15. Jewrovision

Söhne und Töchter Mannheims

»Le Dor wa Dor« – Von Generation zu Generation lautet das Motto der Jewrovision. Foto: PR

Es muss kurz vor ein Uhr nachts am 22. Februar gewesen sein, als das Jugendzentrum Or Chadasch aus Mannheim wusste: Sie haben die Jewrovision 2015 gewonnen. Vier Monate später, Mitte Juni, posteten die Jugendlichen auf ihrer Facebook-Seite, was sie sich insgeheim vielleicht schon in jener Februarnacht gewünscht hatten: 2016 wird der Gesangswettbewerb nicht etwa in einer großen Metropole wie Berlin oder Hamburg stattfinden, sondern im beschaulichen Mannheim – der Musikstadt schlechthin. Immerhin ist dort nicht nur die Popakademie zu Hause, sondern auch Musiker, die den Sound Deutschlands mitgeprägt haben.

Proben Am 6. Februar wird also der Nachwuchs auf die Bühne treten – zur 15. Jewrovision. 18 Jugendzentren kämpfen dann im Congress Center Rosengarten unter dem Motto »Next Generation – Le Dor wa Dor« um den ersten Platz. Bis dahin allerdings laufen die Planungen, die Tanz- und Gesangsproben in den großen JuZes wie Köln, Frankfurt oder Düsseldorf genauso auf Hochtouren wie in etwas kleineren Jugendzentren in Halle oder Osnabrück.

Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, schaut dem Event mit Spannung entgegen: »Wir, die Jugendzentren und alle Gemeinden freuen sich darauf, in Baden zu Gast zu sein.«

Zumal es in diesem Jahr etwas Neues gibt, nämlich die »Jewrovision Alumni«. Junge Erwachsene im Alter von 18 bis 35 Jahren haben die Möglichkeit, an der Jewrovision teilzunehmen, erzählt Botmann. »Zwar nicht auf der Bühne, aber sie können beim Mini-Machane am Wochenende dabei sein.« Denn die Mittdreißiger, die bereits vor 15 Jahren an dem Wettbewerb teilgenommen haben, »sollen die Möglichkeit bekommen, zu sehen, was aus ›ihrer‹ Jewrovision geworden ist«, sagt Botmann.

Songs Zu sehen wird es eine Menge geben: ein Video von jedem Jugendzentrum und natürlich den Auftritt an sich. Und dafür üben die Jugendlichen aus dem Jugendzentrum Or Chadasch schon kräftig. Gerade am vergangenen Wochenende ist das Bootcamp zur Jewrovision zu Ende gegangen, erzählt Susanne Benizri, die Referentin für Erziehung in der IRG-Baden. 80 Kinder- und Jugendliche waren dabei – mehr soll aber noch nicht verraten werden. Denn die Choreografie, der Song und die Show sind für jedes Jugendzentrum ein gut gehütetes Geheimnis.

Mal davon abgesehen, sind die Jugendlichen aus Baden hochmotiviert, sagt Benizri: »Wir freuen uns unheimlich auf die Jewrovision.« Und zu Hause aufzutreten sei nochmal »eine ganz andere Motivation« als bei den Wettbewerben zuvor. In welche Richtung es musikalisch gehen soll, will sie ebenfalls nicht verraten.

Der Anspruch an den eigenen professionellen Auftritt wird jedoch bei allen Jugendzentren wieder hoch sein. »Die Show ist mittlerweile auf einem professionellen Niveau«, sagt Daniel Botmann. »Im vergangenen Jahr hatten wir zum ersten Mal einen separaten Backstage-Bereich für jedes Jugendzentrum, wo sich die jungen Künstler auf ihren Auftritt vorbereiten konnten. In diesem Jahr werden wir den Jugendzentren noch mehr Service bieten.« Und auch die rund 1200 Teilnehmer aus 60 Gemeinden werden bestimmt davon profitieren können.

Gottesdienst Von Generation zu Generation – das heißt bei der Jewrovision 2016 nicht nur Erfahrungen weitergeben, sondern vor allem Gemeinsames zu erleben. Beim Mini-Machane werde es »für die verschiedenen Altersgruppen auch unterschiedliche Aktivitäten« geben, verspricht Botmann. »Die großen gemeinsamen Veranstaltungen wie die Gottesdienste, das gemeinsame Essen, die Show am Samstagabend, die werden alle zusammen erleben.« Denn »wer 2015 in Köln dabei war, der weiß, wie inspirierend ein Gottesdienst mit über 1000 jungen Menschen sein kann.« Dazu hat sicherlich auch das »überwältigende« Feedback aus dem vergangenen Jahr beigetragen. »Die Teilnehmer waren sehr zufrieden.«

Die Jury war es auch. So sehr, dass die Schauspielerin Rebecca Siemoneit-Barum wieder mit dabei ist. Im vergangenen Jahr hat es ihr »unheimlich viel Spaß gemacht, und es war eine schöne Erfahrung«, sagte sie der Jüdischen Allgemeinen. »Bei allem Höher, Schneller, Weiter erhoffe ich mir in diesem Jahr aber auch noch Raum für kecke Ideen und Individualität«, betont die Schauspielerin. Wer neben Rebecca Siemoneit-Barum und dem Schauspieler Shai Hoffmann in der Jury sitzen wird, sagt Botmann, »werden wir in den nächsten Wochen verraten. Es lohnt sich, regelmäßig einen Blick auf unsere Jewrovision-Facebook-Seite zu werfen«.

Er wünscht den Teilnehmern vor allem »ein tolles Wochenende, an dem der jüdische Spirit im Vordergrund steht und an dem sie gemeinsam ihr Judentum erleben können. Ich freue mich schon auf eine fulminante Show. Mögen die Besten gewinnen.« Das sieht auch Susanne Benizri so: »Wir wünschen uns eine gute Show.«

In den kommenden Wochen werden wir regelmäßig über die Vorbereitungen zur Jewrovision berichten.

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