Dresden

Rabbiner gesucht

Landesrabbiner Alexander Nachama Foto: Tobias Barniske

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Rabbiner gesucht

Alexander Nachama wird die Gemeinde verlassen – wer kommt nach ihm?

von Karin Vogelsberg  27.08.2018 19:05 Uhr

Er war nach der Schoa der erste Rabbiner der sächsischen Landeshauptstadt. 2013 wurde Alexander Nachama Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Dresden – da war er noch keine 30 Jahre alt. Jetzt zieht er weiter: Am 1. September wird Nachama Landesrabbiner von Thüringen und betreut dann die Gemeinden Erfurt, Jena und Nordhausen.

Auf die seit Ende Juli ausgeschriebene Rabbinerstelle haben sich bislang drei Kandidaten aus Deutschland beworben, außerdem traf eine Bewerbung aus Israel ein. In den kommenden Wochen finden Vorstellungsgespräche statt, und auch Bewerbungsgottesdienste wird es geben, sagt Nora Goldenbogen, Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Sachsen und Dresdner Gemeindechefin. Läuft alles glatt, soll Ende Oktober eine Entscheidung darüber gefallen sein, wer Nachamas Nachfolger wird.

einheitsgemeinde Die Jüdische Gemeinde zu Dresden ist eine Einheitsgemeinde, die alle jüdischen Strömungen, konservativ, liberal und orthodox, unter einem Dach vereint. Die Gottesdienste werden nach konservativem Ritus mit liberalen Elementen begangen.

Diese Tradition wollen die Dresdner weiter pflegen. »Das schließt nicht aus, dass sich Rabbiner anderer Richtungen bewerben können und auch beworben haben«, sagt die Gemeindevorsitzende.

Bislang haben sich drei Kandidaten aus Deutschland beworben.
Die Dresdner jüdische Gemeinde sei traurig, den beliebten und geschätzten Rabbiner zu verlieren. »Aber wir alle haben Verständnis dafür, dass er eine neue Herausforderung annehmen will. Er ist ja noch ein junger Mann«, zeigt sich Goldenbogen verständnisvoll.

rabbinerfamilie Mit einem festlichen Kiddusch wurde Nachama schon Mitte August von den Gemeindemitgliedern und befreundeten Vereinen, Organisationen und den Kirchen offiziell verabschiedet.

Alexander Nachama stammt aus einer berühmten Kantoren- und Rabbinerfamilie. Schon als 15-Jähriger sang er als Kantor in Berlin-Charlottenburg. Er studierte Judaistik, Geschichte und Religionswissenschaft an der Freien Universität Berlin und absolvierte seine Ausbildung zum Rabbiner am Abraham Geiger Kolleg in Potsdam. Damals führte ihn ein Praktikum auch nach Dresden. 2013 wurde er in Erfurt ordiniert und als Rabbiner in Dresden eingeführt. Er gilt als Vertreter des liberalen Judentums.

»Wir haben einen jungen Rabbiner, der bei uns seine erste feste Stelle antrat, zu einem sehr geachteten und schon sehr reifen Rabbiner heranwachsen sehen. Darauf sind wir ziemlich stolz. Ich sehe das auch als Verdienst unserer Gemeinde, denn es findet ja immer ein Wechselspiel zwischen Rabbiner und Gemeinde statt«, sagt Nora Goldenbogen.

Alexander Nachama legte als Rabbiner der Jüdischen Gemeinde zu Dresden großen Wert darauf, alle ins Boot zu holen. Ein Schwerpunkt seines Wirkens in Dresden war die Jugendarbeit. Mit Online-Angeboten wie »Frag den Rabbi« verstand er es, den Gemeindenachwuchs zu erreichen.

Auch in Erfurt will Nachama junge Gemeindemitglieder motivieren: »Die jungen Leute sind schließlich die Grundlage für die Zukunft der Gemeinden.« Einen guten Draht fand der junge Rabbiner aber auch zu den älteren Gemeindemitgliedern, die in Dresden überwiegend aus der ehemaligen Sowjetunion stammen.

Russischunterricht Nachama nahm sogar Russischunterricht, um sich besser mit den Zuwanderern unterhalten zu können. »Leider reichen meine Russischkenntnisse nur für die Seitenzahlen und ein paar Ansagen im Gottesdienst. Trotz Sprachbarriere klappte die Verständigung aber trotzdem irgendwie immer«, erzählt der Rabbiner.

An Dresden werde er immer mit einem guten Gefühl zurückdenken, resümiert Alexander Nachama. »Es war eine schöne Zeit. In der neuen Synagoge zu amtieren, war etwas Besonderes.« Während seiner sechs Amtsjahre konnte trotz 60 Beerdigungen die Zahl von rund 720 Gemeindemitgliedern gehalten werden – dank neuer Eintritte. Besonders gerne erinnert sich Nachama an die fünf Bar- und Batmizwa-Feiern während seiner Amtszeit. »Das sind immer schöne, hoffnungsvolle Feiern, und ich hoffe, dass ihnen noch viele folgen werden.«

Der traurigste Tag sei der 30. März 2017 gewesen, erinnert sich der Rabbiner. An diesem Tag beerdigte die Jüdische Gemeinde zu Dresden Heinz-Joachim Aris, ihren langjährigen Geschäftsführer und Vorsitzenden der Repräsentantenversammlung. »Der Verlust ist für die Gemeinde bis heute spürbar«, sagt Nachama.
Seinem noch unbekannten Nachfolger wünscht Alexander Nachama, dass er sich in Dresden wohlfühlt und von der Gemeinde gut angenommen wird. »Ich hoffe, dass sich die Jüdische Gemeinde zu Dresden weiterhin gut entwickelt.«

Kantor Auf die Zeit ohne Rabbiner hat sich die Gemeinde vorbereitet. Kantor Falk Adam wird die Schabbat-Gottesdienste halten. Für die Hohen Feiertage Rosch Haschana und Jom Kippur konnte die Gemeinde am Hasenberg Professor Eliyahu Schleifer verpflichten.

www.jg-dresden.org

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