Berlin

»Sein Gesang wird bleiben«

Rabbiner Yitshak Ehrenberg würdigte den Verstorbenen, dem er selbst freundschaftlich verbunden war, mit den Worten: »Er war ein Mensch, eine lebendige Tora, ein Vorbild.« Foto: Rolf Walter

Die Trauerhalle war zu klein, um all die Menschen zu fassen, die am vergangenen Freitag zum jüdischen Friedhof Heerstraße gekommen waren, um Laszlo Pasztor die letzte Ehre zu erweisen. Der langjährige Kantor der Jüdischen Gemeinde zu Berlin war in der vorvergangenen Woche kurz vor seinem 84. Geburtstag gestorben.

Bis nach draußen standen Gemeindemitglieder und Beter nahezu aller Berliner Synagogen, um sich vom früheren Kantor der Synagoge Pestalozzistraße zu verabschieden, unter ihnen zahlreiche Rabbiner und Gabbaim sowie der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe.

Auf die große Anteilnahme aus der Gemeinde nahm auch Rabbiner Yitshak Ehrenberg in seiner Trauerrede Bezug. »Dass heute so viele Menschen gekommen sind, sagt alles«, betonte Rabbiner Ehrenberg. »Wenn wir wissen wollen, was Gott über Laszlo denkt, dann müssen wir die Menschen fragen.«

vorbild Und die Menschen, mit denen er gesprochen habe, hätten ihm vor allem immer wieder von Laszlo Pasztors großer Herzenswärme, seiner Geduld und seiner besonderen Fähigkeit berichtet, immer nur das Gute in anderen zu sehen. Nie habe Laszlo Pasztor auch nur ein schlechtes Wort über andere verloren. »Wenn wir heute Abschied nehmen von Laszlo Pasztor, dann können wir sagen: Er war ein Mensch, eine lebendige Tora, ein Vorbild.«

Mit seiner wunderbaren, unverwechselbaren Stimme und seinem Gesang habe Pasztor nicht nur Menschen Vergnügen bereitet, sondern auch Gott, der ihn mit dieser Gabe gesegnet habe, sagte Ehrenberg weiter. »Sein Gesang wird bleiben.«

Der Rabbiner erinnerte auch an die liebevolle Unterstützung durch Pasztors erste Ehefrau Eva, neben der er an diesem Tag auch beerdigt wurde, und wandte sich mit warmen, tröstenden Worten an die Witwe sowie die beiden Kinder aus erster Ehe.

melodie Bevor Kantor Simon Zkorenblut die traditionellen Gebete rezitierte und Pasztors Sohn Daniel später am Grab das Kaddisch sprach, gedachte auch Andras Kain, früher Gabbai in der Synagoge Pestalozzistraße, Laszlo Pasztors – mit dem ihn die gemeinsame ungarische Muttersprache verband. Pasztor sei bei allen beliebt gewesen, sagte Kain.

Die Würdigung zeigte sich auch später beim abendlichen Schabbatgottesdienst, als Kantor Simon Zkorenblut in der Synagoge Pestalozzistraße eine für seinen Kollegen Laszlo Pasztor typische Melodie sang – ihm zu Ehren.

Sukkot

Gäste willkommen

Fast jede Berliner Synagoge hat ihre eigene Hütte – die älteste ist 100 Jahre alt

von Christine Schmitt  11.10.2019

Porträt der Woche

Auf Kleopatras Spuren

Dora Goldsmith ist Ägyptologin und stellt Düfte nach antiken Vorbildern her

von Jérôme Lombard  11.10.2019

Porträt der Woche

»Ich bin angekommen«

Akiva Weingarten kommt aus einer chassidischen Familie und ist jetzt liberaler Rabbiner

von Jérôme Lombard  28.09.2019

32. Jüdische Kulturtage

Von Moskau nach Berlin

Künstler aus Israel, Russland, Deutschland und den USA geben Einblicke in die Vielfalt jüdischen Lebens

von Katharina Schmidt-Hirschfelder  26.09.2019

Hass-Rapper

Kritik an Berliner Behörden

Gemeindevorsitzender beklagt »fehlende Sensibilität« im Umgang mit antisemitischen Veranstaltungen

 26.09.2019

Berlin

Zeichen setzen mit Blau-Weiß

Start für neue Kampagne gegen Antisemitismus

von Jérôme Lombard  26.09.2019