Jubiläum

München feiert Israel

Im Gespräch: IKG-Vizepräsident Yehoshua Chmiel mit Burda-Managerin Stephanie Czerny Foto: Marina Maisel

Siebzig Jahre Israel – das war auch für die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern ein Grund zum Feiern. Mehr als 500 Gäste aus Politik und Gesellschaft waren vergangene Woche der Einladung zu den Feierlichkeiten in der Ohel‐Jakob‐Synagoge gefolgt, die unter der Schirmherrschaft des israelischen Botschafters in Deutschland, Jeremy Issacharoff, standen.

Die Vielfalt des Staates Israel, die in den Reden mehrfach thematisiert wurde, spiegelte sich auch in der Bandbreite des Programms wider. Das Ensemble des »Orchesters Jakobsplatz«, das den musikalischen Teil des über dreistündigen Festakts in der Synagoge gestaltete, war ein Teil davon. Einen anderen Blickwinkel auf Israel vermittelte eine von der BR‐Moderatorin Anouschka Horn geführte Gesprächsrunde mit dem Thema »Mein Blick auf Israel – Perspektiven aus Politik und Gesellschaft«.

zionismus Neben IKG‐Vizepräsident Yehoshua Chmiel und der Burda‐Managerin Stephanie Czerny beteiligte sich daran auch Ex‐Kultusminister Ludwig Spaenle in seiner neuen Funktion als Antisemitismusbeauftragter des Freistaates Bayern. Bereichert wurde der Festakt auch durch Benny Morris, einen der profiliertesten Historiker Israels.

Der Universitätsprofessor, der schon als Gastprofessor am Lehrstuhl für Jüdische Geschichte und Kultur der Ludwig‐Maximilians‐Universität in München tätig war, stellte die Ausstellung 1948 des Münchner Vereins »Demokratie und Information« inhaltlich vor. Sie wurde nach dem Festakt im Gemeindezentrum, wo noch ein offizieller Empfang stattfand, eröffnet und stieß bei den Gästen auf lebhaftes Interesse.

Ebenfalls derzeit als Gastprofessor an der LMU tätig ist Fania Oz‐Salzberger von der Universität Haifa. Die Historikerin hielt den Festvortrag unter dem Titel »Humanist Zionism and Israeli Democracy: a five generation perspective« und spiegelt die Entwicklung des Zionismus anhand ihrer eigenen Familiengeschichte wider – von ihrem Urgroßvater, einem chassidischen Rabbiner, über ihren berühmten Vater Amos Oz bis hin zu ihren säkularen Söhnen.

Empathie IKG‐Präsidentin Charlotte Knobloch erinnerte sich in ihrer Begrüßungsrede daran, wie die Juden in München am Tag der Staatsgründung auf den Tischen tanzten. Heute, genau 70 Jahre später, sei die Verbundenheit mit dem Staat Israel wichtiger denn je. »Die Solidarität und das Einstehen nicht nur für die Sicherheit Israels, sondern auch für Fairness und Empathie mit dem jüdischen Staat ist nicht die Aufgabe von uns, den jüdischen Gemeinden. Es ist Aufgabe unserer Heimatländer, es ist die Pflicht aller Demokraten«, erklärte sie.

Wie alle Redner des Abends sorgte sich auch die IKG‐Präsidentin über den wachsenden Antisemitismus, der auch in einer diffamierenden, dämonisierenden und de­legitimierenden Pauschalkritik an Israel zum Ausdruck komme. »Wie kein anderer Staat«, so Charlotte Knobloch, »sieht sich das jüdische und demokratische Israel weltweit, bis in die höchsten Ebenen, mit einem Übermaß an Abfälligkeit, Anmaßung, Belehrung, irrationalen Anschuldigungen und Agitation konfrontiert.«

Diese Ungerechtigkeit zu beenden, sei ebenfalls Pflicht von Politik und Gesellschaft, forderte Knobloch. Sie könne allerdings auch eine gewisse Erleichterung darüber verspüren, dass Antisemitismus in all seinen Spielarten als ernste Bedrohung für die jüdische Zukunft in Deutschland erkannt werde. Gerade Bayern und München, so Charlotte Knobloch, hätten in jüngster Zeit wichtige Schritte gegen das Phänomen unternommen.

schutz Dieses Lob dürfte auch Bayerns stellvertretende Ministerpräsidentin Ilse Aigner wohlwollend zur Kenntnis genommen haben. Schließlich bezeichnete sie sich als Freundin der jüdischen Gemeinde. Die CSU‐Politikerin erinnerte an die moralische Pflicht und die historische Verantwortung zum Schutz Israels, die jeder in sich trage. »Es ist gut«, sagte sie, »dass es den Ort für alle Jüdinnen und Juden der Welt gibt.«

Sie stellte aber auch klar, dass gewährleistet sein muss, dass sich jeder Jude »hier bei uns« vollkommen sicher und zu Hause fühlen könne. »Ich sage deshalb ganz klar: Ich dulde keinen Antisemitismus bei uns«, betonte Aigner. Judenhass habe in der Gesellschaft nirgendwo Platz, weder auf den Marktplätzen noch in den Hinterzimmern und erst recht nicht in den Parlamenten.

Eine kompromisslose Haltung gegenüber jeder Form von Antisemitismus vermittelte auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter. Die Häufung antisemitisch motivierter Vorfälle in jüngster Zeit sei schockierend und nicht hinnehmbar, erklärte er. Auf der anderen Seite dürfe man stolz darauf sein, dass jüdisches Leben und jüdische Kultur heute wieder feste, sichtbare und selbstverständliche Bestandteile des öffentlichen Lebens in München seien.

Verantwortung In den Mittelpunkt seiner Rede stellte das Münchner Stadtoberhaupt aber den Dank an die jüdischen Münchner, die der Stadt nicht den Rücken gekehrt, sondern alles daran gesetzt hätten, Vertrauen wiederherzustellen, Versöhnung möglich zu machen und Lehren aus der Vergangenheit zu vermitteln.

»Aber nur so konnten wir uns irgendwann wieder selbst ins Gesicht schauen, und nur so konnte letztlich auch das enge und freundschaftliche Verhältnis zu Israel entstehen, auf das wir heute gemeinsam bauen«, erklärte Oberbürgermeister Reiter in seiner Rede. Er erinnerte in diesem Zusammenhang auch an den Stadtratsbeschluss aus dem vergangenen Jahr, mit dem die Solidarität mit Israel und dessen Existenzrecht bekräftigt worden seien.

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