Lev Tov

Neue Hütte

Rabbiner Chaim Rozwaski im neuen Gebetsraum Foto: Rolf Walter

Erika Steuel ist an diesem Freitag eine der Ersten, die vormittags in die Synagoge Lev Tov kommt. Denn sie hat viel zu tun: Die Ehrenamtliche ist verantwortlich für den Kiddusch. Sie geht durch die Räume, zieht die Rollläden hoch, lässt Licht herein und öffnet die Fenster, um zu lüften. Da es viele Zimmer gibt, ist sie damit eine Weile beschäftigt.

Diese Feiertage sind eine ganz besondere Zeit für die Beter von Lev Tov, denn zum ersten Mal treffen sie sich in den Räumen an der Karlsbader Straße. Zu Rosch Haschana habe es keinen freien Platz mehr gegeben, sagt Rabbiner Chaim Rozwaski. Mehr als 100 Menschen kamen – und auch bei den Gottesdiensten zu Jom Kippur war viel los, weshalb extra der Kantor Benni Brosh zur Unterstützung aus Israel kam. Im Garten haben die Beter eine Sukka aufgebaut.

In der Bäckerei in der unteren Etage duftet es nach frischen Challot. Dort steht Mordechai Tauber und schiebt den Hefeteig in den Ofen. Freitags ist einer seiner Hauptarbeitstage, da er morgens backt und abends als Kantor in den Gottesdiensten singt.

Umzug »Wir fühlen uns hier sehr wohl«, sagt Erika Steuel. Vor fast zehn Monaten ist die Synagoge umgezogen – von der Grolmannstraße ans Roseneck. Allerdings seien nicht alle Beter mitgekommen. Dreieinhalb Jahre lang hatte Lev Tov sein Domizil in der Nähe der Synagoge Pestalozzistraße. Damals hatte sich die Beterschaft von der Jüdischen Gemeinde losgesagt und eine eigene Synagoge gegründet – allerdings auf engem Raum. Der Platzmangel gehört nun der Vergangenheit an. Über zwei Etagen mit mehreren Hundert Quadratmetern verfügt Lev Tov jetzt.

Nun gibt es zwei milchige und eine fleischige Küche, eine Synagoge, eine Bibliothek, ein Spielzimmer, Büros, einen Kidduschraum, eine Bäckerei und ein kleines Café. Bis vor Kurzem waren an dieser Stelle die Küche eines mittlerweile geschlossenen Krankenhauses, eine Hausmeisterwohnung und Arztpraxen untergebracht. Nun sind die Wände frisch gestrichen, und es erinnert nichts mehr an die vorherigen Mieter. Viele Beter hatten mitgearbeitet oder Geld gespendet.

»Früher hatten wir nur eine milchige Küche und mussten Pappgeschirr benutzen«, sagt Steuel. Auch für Familien sei es nun angenehmer, weil es ein Spielzimmer gibt, in dem die Kinder betreut werden, während die Eltern den Gottesdienst besuchen. Die Synagoge hat nun auch einen abgetrennten Bereich für Frauen.

Der Rabbiner war nach Dahlem gezogen und hatte Ausschau nach einem passenden Ort für Lev Tov gehalten – bis ihm diese Räume angeboten wurden. Lev Tov müsse nur für die Nebenkosten aufkommen, erklärt Rabbiner Rozwaski. »Wir sind eine Synagoge nach klassisch-orthodoxem Ritus, in der alle jüdischen Menschen willkommen sind.« Die Beterschaft sei nach wie vor unabhängig von der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und erhalte keine finanzielle Unterstützung. Sie hält sich ausschließlich mit Spenden über Wasser.

Träger sei die »Berlin Yeshiva Academy – Institut für den Religiösen Dialog«. Die Einrichtung hat sich laut ihrer Website dem »interreligiösen und interkonfessionellen Dialog in Freiheit und gegenseitiger Achtung sowie der Pflege der jüdischen Tradition, der Förderung Studierender und der Hilfe bedürftiger Menschen« verschrieben.

angebot In der Gegend um das Roseneck würden viele jüdische Menschen leben, von denen Etliche die Gemeinde verlassen hätten, so Rozwaski. Der Rabbiner hofft, dass sie den Weg zu Lev Tov finden werden. Sie habe Flyer in den Läden verteilt und sei auf offene Ohren gestoßen, sagt Erika Steuel.»Jeder jüdische Mensch wird von uns von der Geburt bis zur Scheidung von der Welt betreut«, sagt der Rabbiner.

Der Name der Synagoge »Lev Tov« (Gutes Herz) sei nicht zufällig gewählt worden, er soll Programm, Anspruch und Ansporn für alle sein. Wer Sorgen hat, egal ob es um einen Gang zum Amt, Krankenbesuche oder Unterstützung bei der Erziehung der Kinder geht, oder ob jemand zu seinen jüdischen Wurzeln zurückfinden will – jedem soll geholfen werden.

Dienstags gibt es nach dem Schacharit gemeinschaftliches Frühstück, donnerstags findet der »Schulchan Aruch« und freitags Kabbalat Schabbat statt. Außerdem bietet freitags von 9.30 bis 14 Uhr das Vereinscafé von Lev Tov frische Challot, Brot, Gebäck und Frühstück an. Die Bäckerei soll demnächst täglich geöffnet sein.

Bald soll ein Kinderprogramm angeboten werden, das für den gesamten Nachwuchs altersgemäße Angebote entwickelt. »Jedes Kind ist berechtigt, eine jüdische Erziehung zu erhalten, auch wenn es nicht in eine jüdische Schule geht«, sagt Rabbiner Rozwaski. Außerdem gibt es Musikunterricht für Kinder und Erwachsene. Ein Chor ist auch geplant.

www.lev-tov.org

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