Abschluss

Oberprima

Konzentriertes Arbeiten Foto: Mike Minehan

Der Arbeitsplan hängt schon an der Tafel: »Lesetagebuch weitermachen«, steht ganz oben. Darunter: Aufsätze vom Freitag zurückgeben. Es ist Montagvormittag und im Gymnasium der Jüdischen Traditionsschule am Spandauer Damm herrscht eine konzentrierte Arbeitsatmosphäre. Elinor holt ihr Heft aus der Tasche.

Die 13‐Jährige hatte in den vergangenen Tagen viele Seiten des Buches Bis(s) zur Morgenstunde verschlungen. Sie hat Porträts von der Hauptakteurin gemalt und einige Kapitel bereits in wenigen Sätzen zusammengefasst. »Ich lese sehr gerne«, sagt sie. Und das muss sie auch, denn das Buch der amerikanischen Autorin Stephenie Meyer umfasst mehr als 500 Seiten. Jedes Kapitel sollen die Schüler so präsentieren, dass sich ihre Klassenkameraden dafür begeistern, meint die 13‐Jährige.

Chabad Seit dem vergangenen Sommer gibt es neben der Jüdischen Oberschule auch einen gymnasialen Zweig an der Traditionsschule von Chabad Lubawitsch. In diesen Tagen lief die vom Senat vorgegebene Anmeldefrist für das kommende Schuljahr ab. Zehn Kinder haben sich für die nächste siebte Klasse beworben.

»Als wir im Sommer mit der Oberschule anfingen, wussten wir am Anfang nicht, wie hoch der Zulauf sein wird«, sagt Schulleiterin Heike Michalak. Nun sitzen 14 Schüler im Klassenzimmer. Die meisten kamen aus der eigenen Grundschule, aber auch Kinder von anderen Schulen haben sich für diese Einrichtung entschieden.

Einer von ihnen ist Joel. Seine zwei Schwestern sind ebenfalls in der Grundschule. Die Familie sei nicht so religiös, meint er. »Die Lehrer sind hier anders, sie gehen mehr auf uns Schüler ein.« Was auch daran liege, dass die Klasse kleiner ist als an einer staatlichen Schule. Er hat sich als Lesetagebuch Star Wars – Episode 3 ausgesucht. »Ich habe kein besseres Buch gefunden, und außerdem interessiert es fast alle«, sagt der Schüler.

Senat Im vergangenen Jahr hatte Schulleiterin Michalak das Konzept für das Gymnasium beim Berliner Senat eingereicht, und es wurde genehmigt. So konnte die Planung mit der Oberschule am Spandauer Damm im August 2011 starten. Im September kamen Mitarbeiter des Senates, um die Einrichtung zu überprüfen. »Sie kontrollierten die Unterrichtsqualität, die Klassenbücher, die Formalien und wie das Konzept umgesetzt wird.«

Da die Traditionsschule sich an die Vorgaben des Berliner Senates hält, gab es keine Probleme. Heike Michalak geht zwischen den Tischen herum und erkundigt sich bei jedem Schüler nach dem Stand der Dinge. »Ich kann dir nur raten, dich für ein übersichtliches Thema zu entscheiden«, sagt sie einem Schüler, der sich für das Lesetagebuch noch nicht begeistern konnte.

»Bei uns müssen die Kinder selbständig arbeiten, wer sich zu Hause nicht vorbereitet, der wird die Anforderungen nicht schaffen.« Gerade mit Blick auf das verkürzte Abitur in zwölf Jahren sei der Lernstoff noch umfangreicher. »Manche Schüler wollen nicht und lernen auch nicht von allein. Wir haben hier auch vier, bei denen stand im Zeugnis ›Versetzung ausgeschlossen‹«.

Ausland »Wir haben mehr Anmeldungen als Plätze für die neue siebte Stufe. Zwei Klassen wird es im nächsten Schuljahr geben, insgesamt 45 Plätze«, sagt Barbara Witting, seit 2002 Direktorin der Jüdischen Oberschule.

Obwohl sie schon vergeben seien, nehme die Jüdische Oberschule in Ausnahmefällen auch später noch mitunter Schüler auf. »Beispielsweise, wenn sie aus dem Ausland kommen und sich gar nicht zu diesem Termin anmelden konnten.« Fragen lohne sich auf jeden Fall, meint Witting.

420 Jugendliche besuchen derzeit die Jüdische Oberschule und werden von 45 Lehrern unterrichtet. Noch gebe es zwei Realschulklassen, die aber durch die Schulreform, die die Haupt‐ und Realschulen abschaffte, bald ausgelaufen sein werden.

24 Schüler sei die höchste Klassenfrequenz. Witting bevorzugt aber 20, sodass Sitzenbleiber oder Spätanmelder noch Platz haben. »Wir verstehen uns nicht nur als ein Haus des Lernens, das glücklicherweise dank moderner Ausstattung zeitgemäßen Unterricht in allen Fächern anbietet, sondern wir sind ein familiärer Betrieb – und das schätzen auch die Eltern.«

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