Berlin

Pop und eine Prise Orient

In der Synagoge Rykestraße werden die Kulturtage eröffnet. Foto: Roland Wehking

Shlomo Artzi – allein der Name zaubert seinen Fans ein breites Grinsen ins Gesicht. Der israelische Popstar wird zwar erst zum Ende der Jüdischen Kulturtage sein Konzert an einem ungewöhnlichen Ort, nämlich der Synagoge Rykestraße, geben. Aber bereits jetzt gilt Artzis erster Deutschlandauftritt als das heimliche Highlight der zehntägigen Veranstaltung, die am heutigen Donnerstagabend mit dem Konzert »Ost und West. Jüdische Musikwelten – Treffpunkt Berlin« beginnt.

Unter dem Motto »Dialog der Kulturen« sollen die 27. Jüdischen Kulturtage wieder viele Gäste anziehen. Intendant Martin Kranz ist sich da ganz sicher: »Wir haben ein vielfältiges Programm zusammengestellt und erwarten neben Publikum aus Berlin auch viele internationale Gäste.« Zum ersten Mal gebe es bei den Kulturtagen dafür auch ein zweisprachiges Programm auf Deutsch und Englisch, betont Kranz.

Und das kann sich sehen lassen. Denn neben dem Klassiker, dem Shuk ha’ Carmel vor dem Gemeindehaus in der Fasanenstraße, wird es auch wieder die »Lange Nacht der Synagogen« geben. Hier allerdings ist etwas neu, denn zum ersten Mal wird die Nacht im Rahmen der »Langen Nacht der Religionen« stattfinden, in der sich unterschiedliche Glaubensrichtungen vorstellen.

Geschichten Weil die Kulturtage einen Dialog zwischen den Kulturen befördern wollen, steht auch das Storytelling, eine besondere Form der Wissensvermittlung, im Mittelpunkt. Am 17. August erzählen die Irakerin Maha Alusi, die New Yorker Peninnah Schram und Gerard Edery bei »Back‐To‐Back and Face‐To‐Face – A night of Jewish and Arabic storytelling and music« im Jüdischen Museum arabische und jüdische Geschichten aus dem Alltag. Schram gilt als eine Ikone unter den Storytellern. Sie hat das Jewish Storytelling Center mitbegründet.

Um Geschichte geht es in der Ausstellung »Bleiben? Juden im befreiten Berlin« , die im Centrum Judaicum zu sehen ist. Darin werden Bilder, Dokumente und Objekte gezeigt, die die Situation der Überlebenden und ihre Versuche, einen Weg ins Leben zurückzufinden, beschreiben.
Auch für Kinder haben die Jüdischen Kulturtage zum ersten Mal ein kleines Programm vorbereitet. Wer schon immer mal wissen wollte, warum man im September Neujahr feiert und was eigentlich ein Schofar ist, der kann genau das am 16. und 23. August bei »Schau in meine Welt!« erfahren. Jüdische und nichtjüdische Kinder von fünf bis 13 Jahren können sich im Centrum Judaicum über jüdische Feste austauschen.

Identität Die Erwachsenen können bei Arye Sharuz Shalicar, der als Sohn iranischer Juden im Wedding aufwuchs, erfahren, wie sich seine Identitätssuche zwischen muslimischen Freunden und Judentum gestaltete. Der Schauspieler Dominique Horwitz liest am 20. August um 20 Uhr im Renaissance‐Theater aus Shalicars Buch Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude.

Für alle, die sich ganz aufs Genießen konzentrieren wollen: Der israelische Starkoch Israel Aharoni wird gemeinsam mit Martin Lisson, dem Küchenchef vom Hotel The Ritz‐Carlton, live kochen. Am 25. August zeigen die beiden Köchen in der Brasserie Desbrosses, was »Jewish ethnic food« ist. Und wer danach nicht zu vollgegessen ist, der geht in die Synagoge Rykestraße zum Shlomo‐Artzi‐Konzert.

»Dieses Programm wäre ohne die finanzielle Unterstützung von vielen Seiten nicht möglich gewesen«, sagt Intendant Martin Kranz. Die Jüdische Gemeinde beteiligt sich laut ihrem Sprecher Ilan Kießling mit rund 40.000 Euro an den Jüdischen Kulturtagen. Das Land Berlin fördert die Veranstaltung jährlich mit 255.650 Euro, bestätigt Günter Kolodziej von der Berliner Kulturverwaltung. Die derzeitigen Unstimmigkeiten zwischen dem Senat und der Jüdischen Gemeinde hätten auf die Finanzierung der Kulturtage »keinen Einfluss gehabt«, betont Kolodziej.

www.juedische-kulturtage.org

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