Sport

Neue Heimat für Makkabi

Das Gelände der Zukunft im Modell Foto: Makkabi

Ein Traum, der 2020 Wirklichkeit werden soll: Der Blick aus der Vogelperspektive fällt auf ein rechteckiges Areal, aus dem ein dunkelblauer Kubus heraussticht. Die Solarenergie‐Paneele sind dabei ebenso unübersehbar wie der Davidstern an der Hausfassade über der riesigen Fensterfront, die den Innenraum künftig mit Licht durchfluten soll.

Die architektonische Visualisierung des neuen Sportzentrums von TuS Makkabi 1965 Frankfurt gibt bereits jetzt einen detaillierten Eindruck von der Anlage. Zwei große, der Normgröße entsprechende Fußballfelder mit Kunstrasen, der ganzjährig bespielbar sein wird, sowie zwei Kleinfelder für Fußball, die auch für Basket‐, Volley‐ und Handball genutzt werden können, dazu eine in Blau gehaltene Multifunktionssportfläche für Basket‐ und Volleyball – so will sich künftig das Gelände der Zukunft in der Wilhelm‐Epstein‐Straße auf 21.000 Quadratmetern präsentieren.

Zukunft »Um einen ordentlichen Betrieb als Breitensportverein mit Leistungsanspruch aufrechterhalten zu können, brauchten wir eine neue Anlage mit entsprechenden Einrichtungen«, betont Max Baum. Der 46‐Jährige betreut im Vorstand federführend das Projekt »Neue Heimat – Eine Sportanlage für Makkabi«. »Für Makkabi Frankfurt ist dies ein großer Schritt in die Zukunft, ein Schritt weiter für uns als jüdischer Sportverein«, freut sich der Vereinspräsident der Frankfurter Makkabäer, Alon Meyer, der auch dem Präsidium von Makkabi Deutschland vorsteht.

Makkabi, einer der größten Sportvereine in der Mainmetropole, klagte schon lange über Platzprobleme auf seinem Gelände am Dornbusch. »Die Bertramswiese, die aktuelle Heimat unserer Fußballer, ähnelt mehr einem Bolzplatz im Park als einem Fußballplatz für 22 Mannschaften«, schildert Ronny Weiner, der im Vorstand den Sportbetrieb verantwortet, die Platzprobleme.

Das Sportlerheim mit seinen Umkleide‐, Toiletten‐ und Duschräumlichkeiten strömt eher das Flair des vergangenen Jahrhunderts aus, als Sportbedürfnisse im 21. Jahrhundert zu garantieren. Auf der Bertramswiese teilen sich die Fußballer »den Platz mit der Spvgg. Kickers 1916 – auf Dauer ist es dort aber definitiv zu eng«, sagt der sportliche Leiter Bela Cohn‐Bendit. Zudem gibt es dort keinen Kunst­rasenplatz und kein Flutlicht. Teile des Jahres ist das Gelände aufgrund der Witterungsbedingungen kaum nutzbar.

Schach Außerdem sind die Sportarten, die der 1965 gegründete Verein inzwischen anbietet, sehr vielfältig. »Makkabi bietet viel mehr als nur Fußball: Basketball, Tischtennis, Kampf‐ und Selbstverteidigungsarten und vieles mehr«, sagt Weiner. Aufgrund des vielfältigen Angebots des Turn‐ und Sportvereins ist der Betrieb auf 17 Sportstätten im gesamten Stadtgebiet Frankfurts verteilt. Schachspieler brauchen ruhige Räumlichkeiten, Ballsportler andere Bedingungen als Teilnehmer an Gymnastikkursen oder Begeisterte für Tischspiele.

Ein lebendiger Verein, der sich wie Makkabi auch als »eine große Familie« versteht, wie Meyer betont, braucht auch Räumlichkeiten für soziale Aktivitäten. Mindestens 24 der 28 Abteilungen des Vereins werden auf dem neuen Gelände ihre Aktivitäten erweitern. Geplant wurde das Makkabi‐Sportzentrum vom Architekturbüro Albert Speer + Partner.

Insgesamt wird das Projekt 8,5 Millionen Euro kosten, gut 4,5 Millionen übernimmt die Stadt, das Land Hessen beteiligt sich mit einem Zuschuss von 700.000 Euro an den Baukosten. Die restlichen 3,3 Millionen übernimmt der Verein. Der erste Spatenstich ist noch in diesem Jahr geplant. »2020 werden wir die neue Sportanlage dann einweihen«, kündigt Baum an. Auch sportlich soll das Angebot erweitert werden, sagt Cohn‐Bendit.

Integration »Wir werden endlich auch Frauenfußball anbieten können.« Der jüdische Sportverein in Frankfurt zählt rund 1400 sportlich aktive Mitglieder und ist damit der größte der insgesamt 38 Ortsvereine von Makkabi Deutschland. Zum Sport gehören auch »Integrationsarbeit und menschliche Kontakte. Sie fördern den Zusammenhalt zwischen Zuschauern und Aktiven«, betont Alon Meyer. Stolz ist er auf das integrative Angebot des Vereins, der in der Mainmetropole zu den großen Zehn gehört.

Beim Basketball ist Makkabi nach den Frankfurt Skyliners die zweitbeste Mannschaft in der Regionalliga. Das Billardteam spielt in der Oberliga, die Fußball‐D‐Jugend hat sich europaweit erfolgreich mit den besten Jugendmannschaften gemessen. Nun erhalte Frankfurt ein neues jüdisches Sportzentrum und zeige, »dass es sich zu seinen jüdischen Bürgern bekennt«, sagt Meyer. »Und wir haben eine neue sportliche Heimat gefunden für unsere Makkabi‐Sportfamilie.«

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