Repräsentantenwahl

Positionen und Personen

Wahltermin: 4. Dezember Foto: Mike Minehan

Am Sonntag, den 4. Dezember, wird eine neue Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin gewählt. Rund 9.700 der etwa 10.600 Gemeindemitglieder sind stimmberechtigt. Zur Wahl stehen 62 Kandidaten, von denen sich bis auf sieben alle in Wahlbündnissen (Schalom – Bündnis der Vernunft, Verantwortung Jetzt, Hatikwa, Koach!) zusammengeschlossen haben. Diese stellt die Jüdische Allgemeine in der folgenden Ausgabe vor. Christine Schmitt hat die Einzelkandidaten befragt.

Was sind die Probleme, denen sich die Jüdische Gemeinde zu Berlin in den kommenden Jahren stellen muss – und wie wollen Sie diese bewältigen?

Benno Bleiberg: Nach wie vor ist die finanzielle Situation das größte Problem, das die Jüdische Gemeinde zu Berlin – beziehungsweise deren Organe – bewältigen muss. Das Haushaltsdefizit zwischen ein und zwei Millionen Euro muss drastisch gesenkt werden. Ein Problem in diesem Zusammenhang ist die zusätzliche Altersversorgung der Mitarbeiter der Gemeinde. Im Übrigen muss jeder Ausgabeposten nochmals auf den Prüfstand. Nur mit einem ausgeglichenen Haushalt hat die Gemeinde noch eine Zukunft.

Alexander Brenner: Wir müssen eine Lösung bei der Rentenproblematik finden – und um das zu erreichen, sollten wir einige Grundstücke verkaufen. Der Antisemitismus muss bekämpft werden und politisch eine deutlichere Position bezogen werden. Ferner ist die Jüdische Gemeinde zu Berlin proportional zu wenig im Zentralrat vertreten. Ich bin zwar nicht mehr der Jüngste, bringe dafür langjährige Erfahrungen mit, da ich mehrere Legislaturperioden in der RV saß und auch als Gemeindevorsitzender amtierte.

Liliana Liebermann: Wir sind zwar die größte Gemeinde, verfügen aber über verhältnismäßig wenig Steuerzahler, weshalb unsere Mittel begrenzt sind. Es könnte doch jedes Mitglied einen Euro pro Monat freiwillig spenden. Wir haben für die Altersgruppe der 30- bis 60-Jährigen keine Angebote. Ich möchte ein soziales Netzwerk ausbauen und die Leute heranziehen, sodass sie sich für die Gemeinde engagieren und nicht nur fragen, was die Gemeinde für sie tut. Ich habe ein gutes Verhältnis zum Vertrauensrat. Ich habe immer ein offenes Ohr für unsere Mitarbeiter und Senioren und habe extra Sprechstunden eingerichtet.

Natan Del: Die finanzielle Konsolidierung sollte auf Augenhöhe mit dem Senat verhandelt werden. Auch muss die Rentenproblematik gelöst werden. Die Jüdische Gemeinde zu Berlin soll weiterhin als Religionsgemeinschaft definiert werden. Die jüdische Identität – im Sinne unserer Eltern und Großeltern – muss hervorstechen und deshalb muss die Integration der neuen Mitglieder unter diesem Gesichtspunkt vorangetrieben werden. In erster Linie möchte ich mich für mehr »Jüdischkeit« in der Gemeinde einsetzen. Ich habe mich keiner Gruppierung angeschlossen, um auch weiterhin Unabhängigkeit zu bewahren.

Rose Berger-Fiedler: Die mangelnde Kommunikation ist ein großes Problem. Es gibt kaum eine Zusammenarbeit zwischen den Alteingesessenen, Zuwanderern und Israelis. Natürlich muss die Finanzlage geklärt werden, da müssen Lösungen gefunden werden, die das Leben der Jüdischen Gemeinde garantieren. Da könnte man sich auch auf den Staatsvertrag beziehen. Seit 15 Jahren habe ich jede RV besucht, und ich habe viel Erfahrung mit Medien und Kommunikation. Ich kandidiere alleine, da ich etwas gegen den Zwang habe, von dem ich glaube, dass der in einem Bündnis besteht.

Julia Pal: Mein Ziel ist, dass die Repräsentanz und der Vorstand offen und kollegial mit den Mitarbeitern der Gemeinde zusammenarbeitet, denn die Mitarbeiter sind das Rückgrat unserer Gemeinde. Außerdem darf nicht zugelassen werden, dass die Mittel verschwendet werden.

Emilia Donskaya: Die globalen Probleme können nur dadurch behoben werden, dass die Schwierigkeiten einzelner Gemeindemitglieder gelöst werden. Ich sehe es als meine Aufgabe an, ihnen zu helfen.

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