kurz vor den Hohen Feiertagen. Am nächsten Tag sollte er auch die WIZO-Gala in Berlin besuchen. »Alle Juden – und ich sage, alle Menschen – sind füreinander verantwortlich«, so Hadas-Handelsman. Der Botschafter erwähnte auch die Hilfe, die Israel bei der Behandlung verletzter syrischer Kinder leistet. Seine Ansprache schloss Yakov Hadas-Handelsman mit Neujahrs- und Festtagswünschen.

Show Nun war es Zeit für den Show-Teil des Abends, den Rita Gueli eröffnete. 2013 war die gebürtige Berlinerin Finalistin der Fernsehshow The Voice Kids. Gueli trug vier Songs auf Englisch, Italienisch und Hebräisch vor und brachte das Publikum zum Mitklatschen. Gegen 22 Uhr konnte man schon 317 Patenschaften verzeichnen. Vom letztjährigen Wert, 575 Patenschaften, war man aber noch entfernt. Auf die Bühne kam nun die Band »Vintage Vegas«. Die drei elegant gekleideten jungen Herren sorgten mit einer Revue aus Pop-Hits und Swingklassikern für eine nostalgisch-beschwingte Note. Zum Schluss stand das Publikum auf, klatschte, tanzte und sang mit. »In der Tat habe ich Frankfurt noch nie so abrocken sehen«, freute sich Co-Moderator Ralph Morgenstern.

Schon war es Mitternacht, und Johnny Klinke, Direktor des Varietétheaters »Tigerpalast«, hielt eine kämpferische Rede. Er erinnerte daran, dass Frankfurt die internationalste Stadt Europas sei, und warnte vor wachsendem Rechtspopulismus. »In dieser Stadt werden wir es nicht zulassen, dass der Antisemitismus zunimmt«, sagte Klinke und erntete viel Applaus. Für angehaltenen Atem sorgten anschließend die »Tigerpalast«-Artisten mit ihren virtuosen akrobatischen Darbietungen.

Die WIZO-Gala neigte sich ihrem Ende zu. Simone Graumann konnte einen neuen Rekord verkünden: 645 Patenschaften kamen diesmal zusammen. Einen motivierenden Ausblick lieferte Graumann gleich mit: »Das müssen wir nächstes Jahr toppen!«

Münster

Jüdische Gemeinde wehrt sich gegen israelfeindliche Kundgebung

Gemeindechef Fehr: »Die Antizionisten wollen israelfeindliche Stereotype im öffentlichen Bewusstsein festigen«

 24.07.2020

Gespräch

Bedrohung und Staatsversagen

Der zweite »Jüdische Salon« des Zentralrats der Juden widmet sich Ronen Steinke und seinem neuen Buch

 02.07.2020

Würzburg

Gepäckstücke erinnern

Auf dem Bahnhofsvorplatz wurde der »DenkOrt Deportationen 1941–1944« eingeweiht

von Stefan W. Römmelt  18.06.2020

Gemeinden

Aktiv und engagiert

Die Zentralwohlfahrtsstelle veröffentlicht ihre Statistik für 2019 – die Zahlen geben wichtige Hinweise

von Heide Sobotka  18.06.2020

Nachruf

Zeitzeuge, Wissenschaftler, Gabbai

Der Medizinhistoriker Gerhard Baader starb im Alter von 91 Jahren in Berlin

von Christine Schmitt  16.06.2020

Hannover

Tausende spenden für Familie

Im Internet wird für Witwe und Kinder von Rabbiner Wolff sel. A. gesammelt – über eine Million Euro sind schon eingegangen

von Michael Thaidigsmann  30.04.2020 Aktualisiert

Jahrestag

In kleinem Rahmen

Zum 75. Jubiläum sollte es große Feiern geben, doch wegen Corona wurde es ein stilles Gedenken

von Eugen El  23.04.2020

Fraenkelufer

Mufleta mit Schwarzwälder Kirsch

Zum Mimounafest treffen sich die Beter virtuell statt in der Synagoge – und backen zusammen

von Ralf Balke  23.04.2020

München

Alle Hände voll zu tun

Steven Guttmann tritt sein Amt als IKG-Geschäftsführer in schwieriger Zeit an. Ein Porträt

von Helmut Reister  23.04.2020