Düsseldorf

Paul-Spiegel-Preis für »Gesicht Zeigen!«

Am frühen Mittwochabend ist der Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage an den Verein »Gesicht Zeigen! Für ein weltoffenes Deutschland« verliehen worden.

Uwe-Karsten Heye, der Vorsitzende von »Gesicht Zeigen!«, nahm die Auszeichnung, mit der der Zentralrat der Juden seit 2009 Personen und Initiativen ehrt, die sich für die Stärkung der Demokratie und die Bekämpfung von Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus einsetzen, bei einem Festakt mit 400 Gästen in der Synagoge der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf entgegen.

dankesrede Heye widmete den mit 5000 Euro dotierten Preis den Frauen und Männern, die hauptamtlich und mit der Hilfe vieler ehrenamtlicher Helferinnen und Helfer daran arbeiten, »Deutschlands Weltoffenheit zu bewahren«, sagte er in seiner Dankesrede.

Er erinnerte sich in an die Anfänge des Vereins »Gesicht Zeigen!«: »Eine große Sorge hatte mich damals nach Düsseldorf reisen lassen; die Sorge über Ereignisse, die damals, am Beginn des 21. Jahrhunderts, Schlagzeilen machten. Brandanschläge gegen Synagogen, Mordanschläge gegen ›Asylanten‹, und das in Ost und West gleichermaßen im seit zehn Jahren wiedervereinten Deutschland.« Bei Paul Spiegel fand Heye damals ein »offenes Ohr und die Bereitschaft, den Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus gemeinsam zu führen«. Spiegel wurde neben Michel Friedman Mitglied des ersten Vorstandes von »Gesicht Zeigen!«.

Aktualität Dass dieser Kampf bis heute noch traurige Aktualität hat, beschrieb Heye in seiner Ansprache: »Es geht – immer noch – ganz praktisch darum, Flüchtlinge vor der aggressiven Gewaltbereitschaft des rechten Randes der Gesellschaft zu schützen.« Mehr als 1000 Attacken gegen Flüchtlinge, auch auf Helfer, und Dutzende Brandanschläge gegen Flüchtlingsunterkünfte seien das Ergebnis einer Hetzkampagne, die im Netz und zunehmend auch bei »Pegida« verbreitet wird, sagte Heye.

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, betonte in seiner Rede die Wichtigkeit der Arbeit von »Gesicht Zeigen!«: »Unser diesjähriger Träger des Paul-Spiegel-Preises für Zivilcourage setzt nicht nur die Gedanken von Paul Spiegel in die Tat um, der Verein ist Teil der Geschichte, zu der auch der ›Aufstand der Anständigen‹ gehört.« Dass der Verein vor allem junge Menschen stark gegen Antisemitismus und Rassismus, gegen Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit mache, sei heutzutage wichtig, sagte Schuster.

Schuster erinnerte an den Aufruf Paul Spiegels zum »Aufstand der Anständigen«, bei der Bekämpfung von Rechtsradikalismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit nicht innezuhalten. »Denn es geht nicht allein um uns Juden, um Türken, um Schwarze, um Obdachlose, um Schwule. Es geht um dieses Land, es geht um die Zukunft jedes einzelnen Menschen in diesem Land«.

Demokratie Dieser Appell, sagte Schuster, bleibe gültig: »Es geht um die Frage, wie wir die Errungenschaften unserer westlichen Demokratie und Wertegemeinschaft schützen und im 21. Jahrhundert erhalten.« Es brauche »beharrliche, kontinuierliche Arbeit an der Basis, um Rechtsextremismus nachhaltig zu bekämpfen«. Dies leiste der Verein in vorbildlicher Weise.

Sylvia Löhrmann, stellvertretende Ministerpräsidentin des Landes Nordrhein-Westfalen, erinnerte sich, dass Paul Spiegel sel. A. »immer Gesicht gezeigt hat« und Missstände benannte. »Dabei war er so sanft«, und deswegen traf seine Kritik so hart. Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Thomas Geisel betonte, wie sehr Paul Spiegel das jüdische Leben der Stadt geprägt hat, und Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, sagte, Paul Spiegel habe immer ein positives Bild der Gemeinde gezeigt. »Das war eine besondere Gabe.«

Kreativität Die Laudatorin Christina Rau hob vor allem die Kreativität von »Gesicht Zeigen!« hervor, mit der der Verein versuche, so viele junge Menschen wie möglich zu erreichen: Mit »Schlauen Heften« erreiche die Initiative nicht nur »die Köpfe der Menschen«, sondern auch »die Herzen«. »Sie arbeiten mit Plakaten und Filmspots, mit Vorträgen, Diskussionsveranstaltungen und Spielen (...) und Solidaritätskampagnen.« Rau nannte als herausragende Beispiele das »Vier-Ecken-Spiel« und den »Störungsmelder on tour«.

Rau sagte: »Wir brauchen die Arbeit von ›Gesicht Zeigen!‹ und wir brauchen Unterstützung für diese Arbeit mehr denn je in einer Zeit, in der Hass und Hetze gegen Fremde, gegen Flüchtlinge eine neue Dimension und eine neue Qualität erreichen.«

Gedenken Die Preisverleihung galt auch dem Gedenken an Paul Spiegel sel. A., der am 30. April 2006 starb. Am Mittwochvormittag gedachte das Präsidium des Zentralrats seines ehemaligen Präsidenten. Auch Paul Spiegels Witwe Gisèle nahm an der Gedenkveranstaltung teil.

Zentralratspräsident Schuster schilderte bei der Preisverleihung, »welch schmerzliche Lücke« Paul Spiegel hinterlassen habe. »Ich erinnere mich, als ich im Jahr 2000 ganz neu war im Präsidium des Zentralrats und etwas unsicher, wie ich mich nun in diesem Kreis verhalten sollte. Paul Spiegel nahm mir diese Unsicherheit sofort. Er hatte eine große Gabe, auf Menschen zuzugehen.« Spiegels »politisches und gesellschaftliches Engagement wurde in der ganzen Gesellschaft wahrgenommen«, betonte Schuster.

Gisèle Spiegel sagte: »Seine Präsenz ist immer noch sehr stark. Seine Weisheit, sein Humor und seine Sprüche begleiten uns ständig. Er fehlt und wird immer fehlen.« Dass der Paul-Spiegel-Preis an »Gesicht Zeigen!« gehe, mache sie ganz besonders stolz. »Gerade heute ist es besonders wichtig, Gesicht zu zeigen.«

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