Esslingen

Nach Hause kommen

Die segnenden Hände der Kohanim als metallenes Kunstwerk an der Eingangstür, seit letzten Sonntag auch eine Mesusa: Das Fachwerkhaus Im Heppächer 3 in Esslingen am Neckar ist seit seiner Wiedereröffnung als jüdische Einrichtung nicht mehr zu übersehen. Mehr als 120 interessierte Bürger, darunter Vertreter der drei monotheistischen Religionen, nahmen an der offiziellen Eröffnung des neuen Gemeindezentrums mit Betsaal der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württembergs (IRGW) teil.

Mit einem Erbbauvertrag über 100 Jahre sichert die Kreisstadt Esslingen ihren etwa 250 jüdischen Bürgern das Recht auf Ausübung der Religion im Herzen der Altstadt zu. Und die Stadträte hätten ihr »beherztes Ja« dazu gegeben, sagte Barbara Traub, Sprecherin des Vorstands der IRGW.

Symbol »Dieses Haus hat höchste Symbolkraft, es atmet wie kein anderes in der Stadt die Geschichte von Juden und Nichtjuden«, sagte Oberbürgermeister Jürgen Zieger. Die Stadt hatte der IRGW für das Esslinger Gemeindezentrum einen neuen Toraschrein gespendet. Das Geschenk, so das Stadtoberhaupt, sei »ein Zeichen des Wissens auch um das, was hier zerstört und verloren wurde«.

Dreimal war jüdisches Leben in Esslingen ausgelöscht worden: 1348 wurden Juden in der Pestzeit verfolgt, im 16. Jahrhundert wurden sie ausgewiesen, in der Nazizeit verfolgt und ermordet. Erst mit der Zuwanderung in den 90er-Jahren aus den Ländern der GUS regte sich wieder jüdisches Leben in der etwa zehn Kilometer von Stuttgart entfernten Kreisstadt.

Das dreistöckige, prachtvolle Fachwerkhaus war im 19. Jahrhundert vor seiner Nutzung als jüdisches Bethaus Sitz der Schneider-Zunft, in der Nazizeit wurde es zweckentfremdet genutzt, nach dem Zweiten Weltkrieg zuletzt als private Galerie geführt. »Es wird Zeit, Engagement und geistige Arbeit brauchen, bis sich hier wieder ein spirituelles Zentrum entwickelt«, sagte Rabbiner Yehuda Pushkin vor der Befestigung der Mesusa.

Unvorstellbar »Dass hier wieder jüdisches Leben sein kann, war noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar«, betonte auch Margret Ruep zur Eröffnung. Die Vertreterin der Landesregierung Baden-Württemberg begrüßte die Vielfalt der Religionen und Kulturen. »Freiheit braucht Entwicklung«, sagte Ruep.

Im Auftrag des Lehrhauses Stuttgart übergab Meinhard M. Tenné, Grandseigneur der IRGW, ein neues Torapult als Geschenk. Mit dem 30. Psalm Davids erinnerte Netanel Wurmser an die Höhen und Tiefen jüdischer Existenz. Der Landesrabbiner der IRGW nannte die Wiedereröffnung der Synagoge einen historischen Tag. Wenige Meter von der Judengasse entfernt, möge sich wieder jüdisches Leben regen und entwickeln.

»Große Probleme macht uns allerdings, was am rechten Rand der Gesellschaft geschieht«, warnte Wurmser. Wie recht der Landesrabbiner hat, beweist ein auf dem Bürgersteig der Ritterstraße nicht zu übersehendes, weil tief eingeritztes antisemitisches Symbol (»Judenstern« mit Hakenkreuzen). Bisher hat sich in der viel frequentierten Straße daran offensichtlich niemand gestört.

 

Porträt

Kiel – Alles in einem

Von Sozialberatung über Kinder- und Jugendtheater bis zu Sprachkursen: In der Kieler Gemeinde ist alles unter einem Dach vereint

 16.06.2022

Porträt

Mainz – Neue Synagoge mit langer Tradition

Einst war Mainz Teil der legendären SchUM-Städte, heute steht dort eine ganz besondere Synagoge

 16.06.2022

Porträt

Speyer – Eine traditionsreiche Gemeinde

Im Mittelalter war Speyer ein wichtiges Zentrum des Judentums. Heute hat die Gemeinde wieder 567 Mitglieder

 16.06.2022

Porträt

Kaiserslautern – xxx

xxxxx

 16.06.2022

Berlin

Bundespräsident besucht Geflüchtete

Frank-Walter Steinmeier trifft Kinder und Jugendliche aus Odessa im Jüdischen Bildungszentrum

von Joshua Schultheis  07.03.2022

Düsseldorf

Die Makkabäer sind los!

Zum dritten Mal findet in Nordrhein-Westfalen das größte jüdische Sportfest Deutschlands statt

 03.09.2021 Aktualisiert

Brandenburg

Jüdische Gemeinden feiern 30 Jahre ihrer Wiedergründung

Mit einem Festakt begingen rund 150 Gäste aus der jüdischen Gemeinschaft und der Landespolitik das runde Jubiläum

 01.09.2021

Jubiläum

Seit 151 Jahren Teil der Stadtgesellschaft

1870 beschlossen elf Männer, in Gelsenkirchen eine eigene jüdische Gemeinde zu gründen - jetzt wurde an sie erinnert

von Michael Thaidigsmann  30.08.2021

Bremen

Neue Torarolle zum Jubiläum

In der Hansestadt feierte die jüdische Gemeinschaft am Wochenende den 60. Jahrestag der Eröffnung ihrer Synagoge

von Michael Thaidigsmann  30.08.2021